Tag des offenen Ateliers bei Hénon

Seit 20 Jahren mit Schülern auf der Reise

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20 Jahre Atelier Hénon in Bildern und Zeitungsausschnitten eingefangen: Die Besucher nutzten am Wochenende gerne die Gelegenheit, um in den Alben zu blättern.

Dieburg - Ihre große Leidenschaft ist das detailgetreue Einfangen filigraner botanischer Schönheit, er hält gerne Café- und Straßenszenen im Bild fest und ist vom Drucken mit Holzschnitten fasziniert: Mit Sue und Sylvain Hénon stehen hinter dem Atelier Hénon gleich zwei Künstler, deren Arbeiten national und international Anerkennung finden. Von Laura Hombach 

Doch nicht die beiden Künstler und ihre Arbeiten standen am vergangenen Wochenende zu den Tagen des offenen Ateliers im Licht der Atelier-Scheinwerfer.

Seit 1994 und damit seit 20 Jahren gibt es die Mal- und Kunstschule Atelier Hénon und aus Anlass diese Jubiläums rückten am Samstag und Sonntag die Schüler und ihre Werke in den Mittelpunkt. Bilder der unterschiedlichsten Genres und Techniken sowie Skulpturen reihten sich an Wänden, auf  Tischen, Staffeleien und an durch den Raum gespannten Leinen im Innenraum und im Schaufenster des Ateliers. Jeder Kursteilnehmer hatte ein Werk auswählen dürfen, mit dem er sich in dieser Ausstellung präsentieren wollte – unabhängig von Thema, Stil oder dem Entstehungsjahr.

Als Ergebnis konnten die Besucher am Wochenende ein buntes Kaleidoskop des Kunstschaffens im Atelier Hénon auf sich wirken lassen. Zum genauen Hinschauen verleitete die Gäste auch ein Wettbewerb, den das Künstlerpaar ausgeschrieben hatte. Die Besucher waren aufgefordert, jeweils ein von einem Kind und ein von einem Erwachsenen geschaffenes Kunstwerk, das ihnen persönlich am besten gefällt, auszuwählen und auf einem Zettel zu notieren.

Mit anderem Blick auf die Bilder schauen

„Wir wollten erreichen, dass die Leute mit einem anderen Blick auf die Bilder schauen“, erklärt Sue Hénon. Und ist vom Ergebnis des kleinen Experiments begeistert: „Die Leute haben ganz anders über die Bilder diskutiert“. Diskutiert und schließlich ihr Votum abgegeben: Ganze 426 Besucher steckten Zettelchen mit ihren Stimmen in die Box. Neben der überwältigenden Teilnehmerzahl ist dem Künstlerpaar beim Auswerten der Stimmen noch etwas Besonders aufgefallen. „Fast alle Bilder haben ein oder mehrere Stimmen bekommen“, sagt Sue Hénon. Für das Künstlerpaar eine aufschlussreiche Erinnerung daran, wie vielfältig Kunstgeschmack ist und dass jeder etwas anderes besonders Schön empfindet.

So verschiebt sich auch der Fokus des Künstlers immer wieder neu. „Du bist auf einer Reise“, beschreibt Sue Hénon ihr Kunstschaffen. „Du veränderst eine Kleinigkeit, das gefällt dir und dann entwickelst du das weiter.“

Schüler sind Reisegefährten

Auf ihrer Reise begleitet wurden Sue und Sylvain Hénon von zahlreichen Schülern. Vier davon sind bereits seit der Gründung der Malschule vor 20 Jahren treue Reisegefährten. Eine Schülerin ist gar aus Zeiten vor Gründung der Schule und viele andere Schüler seit 19 oder 18 Jahren oder einer ähnlich langen Zeit dabei. „Das ist ein tolles kreatives Gefühl, wenn wir alle zusammen arbeiten“, schildert Sue Hénon die Stimmung in ihren Kursen. Von vier bis 92 Jahren reicht die Altersspanne der künstlerischen Reisegruppe. Mit den Jahren sind neue Kurse zum Angebot der Hénons hinzugekommen: Inzwischen gibt es auch Akt- und botanische Malkurse, es werden mehr Workshops angeboten und inzwischen gestaltet das Künstlerpaar auch viele Aktionen und Kurse außerhalb des Ateliers etwa in Kindergärten und Schulen. All diese Entwicklungen und Ereignisse der letzten 20 Jahre ließen sich bei den Tagen des offenen Ateliers anhand vieler prall gefüllter Mappen mit Fotos und Zeitungsausschnitten noch einmal nachverfolgen.

Am Montag stand dann die Auswertung der Publikumswahl an. Trotz großflächiger Verteilung der Jurygunst auf fast alle zur Wahl stehenden Kunstwerke, gab es schlussendlich aber doch Kunstwerke, die mehr Stimmen auf sich vereinten als andere. Bei den Kindern ging der erste Preis an die neunjährige Zsofia Száutó, der zweite an die zehnjährige Jana Tilly und der dritte Preis an Elena Zimmer. Sie alle erhalten einen Gutschein für „Plappert Buch und Papier“. Bei den Erwachsenen vereinte die Skulptur eines tanzenden Paares von Kerstin Briggemann die meisten Stimmen auf sich, auf Platz zwei wurde ein Aktbild, gemalt von Jutta Köppen, und auf Platz drei eine fünfteilige Bilderreihe von Andreas Papp, bei der sich der Künstler selbst beim Schneiden unterschiedlichster Grimassen eingefangen hat, gewählt. Die Siegerin kann sich bei einem Brunch im Café Schloss Fechenbach stärken, an die Zweit- und den Drittplatzierten ging ein Gutschein des Eiscafés Rialto. Doch auch für diejenigen, die sich als Kunstjuroren betätigt hatten, winkte ein Preis. Ein ganz besonderer zudem: Zu gewinnen gab es einen von Sylvain Hénon mit einem seitenverkehrten Fehlklischee hergestellten Druck des alten Kapuzinerklosters an der Wallfahrtskirche. Zsofia Száutó und Jana Tilly agierten am Montag als Glücksfeen und zogen aus den von den Besuchern abgegeben 426 Zetteln den Sieger. Über den Druck kann sich Klara Tilly freuen.

Die von den Besuchern des Ateliers ausgewählten Werke sind jetzt im Schaufenster des Atelier Hénon zu bewundern.

Offenes Atelier bei Edith Kaiser

Auch in anderen Dieburger Ateliers standen am Wochenende die Türen für Besucher offen. Edith Kaiser zeigte Acrylgemälde unter dem Titel „Die Welt ist schön“ und Ellen Terjung lud zu ihrer Ausstellung „Textiles Gestalten“ ein. Elke Bergerin zeigte in ihrem Atelier in der Gewerbestraße 8a Malerei und Zeichnungen in verschiedenen Techniken auf Leinen oder Baumwolle und diversen Papieren. Wer ihre Ausstellung verpasst hat, hat am kommenden Sonntag, 28. September, von 11 bis 16 Uhr noch einmal Gelegenheit, das Atelier zu besuchen.

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