Historischer Tag: Neues Bad kommt

WSV-Vorsitzender Klaus Schulte, ohne den das Projekt wohl längst im Sande verlaufen wäre.

Die Mitglieder des Wassersportvereins beschließen die Kreditaufnahme von sieben Millionen Euro und den Auftrag an einen Generalunternehmer. Der Bauantrag wurde gestern eingereicht, Baubeginn ist im Februar, Eröffnung im September 2021. VON JENS DÖRR

Dieburg – Historischer Tag für Dieburg und die Region: 42 der etwa 200 Mitglieder des Wassersportvereins (WSV) Dieburg haben auf einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstagabend im Pater-Delp-Haus den Weg für die Errichtung eines neuen Hallenbads freigemacht. Entstehen soll das sieben Millionen Euro teure Bauwerk im Bereich zwischen dem städtischen Sportplatz am Schlossgarten und dem Freibad-Kiosk. Ab Februar 2020 sollen die Bagger rollen. Am 28. August 2021 soll Tag der Eröffnung sein, ehe das „Sportbad“ genannte und ohne öffentliche Badezeiten (nur Vermietung zu festen Zeiten) geplante Hallenbad am 1. September 2021 seinen Betrieb aufnehmen soll.

Geschichtsträchtig war die Mitgliederversammlung nicht nur wegen des hohen Bedarfs an Wasserzeiten, den die Schulen im Ostkreis Darmstadt-Dieburg, aber auch viele Gruppen und Vereine haben – und der sich wegen der wohl noch lange anhaltenden Schließung des Münsterer Hallenbads (technische Mängel, wir berichteten) weiter verschärft hat.

Vor allem handelt es sich bei dem Umstand, dass nicht der Staat, sondern ein relativ kleiner Verein eine solche millionenschwere Investition tätigt und dabei ohne nennenswerte Zuschüsse der Öffentlichen Hand wirtschaftet, in der Region, wenn nicht gar hessenweit, um ein Novum.

Dessen ungeachtet votierten die Mitglieder am Donnerstag einstimmig dafür, das Bad zu bauen, den WSV über ein sieben Millionen Euro schweres Darlehen bei der Sparkasse Dieburg auf Jahrzehnte zu verschulden und den Auftrag an die in Dieburg sitzende F&R Projektbau von Christian und Timm Früchtenicht sowie Janek Riedl zu vergeben. WSV-Vorsitzender Klaus Schulte hatte zuvor – und nach intensiven Monaten der Vorarbeit mit dem Generalunternehmer – nicht nur die bauliche Planung für das Sportbad, sondern auch die Kalkulation der Betriebskosten ab Eröffnung präsentiert (siehe Infokasten).

Das neue Dieburger Sportbad, für das bereits am gestrigen Freitag der Bauantrag bei der Kreisverwaltung eingereicht wurde, entsteht auf einer annähernd quadratischen Fläche und wird 48 mal 45 Meter groß. Der WSV und die F&R Projektbau stießen bei der Platzierung in allen vier Himmelsrichtungen an Grenzen: im Westen der Sportplatz, im Norden und Osten das Freibad und im Süden die Kreisstraße. Früchtenicht und Schulte freuten sich auf der Versammlung darüber, die schwierige Aufgabe so gemeistert zu haben, dass das Freibad nur einen relativ kleinen Teil seiner Liegewiese einbüßen wird.

Am Montag muss der Magistrat die exakte Platzierung noch genehmigen. Schon im November soll die Stadt Dieburg auf dem Areal erste Vorbereitungen wie das Fällen von Bäumen und das Entfernen von Spielgeräten treffen. Die Stadt stellt dem WSV den Boden über einen Erbpachtvertrag kostenlos zur Verfügung, übernimmt auch die Erschließungskosten und will das Sportbad-Wasser aus seinen benachbarten Freibad-Brunnen spendieren. Über die Vereinsförderung, für die die Stadt neue Richtlinien verabschiedete, winkt dem WSV zudem ein jährlicher Betriebskosten-Zuschuss.

Im Bad dominieren ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen sowie ein Lehrbecken mit Hubboden, der Wassertiefen zwischen null und 1,80 Metern ermöglicht. Am West-ende des wettkampftauglichen Hauptbeckens ist eine Zuschauertribüne vorgesehen. Das Sportbad soll netto 6 709 664 Euro kosten. Addiert man die schon ausgegebenen Netto-Planungskosten von 391 844 Euro, kommt man auf rund sieben Millionen. Für das Projekt hat der Verein einen Puffer von 400 000 Euro einkalkuliert. Das Sieben-Millionen-Darlehen bei der Sparkasse ist für 20 Jahre abgeschlossen, an den Zinssatz (0,95 Prozent) ist der WSV für 15 Jahre gebunden. Nach Zinsen und moderater Tilgung soll laut Vereinschef und Projektleiter Klaus Schulte 2035 noch eine Restschuld von 1,9 Millionen Euro übrig sein.

Mit dem noch ausstehenden Bürgschaftsbeschluss des Kreistags, der zum Unverständnis des Wassersportvereins erst am 17. Februar 2020 gefällt werden soll, wartet vor dem Rollen der Bagger nur noch eine Formsache. Seit Donnerstagabend und den gegen 21 Uhr mehrfach in die Höhe schnellenden Händen der abstimmenden Mitglieder ist es jedoch Gewissheit: Dieburg bekommt (besseren) Ersatz für das alte WSV-Bad am Campus, das nach der Hallenbad-Saison 2020/21 schließen, abgerissen und einem halben Dutzend Einfamilienhäuser weichen wird.

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