Mit Hilfe leichter lesen lernen

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Eins zu eins: In der Marienschule kümmert sich ein Mentor ganz gezielt um einen Schüler.

Dieburg - Wenn es mit dem Lesenlernen in der Schule nicht so recht klappt, sind sie zur Stelle: die Lesementoren. Das sind ehrenamtlichen Helfer, die einmal in der Woche in die Schule kommen, um mit den Kindern gezielt das Lesen zu üben. Doch sie sind oft mehr als nur Lesepaten. Von Bettina Link

Das Konzept läuft erfolgreich seit März 2012 in Kooperation mit dem Verein „Leselernhelfer Hessen“ an der Marienschule in Dieburg. Der Verein „Leselernhelfer“ ist eine gemeinnützige und ehrenamtlich tätige Organisation, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, Kindern, die Probleme mit dem Lesen haben, den Spaß daran zu vermitteln und ihnen individuell beim Lesenlernen zu helfen.

An der Marienschule widmen sich neun Ehrenamtliche dieser Aufgabe. Jeder kümmert sich dabei immer nur um ein Kind. „Gerade dieses Eins-zu-Eins-Prinzip ist uns wichtig, die Aufmerksamkeit gilt nur einem Kind“, erläutert der Landesvorsitzende des Vereins Georg Kowalski. Er und die Koordinatorin für Darmstadt und den Landkreis, Petra Köster, sind an die Marienschule gekommen, um sich mit den Mentoren zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen und ihre Probleme anzuhören. Zu den Leselernhelfern an der Grundschule in Dieburg gehören Ursula Meseth, Daniela Jaedicke und Ursula Hübscher. Die drei Frauen haben sich alle aus einem Grund für das Ehrenamt entschieden: Sie arbeiten gerne mit Kindern und haben Spaß am Lesen.

Sinn bleibt verschlossen

Die Kinder, mit denen die Mentoren arbeiten kommen aus verschiedenen Gründen nicht mit dem Lesen zurecht. Einige bringen die Buchstaben zwar fließend über die Lippen, aber der Sinn bleibt ihnen verschlossen. Andere hadern mit der deutschen Sprache, oder „sie sind einfach unkonzentriert“, erzählt Ursula Meseth aus ihrer Erfahrung als Mentorin. Dass viele Schüler Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, liege auch daran, dass „viele Eltern den Kindern nicht vorlesen“, sagt Petra Köster.

Geduldig helfen die Mentoren an der Marienschule diesen Kindern die wichtige Kompetenz zu erlernen. Dabei ist die Motivation der Kinder kaum ein Problem: „Sie kommen gerne in die Stunde“, erzählt etwa Ursula Hübscher, der es Freude macht, die Kinder voran zu bringen und sie bei ihren Fortschritten zu begleiten. Doch mit Nachhilfe im klassischen Sinne habe das Programm nichts zu tun, sagt Kowalski. Vielmehr geht es auch darum, dass die Kinder das Treffen mit dem Mentoren als angenehm empfinden und einen Ansprechpartner haben. „Zu Hause interessiert sich oft niemand für die Schulaufgaben“, weiß etwa Ursula Hübscher. Ihre beiden Mentoren-Kolleginnen stimmen ihr zu. Deswegen möchten sie für die Kinder da sein und sie fördern – und das tun sie mit Begeisterung. „Ich habe doch Zeit und kann so etwas Gutes tun“, sagt etwa die pensionierte Lehrerin Ursula Meseth. Auch auf das Leselernprogramm gebe es bislang keine Reaktionen von den Eltern, sagt Schulleiter Lothar Oberle, der das Projekt an die Schule geholt hat, „Doch die Hauptsache ist, dass die Kinder gerne kommen“, so der Schulleiter.

Konkurrenten Fernsehen und Computer

Die Mentoren haben in ihrer Arbeit mit zwei großen Konkurrenten zu kämpfen: Fernsehen und Computer. Diese haben eine größere Anziehungskraft als jedes Buch auf die Kinder, wissen die Mentoren. Die Patinnen beklagen auch den Fernsehkonsum ihrer Leseschüler. „Viele Kinder schauen noch spät abends Fernsehen und sind am nächsten Tag müde und unkonzentriert“, weiß Daniela Jaedicke aus ihrer Erfahrung. Sie und ihre Kollegen wollen trotzdem versuchen, den Kindern die Freude an einem Buch zu vermitteln. „Sie sollen sehen, dass das etwas Besonderes ist“, meint Daniela Jaedicke.

Dass die Mentoren so eine Begeisterung für ihre Aufgabe hegen, freut nicht nur Lothar Oberle, sondern auch die Verantwortlichen von den „Leselernhelfern Hessen“. „Wir sind auf die Freiwilligen angewiesen, ohne sie läuft es nicht“, betont Georg Kowalski, der das Programm in der Region ausweiten möchte. Und weil ohne die Freiwilligen das Projekt nicht laufen könnte, sind er und Petra Köster auf der ständigen Suche nach engagierten Helfern, die ehrenamtlich als Lesementoren arbeiten.

Wer Interesse an den „Leselernhelfer Hessen“ hat, kann sich bei „Mentor Darmstadt-Dieburg“ informieren und Kontakt zu dem Verein aufnehmen. Ansprechpartnerin für den Landkreis ist Petra Köster.

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