Unwetter beim Traffic Jam

Heißer Auftakt, dramatisches Ende

Dieburg - Die 13. Auflage des „Traffic Jam“, zweitägiges Dieburger Musik-Festival für Rock, Punk und Metal, wird nicht nur den Helfern des ausrichtenden Vereins „Schallkultur“, sondern auch rund 2000 Besuchern in besonderer Erinnerung bleiben: Von Jens Dörr

Traffic Jam in Dieburg

 Musik-Festival Traffic Jam in Dieburg

Der Traffic Jam in Dieburg lockte am Wochenende die Massen an. 1999 startete die Veranstaltung mit 300 Besuchern, mittlerweile kommen pro Veranstatungstag bis zu 3.000 Besucher zu dem Musik-Festival.

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Nach einem heißen Start am Freitag und einem durchmischten Samstag soffen am Sonntagmorgen die Camper auf dem Verkehrsübungsplatz der Fahrschule Völker und auf den benachbarten Wiesen ab. Das Festival endete so mit einem Großeinsatz der Feuerwehr und der Evakuierung der Zeltplätze.

Selbst am späten Samstagabend war das dramatische Ende noch nicht abzusehen gewesen. Zwar hatte am Freitagabend eine Band wegen des plötzlich einsetzenden Starkregens ihre Show verkürzen und die Gäste am Samstag hin und wieder Zuflucht in ihren Zelten suchen müssen. „Das war aber alles noch okay“, sagte Festival-Sprecher Christian Götzinger. Auch der Bereich vor der Bühne war noch „betanzbar“, legendäre Matschschlachten wie beim „Wacken Open Air“ schienen weit weg. Tatsächlich kam es für die Besucher und das „Schallkultur“-Team um den Vorsitzenden Martin Völker noch schlimmer.

Wäre das Festival am Samstag gegen Mitternacht beendet gewesen, hätten alle Seiten wohl von einem nahezu perfekten Ereignis gesprochen. Zwar war die Hitze am Freitag mit Temperaturen von mehr als 40 Grad in der Sonne selbst größten Wärme-Freaks ein wenig zu heftig, doch damit ließ sich trickreich umgehen. Die Supermärkte im Industriegebiet-Nord dürften wohl einen historischen Getränkeverkauf verzeichnet haben - und das nicht nur an den beiden Festival-Tagen: „Viele sind bereits am Donnerstag angereist“, so Götzinger. Selbst am Mittwoch seien die ersten Gäste schon gekommen, „die haben wir aber noch mal heimgeschickt“.

Bilder vom Traffic Jam

Traffic Jam-Festival

Spätestens am Freitag um die Mittagszeit hatte das Gros der rund 2000 Camper buchstäblich seine Zelte aufgeschlagen. Wegen des großen Andrangs versuchten immer wieder Gäste, ohne gültiges Camping-Ticket auf das Areal neben dem eigentlichen Festival-Gelände zu gelangen. Freundlich, aber bestimmt verhinderte das der Sicherheitsdienst des „Traffic Jam“.

Die jungen Organisatoren - überwiegend aus Dieburg, Münster und der näheren Umgebung stammend - wären aber nicht ihrem flexiblen, pragmatischen Ruf gerecht geworden, hätten sie nicht doch auch für die Schlafplatz-Suchenden ohne Camping-Ticket eine Lösung gefunden: „Die Familie Enders, die eine Wiese neben dem Gelände besitzt, hat uns diese kurzfristig zusätzlich zur Verfügung gestellt“, freute sich Sprecher Götzinger. „Dafür ein riesiges Dankeschön!“ Gerade weitgereisten Besuchern konnte so geholfen werden. Zu den 2000 Besuchern mit Dauer- und Camping-Karte am Freitag und Samstag gesellten sich noch einige hundert Tagesgäste hinzu. Die exakte Auswertung der Zuschauerzahl stehe noch aus, so Götzinger - es dürften aber erneut um die 5000 gewesen sein.

Heiße Sache: „Elderstream“ aus Aschaffenburg heizten am Freitagnachmittag zusätzlich ein.

Beim Auftakt am frühen Freitagnachmittag mit „Emproad“ aus Kaiserslautern (Progressive Rock/Metalcore) hielten sich die meisten wie bei den Rockern von „Elderstream“ aus Aschaffenburg zwar noch im Schatten auf. Aus den wenigen Dutzend Leuten vor der Bühne wurde aber schon bei Reign Supreme aus den USA eine ansehnliche Masse mit mehreren hundert Hardcore-Fans. Nicht ausgeschlossen, dass das Quartett aus Philadelphia mit seinem neuesten Werk „American Violence“ („Amerikanisch Gewalt“) nicht zuletzt auch das meint, was es dem Publikum auf die Ohren gibt.

Derweil darf man sich nicht täuschen: Das Festival mit seinem U-30-Publikum war auch bei seiner Unglücksauflage eine friedliche Sache. Pech mit dem Wetter hatten bei ihren Auftritten unterdessen nicht nur die Höhepunkte „The Gallows“ (Großbritannien) und „Suicide Silence“ (USA), sondern auch die Lokalmatadoren von „Nothing’s Left“ aus Dieburg und Darmstadt. Gerade bei deren Gigs zeigte sich Petrus besonders übellaunig.

Experiment: „Monsters of Liedermaching“

Eine vollkommen andere Note brachten am Samstagabend die „Monsters of Liedermaching“, sechs deutsche Liedermacher, ein. Musikalische Experimente wie dieses, die das hiesige Publikum in der Regel goutiert, gehören seit Jahren ebenfalls zum „Traffic Jam“.

Vieles, was die Organisatoren in der eigenen Hand hatten, lief in diesem Jahr also rund. Nur die vom Wettergott verschuldete Sintflut muss in Zukunft gewiss nicht zu den Begleitern des Spektakels werden.

Quelle: op-online.de

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