Henni Nachtsheim in Römerhalle

Besser gut gebabbelt als schlecht gelesen

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Zu einer „Lesung ohne lesen“ lud Henni Nachtsheim am Samstag in die Römerhalle ein.

Dieburg - Ein „Stand Up-Programm für Fußballfans und die, die mit Fußball gar nix anfangen können“, so umschreibt Comedian Henni Nachtsheim sein aktuelles Soloprogramm auf seiner Internetseite. Von Matthias Grimm

„Den Schal enger schnallen und in die Ohren spucken“ ist als eine Lesung aus dem gleichnamigen Buch des Künstlers angekündigt. Allerdings als eine „Lesung ohne lesen“.

Am Samstag trat Henni Nachtsheim in der Römerhalle auf. Und angesichts der kuriosen Ankündigung war es durchaus spannend, was die Besucher erwarten würde. Nachtsheim las in der Tat nicht aus seinem Buch („Ich bin ein grottenschlechter Vorleser), sondern „babbelte“ in freier hessischer Rede vor rund 200 Zuschauern „über allerlei Kurioses und die vielen wunderbaren Nebenschauplätze“ des kleinen und großen Fußballs. Dabei spielte sein Lieblingsverein Eintracht Frankfurt eine Nebenrolle, eher flossen die Erinnerungen aus Nachtsheims Karriere als Nachwuckskicker bei der SKG Sprendlingen mit ein. Die Zuhörer machten Bekanntschaft mit seinem Mannschaftskameraden, dem Metzgerssohn Hennes, der zuweilen in der Kabine seine ganz eigene Lyrik zum Besten gab: „Erst ess isch Worscht, dann hab isch Dorscht.“

Erfolgstrainer war seinerzeit ein Pfarrer, der sein Team mit den Worten „geht raus und glaubt an euch“ trefflich zu motivieren wusste. Das Spiel ging anschließend mit 0:12 verloren.

Viele Lacher hatte Nachtsheim auf seiner Seite, als er sich über die Spots lustig machte, mit der die Fußballer in den Siebziger Jahren für Produkte warben. Noch heute plagen ihn Horrorvorstellungen, wenn er an Uwe Seeler denkt, der sich vor dem Spiegel mit Rasierwasser einreibt und das Lied „Im Frühtau zu Berge“ pfeift. Noch schlimmer werde dies, wenn dem Betrachter dabei die fürchterlichen Gerüche der väterlichen Rasierwässer in die Nase steigen.

Gegen Ende liest Henni Nachtsheim dann doch ein bisschen vor, und zwar aus seinem Eintracht-Tagebuch. Auch hier erfährt der Zuhörer Kurioses: So habe der Verein in seiner Gründungszeit um 1900 tatsächlich einmal „Frankfurter Kickers“ geheißen. Nachtsheim verpackt die einzige Deutsche Meisterschaft im Jahr 1959 (5:3 im Endspiel gegen Kickers Offenbach) in lustige Anekdoten und schlägt einen Bogen bis in die jüngere Vergangenheit.

In der Nachspielzeit macht Nachtsheim einen eleganten Übersteiger und verweist auf die nächste Saison mit Partner Gerd Knebel: Das Duo „Badesalztheater“ bereitet sein neues Programm „Dö Chefs“ vor, mit dem es ab Mai 2014 auf Tour geht.

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