Heimatgefühle bringen Wasser auf die Moret

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Der erste Bauabschnitt zur Modernisierung der Wasserleitung auf der Moret ist geschafft. Der stellvertretende Vorsitzende der Naturfreunde, Volker Enders, hat als Bauingenieur viel Wissen und Können eingebracht. In das alte Wasserrohr wird ein neuer Schlauch eingezogen. Der neue Wassertank vor dem Haus unterstützt die Versorgung in Spitzenzeiten.

Dieburg -  Manche Dinge im Leben entwickeln sich zu wahren Selbstläufern. Das kann derzeit niemand besser bestätigen als die Vorsitzende der Dieburger Naturfreunde, Sabine Schröder. Den kleinen Empfang am Mittwoch auf der Moret hatte sie vor wenigen Wochen noch als Einladung zum ersten Spatenstich angekündigt. Von Michael Just

Stattdessen konnte sie ihren Gästen die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts mitteilen. Dabei setzte die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Dieburg diese Woche mit einer Spende in Höhe von 8 000 Euro ein weiteres Ausrufezeichen hinter eine Geschichte, die so vor eineinhalb Jahren niemand für möglich gehalten hätte.

Lange Leitung, pfiffige Ideen

Die Wasserleitung zur Moret wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikaner gelegt. Sie reicht von der Hühnerfarm über eine Distanz von drei Kilometern hoch zum Naturfreundehaus. Der Verein „Naturfreunde“ ist Betreiber der Leitung und muss deshalb auch für die Kosten aufkommen. „Die letzten Jahre gab es immer wieder Rohrbrüche, die uns jedes Mal 1 500 Euro kosteten“, so Volker Enders, stellvertretender Vorsitzender. Als Bauingenieur ist er vom Fach und begleitet deshalb die Sanierungsarbeiten. Zuerst wurde überlegt, den Waldweg aufzureißen, um die Leitung zu verlegen. Dann kam man auf eine kostengünstigere Idee: In das alte Rohr wird ein neuer, dünnerer Schlauch eingezogen. Das fortan geringere Transportvolumen gleicht ein Schacht mit einer Wasserkammer vor dem Naturfreundehaus aus. Der darin liegende Wasserbehälter unterstützt in Spitzenzeiten die Versorgung. „So können wir bis zu 25 000 Euro einsparen“, sagt Enders. Im zweiten Abschnitt steht nun das Einziehen des Schlauches an. Da dafür im Wald gearbeitet werden muss, sollen die Arbeiten erst mit dem Ende der Vogelbrutzeit Anfang September beginnen. Der Einbau der neuen Pumpe in der „Talstation“ steht ebenfalls noch aus. Ende Oktober soll das Gesamtprojekt fertig sein

In ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung im November 2007 standen die Naturfreude vor einer schwierigen Entscheidung. „Entweder wir versuchen, 60 000 Euro für die Sanierung unserer maroden Wasserleitung aufzubringen oder wir wursteln mit etwas Glück noch zehn Jahre weiter und stehen dann vor der Schließung unseres Hauses“, formuliert Schröder rückblickend die damalige Situation. Als man sich für die erste Variante entschied blickten die Vorstandsmitglieder in zahlreiche skeptische Gesichter. Die Zweifler schienen anfangs Recht zu behalten: „Bis zum Juni letzten Jahres hatten wir gerademal 6 000 Euro zusammen“, erzählt Schröder. Doch dann setzte die Wende ein: Mit einem Konzert des KMGV-Frauenchors „VivaDiva“ auf der Moret kam der Stein ins Rollen, der zusätzlich noch durch ein ausgefeiltes Plakat samt Flyer der Werbedesign-Studentin Maria Hebeisen unterstützt wurde. In nur zwölf Monaten sammelte man dann fast den gesamten benötigten Betrag (derzeitiger Stand: 55 000 Euro). Die zweckoptimistische Aussage von Schröder zu Beginn („Wir müssen nur 60 Spender à 1 000 Euro finden“) erfüllte sich - wenn auch in anderer Form: So traten mehrere Großspender mit teilweise über 5 000 Euro auf den Plan, ergänzt von zahlreichen Kleinspendern, die immer wieder mal ein paar Euro in die Sammelbüchse auf der Moret warfen. Da Kleinvieh bekanntlich auch Mist macht, kam auf diesem Weg ebenfalls ein vierstelliger Betrag zustande.

Hier geht´s zur Homepage der Naturfreunde Dieburg.

Neben den Weihnachtsspenden ließen sich zudem zahlreiche engagierte Bürger immer wieder ausgefallene Aktionen einfallen: Sie reichten von Lauftreffs und Massagen für die gute Sache bis hin zu Sammelbüchsen, die an der Fastnacht die Runde machten. So reicherte sich der Grundstock, der aus der Kapitalrücklage der Naturfreunde und der Vereinsförderung der Stadt (zusammen rund 30 Prozent des benötigten Betrags) rasch an.

Das hätten wir nicht geglaubt“, zeigt sich Schröder immer noch überrascht. Die Spendenbereitschaft führt sie auf mehrere Gründe zurück: Zum einen durch die regelmäßige Präsenz in den Medien, die dazu führte, dass das Projekt stets in aller Munde war. Zum anderen darauf, dass das Naturfreundehaus bei der Bevölkerung fest im Hinterkopf verankert sind. „Hier oben verbrachten schon viele Dieburger in jungen Jahren mal eine Freizeit“, weiß die Vorsitzende. Die Vorstellung, „Meine Moret gibt es vielleicht bald nicht mehr“, habe die Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst.

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