Hilfe für eine Familie in Not

Am Altheimer Bahnhof sind am 23. Dezember zwei junge Frauen von einem Güterzug erfasst und getötet worden. Die katholische Pfarrgemeinde St. Peter und Paul bittet nun um Spenden für die Hinterbliebenen. symbolbild: dpa

Nach dem Tod der Mutter steht ein junger Mann mit zwei kleinen Kindern alleine da. Die katholische Pfarrgemeinde bittet um Spenden. VON RALF ENDERS

Dieburg – Am 23. Dezember hat sich am Bahnhof in Altheim Schreckliches ereignet. Zwei junge Frauen kamen ums Leben, als sie von einem Güterzug erfasst wurden. In einer ersten Stellungnahme war die Polizei von einem Suizid ausgegangen. Aus Respekt und um Nachahmung zu verhindern, hat der Dieburger Anzeiger damals nicht über den Vorfall berichtet. Das ist in solchen Fällen nicht unüblich und entspricht den Standards des Pressekodexes, es sei denn, ein Suizid löst zum Beispiel massive Verkehrsbehinderungen aus.

Nun aber stellt sich das Geschen einen Tag vor Weihnachten anders dar. Die Polizei in Darmstadt geht nicht mehr von einem Suizid, sondern von einem Unfall aus, verweist aber auf die für Bahnhöfe zuständige Bundespolizei, die auch in diesem Fall ermittelt. Deren Sprecher Ralf Ströher bestätigt, dass Unfallermittlungen geführt werden – mit der Betonung auf Unfall. Die seien jedoch noch nicht abgeschlossen, derzeit würden noch Zeugen befragt.

Auch der Dieburger katholische Pfarrer Alexander Vogl geht von einem Unfall aus: „Der genaue Hergang ist nicht mehr zu rekonstruieren, aber es war eine Verkettung von unglücklichen Umständen, die zu der Tragik geführt hat“, sagt er. Die beiden Freundinnen wären mit dem Zug von Darmstadt nach Dieburg unterwegs gewesen, seien aber zu weit gefahren und erst in Altheim ausgestiegen, wo es dann zu dem Unfall gekommen sei.

Die Aussage des Geistlichen in ungewohnter Sache hat einen Grund: Die Familie einer der beiden getöteten Freundinnen, eine 25-jährige Polin, lebt in Dieburg und ist dringend auf Hilfe angewiesen. Deshalb ruft Vogl im Rahmen der Aktion „Familie in Not“ zu Spenden für den hinterbliebenen Mann und seine beiden Kinder im Vorschulalter auf.

„Der Mann ist Pole, spricht kaum Deutsch, hat keinen Führerschein und kein Auto und muss jetzt zwei kleine Kinder alleine erziehen“, umreißt eine Bekannte der Familie, die anonym bleiben möchte, die prekäre Situation. Sie dolmetscht, kümmert sich um die Formulare und die Existenzsicherung. Der Witwer möchte mit den Kindern in Dieburg bleiben. Seine Frau wurde hier bestattet. Auch der Dieburger Arbeitgeber des Mannes wolle auf die Dienste seines derzeit freigestellten Mitarbeiters langfristig nicht verzichten und unterstütze die Bemühungen. Die Helferin: „Es ist in einem solchen Fall auch sinnvoll, das soziale Umfeld zu behalten.“ Pfarrer Vogl ergänzt: „Dieses Umfeld hilft jetzt schon, aber hier ist natürlich auch langfristige therapeutische Hilfe nötig.“

Und ganz konkrete: Die Wohnung der Familie zum Beispiel ist nach dem Tod der Mutter zu groß und zu teuer. Gesucht wird nun eine rund 75 Quadratmeter große Wohnung mit zwei bis drei Zimmern in Dieburg bis etwa 570 Euro Kaltmiete. Kein leichtes Unterfangen angesichts des mehr als angespannten Wohnungsmarkts in der Stadt.

Pfarrer Vogl verspricht, das gespendete Geld treuhänderisch über das Konto der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul zu verwalten und dafür Sorge zu tragen, dass es bei der Familie ankommt.

„Viele Menschen sind in Not, und Leid lässt sich nur schwer messen. Aber manchmal ist einfach mehr als das Übliche notwendig“, begründet Vogl das Engagement der Pfarrgemeinde in diesem Fall.

Spendenkonto

Wer der jungen Familie helfen möchte: - Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul - Stichwort „Familie in Not“ - IBAN: DE 19 5085 2651 0033 2022 84 - BIC: HELADEF1DIE

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare