Historischer Teil soll authentischer werden

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Gaukler werden den neu konzipierten historischen Markt beleben.

Dieburg - Im Vorjahr feierte der Dieburger Martinsmarkt Jubiläum - zumindest in seiner aktuellen Form: Der Gewerbeverein lud zur 25. Auflage. Von Jens Dörr

Nur unbedeutend kürzer mit von der Partie ist Marktmeister Alois Ostner vom Kaufhaus Enders: Im Gegensatz zu manchem Beschicker ist er in dieser herausragenden Funktion die Konstanz in Person - so auch beim 26. Martinsmarkt. Wobei auch die Standbetreiber dem dreitägigen Treiben sehr gerne die Treue halten: „In der Regel wechseln nur 15 bis 20 Prozent der Beschicker, viele davon auch aus Altersgründen oder ähnlichem“, sagt Ostner. Qualität, Kontinuität - und durchaus auch Wandel wie beim historischen Teil des Markts im Fechenbach-Park: All das zählt und macht den Martinsmarkt zum Publikumsmagneten.

Bei optimalem Wetter könnten es 20 000 bis 30 000 Menschen werden, die ins Zentrum der Gersprenz-Stadt strömen, schätzt Ostner. Sie werden vom 4. bis 6. November vor allem Marktplatz, Zuckerstraße, Steinstraße, verlängerte Rheingaustraße und den Fechenbach-Park bevölkern. Letzterer wird dann das Refugium von Ika von Rab, alias Heyke Möller, sein: Die Schneiderin, die sich auf historische Gewandungen vor allem aus dem Mittelalter spezialisiert und in der Steinstraße ein Geschäft hat, organisiert im Auftrag des Gewerbevereins erstmals den historischen Markt.

Kein „Mittelalter-Markt“

 „Mittelalter-Markt“ sagt sie dabei mit Absicht nicht, auch wenn diese Epoche in diesem Jahr auf alle Fälle dominieren wird. Möller denkt langfristig und sieht auch andere historische Zeiten potenziell als interessant für den Markt an. Schließlich hat Dieburg viele Verbindungen zu den alten Römern, zudem könnte etwa die Renaissance eine Rolle spielen. Die 45-Jährige hat den historischen Teil überarbeitet und neu konzipiert: Sie verspricht noch mehr Qualität als bislang und eine Reduzierung der „Fantasy-Ware“, wie sie es nennt. „Der Indian-Schlabber-Look mit Pelzweste ist nicht das Mittelalter“, sagt Möller. Die Mittelalter-Szene habe deshalb teils einen Bogen um Dieburg gemacht - nun soll das Ursprüngliche mit authentischen Gewandungen und Buden den Martinsmarkt wieder stärker prägen.

Das fange bei Kleinigkeiten an, auf die man penibel achten werde: beispielsweise unverkleidete und undekorierte Wein-Erhitzer. Echte Geschichtsstimmung komme nun mal kaum auf, wenn eine bekannte Elektronikmarke dem Bummelnden ins Auge falle. Im Zentrum stehen auch nicht mehr gar so sehr die gastronomischen Anbieter; vielmehr ziehen verstärkt Gaukler und Kunsthandwerker vor das Fechenbach-Schloss.

Zu ihnen gehört etwa das Luxemburger Bürgvolk. Es richtet ein komplettes Lager ein - mit Zelt, in dem getafelt wird, wobei natürlich jeder genau zuschauen darf. Auch die Wüstenwölfe aus dem mittelhessischen Grünberg kommen, sie geben Mameluken aus dem 12. Jahrhundert. Mit echtem arabischen Mokka und Shisha-Rauchen, verspricht Möller, die jährlich auf vielen Mittelalter-Märkten unterwegs ist und die Szene wie ihre Westentasche kennt.

Nur ein Ausschnitt

All das ist nur ein Ausschnitt: Die Falknerei Anderswelt kommt mit Einhornhunden, Uhus und Dunja, der Herbstkönigin. Ein Schmied, ein Glasbläser, Gaukler und Herold (Arminius von Spyra alias Armin Probst aus Altheim) halten ebenso Einzug wie eine Feuer-Show der Burning Dragons und eine Whiskey Bakery. „Es wird vor allem gezeigt und zur Schau gestellt, natürlich aber auch verkauft“, kündigt Möller an. Historik-Kommerz werde man keinesfalls mehr zulassen, betont sie. Sie garantiere, dass sich alle Buden voneinander unterscheiden werden, es zu keinen Wiederholungen komme. Mitmachen sei ausdrücklich erwünscht - etwa bei Bogenschießen und Axtwerfen.

‹ Der Martinsmarkt im Allgemeinen wie auch der historische Teil wird am Freitag (4. November) um 15 Uhr auf der Bühne vor dem Rathaus eröffnet. Angesagt haben sich unter anderem Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Landrat Klaus Peter Schellhaas. Offiziell geht das Treiben an diesem Tag bis 21 Uhr, man könne bei entsprechendem Besuch aber verlängern, sagt Möller. Am Samstag (5. November) sind die zunächst festgelegten Marktzeiten von 10 bis 21 Uhr, am Sonntag (6. November) von 11 bis 21 Uhr. Nicht fehlen werden Gäste aus Aubergenville und Mladá Boleslav, auch Buden der Prinzengarde und dreier Fastnachtsgruppen. Und selbstredend die Martinsgänse, die das Geschehen schnatternd zur Kenntnis nehmen werden.

Den Abschluss bildet am Sonntag um 20 Uhr das Martinsmarkt-Konzert in der Stadtpfarrkirche mit dem Frauenchor und dem Chor der evangelischen Kirche.

Quelle: op-online.de

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