Besondere Grabstätte auf dem Friedhof eingeweiht

Hier ruhen Sternenkinder

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Stellvertretend für die Kinder des evangelischen Kindergarten „Odenwaldstraße“ fand sich eine kleine Delagation mit Claudia Moosdorf, Olga Schiffmacher und Gabi Mehr an der jetzt eingeweihten „Grabstätte der Sternenkinder“ ein.

Dieburg - „Wir sind froh, die Möglichkeit einer würdenvollen Ruhestätte für Sternenkinder geschaffen zu haben“, sagte Bürgermeister Dr. Werner Thomas mit Emotionen in der Stimme. Auch den anderen beteiligten Erwachsenen ging das Thema sichtlich nah. Von Verena Scholze 

Einzig die Kinder nahmen die Situation rund um die neu gestaltete Ruhestätte für Sternenkinder ruhig auf.

„Sternenkinder“ ist eine liebevolle Bezeichnung für still- oder fehlgeborene Kinder. Dieser poetischen Wortschöpfung liegt die Idee zugrunde, Kinder zu benennen, die „den Himmel erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften“.

Lange Zeit schon war der Friedhofsverwaltung der Zustand des bisherigen Grabfelds für die Sternenkinder auf dem Friedhof ein Dorn im Auge. „Alle Versuche, die Grabfläche zu bepflanzen scheiterten immer wieder, da hier zu viel Schatten fällt“, blickte Gabi Mehr vom Friedhofsamt zurück. Auf ihre Initiative hin ging man die Neugestaltung an. Mehr hatte die Idee, diese möglichst kostengünstig als gemeinsames Projekt zusammen mit einem Kindergarten zu planen. Eine entsprechende Anfrage an den in der Nähe liegenden evangelischen Kindergarten „Odenwaldstraße“ verlief positiv. In Zusammenarbeit mit der Kindergartenleiterin Claudia Moosdorf, sowie der Facherzieherin für Kunst und Gestaltung, Olga Schiffmacher, wurde die Neugestaltung des Grabfelds für Sternenkinder geplant und umgesetzt. „Ich hatte im Internet recherchiert und einen schön gestalteten Stein gesehen“, so Mehr. „So farbenfroh konnten wir uns das hier auch vorstellen.“

Gemeinsam mit allen Kindern des Kindergartens wurde der Stein des alten Kapuzinergrabs kindgerecht und pietätvoll gestaltet. „Wir haben mit den Kindern gruppenübergreifend daran gearbeitet“, berichtete Schiffmacher. Zunächst wurden die Steine gewaschen. Dann wurden in mühsamer Kleinarbeit die Mosaiksteine wie Puzzleteile zusammengesetzt und auf den Grabstein geklebt. Auch die Bemalung der Granitsteine, die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs als Regenbogen angelegt habe, haben die Kindern übernommen. Am Grabstein wurde eine Ablagefläche für Blumen und Andenken geschaffen, die restliche Fläche wurde mit Steinen aufgefüllt. Dazwischen wurden Zwergkoniferen gepflanzt.

Die Firma Schelter hat extra für das Grabfeld ein LED-Solarpanel hergestellt. Es hat die Form einer Kerze, die nun auf dem Grabstein im Dunkeln leuchtet. Auch ein blaues Emailschild mit der Aufschrift „Sternenkinder“ wurde auf dem Grabstein befestigt. „Es werden noch Sterne mit den Namen der Kinder auf dem Grabstein angebracht“, berichtete Wolfgang Dörr, Fachbereichsleiter für öffentliche Einrichtungen.

Der Tod von ungeborenem Leben ist für alle Angehörigen eine außergewöhnliche Lebenssituation. Daher befinden sich im neu gestalteten Grabfeld auch Symbole, die in der Trauerbegleitung eine wichtige Rolle spielen. So stehen hier Steine als Zeichen der unvergänglichen Erinnerung, Pflanzen, die wachsen und vergehen sowie ein Regenbogen.

„Wir haben die Eltern natürlich informiert“, sagt Moosdorf. Man nahm das Projekt zum Anlass, sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. „Einige waren schon mit dem Thema konfrontiert worden“, so Moosdorf. Etwa durch den Tod eines Verwandten wie Oma oder Oma oder auch den Tod eines geliebten Haustieres. „Die Kinder nehmen dieses Thema sehr natürlich auf, hinterfragen und gehen damit sehr ruhig um“, lautet das Fazit der Erzieherinnen. „Und wir sind dankbar für die pädagogische Möglichkeit, die uns das Projekt ermöglicht.“

Das Grabmal, das sich durch die Gestaltung von den anderen abhebt, ist ein Punkt geworden, an dem auch viele Besucher kurz verweilen. Und betroffene Eltern haben nun die Möglichkeit, ihrem Kind einen Platz in den „Gärten der Sternenkinder“ zu geben und einen Ort für ihre Trauer finden. Derzeit liegen acht Kinder hier begraben.

Und welche Bedeutung ein solcher Platz der Trauer für die Eltern hat, zeigt der Fall eines Ehepaares aus Weiterstadt, dessen Kind hier seit einigen Jahren begraben liegt. „Das Kind wurde hier beigesetzt, weil es im ganzen Umkreis keine Grabstätte dieser Art gibt“, sagte Dörr. „Die Eltern besuchen bis heute regelmäßig jedes Wochenende das Grab und denken an ihr Kind, das nie gelebt hat.“

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