Hinter allem steht Wunsch etwas zu ändern

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Christa Antoni-Heinrich hinter dem neuesten Angebot des Dieburger Weltladens: handbemalte Kerzen aus dem afrikanischen Königreich Swasiland. Die Vorsitzende des Trägervereins rechnet mit einer großen Nachfrage am Martinsmarkt, der morgen beginnt.

Dieburg - Der Weltladen in Dieburg feiert heute sein zweijähriges Jubiläum / In den Regalen liegen ausschließlich fair gehandelte Waren. Von Fabian Sell

Was ist fairer Handel? Diese Frage rasch zu beantworten, sagt die Vorsitzende des Eine-Welt-Vereins, Christa Antoni-Heinrich, haben die Mitarbeiter des Weltladens in einem Fortbildungsseminar gelernt. Ihre Version: „Das Wichtigste ist: Keine Kinderarbeit, faire Löhne und der Ausbau schulischer und gesundheitlicher Bildung in den Produktionsländern.“

Diese Informationen weiterzugeben, gehöre zum Prinzip des Weltladens. Und das laute in etwa: Fair gehandelte Produkte verkaufen, Kunden aufklären, Kampagnen mitorganisieren und gezielt Bildungsarbeit betreiben.

Wichtig sei es, ein Bewusstsein für die Frage zu wecken: Will ich weiter auf Kosten anderer Leben? Und wenn nicht: Was kann ich daran ändern?

Wurzeln des Weltladens sind Aktionsgruppen

Den Wunsch, etwas zu ändern, haben manche Dieburger schon länger. „Die Wurzeln des Weltladens sind Aktionsgruppen. Diese haben bestimmt schon seit 20 Jahren bei Kirchenveranstaltungen fair gehandelte Produkte angeboten“, berichtet Antoni-Heinrich.

Die Chance, den Weltladen zu eröffnen, bot sich, als das Modehaus Zörgiebel vor einigen Jahren seine Pforten schloss und das Gebäude in der Steinstraße 5 leer stand. Die Aktionsgruppen fragten beim Besitzer, der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter und Paul nach, ob sie das Gebäude nutzen dürften. Der Kirchenvorstand willigte ein, weil er das Konzept gut fand. Das Resultat war die Gründung des „Eine Welt Verein Dieburg e.V.“ am 10. Juni 2010. „An dieser Stelle kam ich ins Spiel“, so Antoni-Heinrich. „Ich wurde zur Gründungsversammlung eingeladen und prompt zur Vorsitzenden gewählt.“

Vor allem Geld war ein Thema

Nun galt es, das Konzept des Weltladens in die Tat umzusetzen. Während im Gebäude noch Renovierungsarbeiten liefen, feilten die 23 frisch gebackenen Vereinsmitglieder an der Umsetzung. Vor allem Geld war ein Thema. 24 .000 Euro – das sei der Preis für die Ladenausstattung gewesen. „Wir haben zuerst versucht, bei Banken Kredite zu bekommen, haben uns dann aber aufgrund der niedrigeren Kosten für private Darlehen entschieden“, sagt Antoni-Heinrich.

Auch ein Geschäftsplan wurde erstellt. Wie ist es um die Kaufkraft der Dieburger bestellt? Wie soll der Laden aussehen? Und wie lange geöffnet haben? Das waren die Fragen. Ja, ein Weltladen in Dieburg könne funktionieren, und lange Öffnungszeiten – auch über die Mittagszeit – die sollte es erst einmal auf Probe geben. Das waren die Antworten.

Verkäufer arbeiten ehrenamtlich

Aus den langen Öffnungszeiten auf Probe wurde die Regel. Der Umsatz stieg, das Warenangebot, sagt Antoni-Heinrich, erneuerten die Mitglieder gar doppelt so oft wie geplant. Gewinn im eigentlichen Sinne mache der Weltladen aber nicht. Vielmehr nutze der Verein Überschüsse, um die Darlehen zurückzuzahlen – und später wolle man damit auch mal eine 400-Euro-Kraft einstellen.

Denn die derzeit 20, größtenteils weiblichen Verkäufer arbeiten alle ehrenamtlich. Eben dies entspreche auch der üblichen Praxis in Weltläden. Es geht um Überzeugung – nicht um Verdienst. „Es ist schön zu sehen, dass das Geld in den Produktionsländern direkt ankommt“, meint etwa Monika Mattern. Für die Mitarbeiterin ist dies zugleich ein Höhepunkt der ersten beiden Jahre.

Auch Antoni-Heinrich berichtet von ähnlichen Erfahrungen. „Wir haben zum Beispiel einen Anbieter, der jetzt nach 30 Jahren auf eigenen Füßen steht. Dies sollte langfristig auch das Ziel sein.“

Doch trotz allem: Als der Weltladen öffnete, waren noch zehn Mitarbeiter mehr aktiv. Dass diese aufgehört haben, sagt Antoni-Heinrich, hatte jedoch meist berufliche Gründe. So hätten einige nur Teilzeit gearbeitet und dadurch genug Zeit gehabt, um den Weltladen zu unterstützen. Als sie dann eine Vollzeitstelle erhielten, sei dieses Engagement nicht mehr möglich gewesen.

Verein sucht Freiwillige

Deshalb sucht der Verein jetzt neue Freiwillige. „Ein großes Problem ist vor allem, junge Mitarbeiter zu bekommen“, sagt Antoni-Heinrich. Davon gebe es noch sehr wenige. Der Großteil bestehe aus weiblichen Personen über 50.

Interessenten für den Verkauf, betont die Vorsitzende, müssten jedoch nicht unbedingt im Verein Mitglied sein. Umgekehrt sei es auch nicht notwendig, als Vereinsmitglied hinter dem Tresen zu stehen.

In Zukunft habe der Verein vor allem ein Ziel: aktiv die Bildungsarbeit voranzutreiben. „Wir wollen auf Schulen und Gruppen zugehen und ihnen gezielt Informationen zu verschiedenen Themen anbieten.“ Natürlich wolle man auch weiterhin an Kampagnen, wie etwa zuletzt der „Fairen Woche“, teilnehmen. Alle Tätigkeiten, auch der Verkauf im Weltladen, seien letztlich ohnehin eine Form der Bildungsarbeit.

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