„Hochherrschaftliche Bürokratie“ kritisiert

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Pausenszene in der Aula: Der neue Schulentwicklungsplan soll den Zulauf zur Alfred-Delp-Schule begrenzen. Schulleiterin Renate Stiebing will dagegen beim Staatlichen Schulamt ankämpfen.

Dieburg ‐ Für das Dieburger Alfred-Delp-Oberstufengymnasium steht eine Kapazitätsbegrenzung auf dem Stundenplan. Mit anderen Worten: Die Anzahl von neuaufgenommenen Schülern soll ab dem Schuljahr 2012/ 2013 auf 225 pro Jahrgang beschränkt werden. Von Dirk Beutel

Dies war die wichtigste Änderung für die Dieburger Schullandschaft, die im neuen, fast 600 Seiten dicken Schulentwicklungsplan vorgesehen ist, den Schuldezernent Christel Fleischmann (Grüne) im Kreisparlament am Montag vorstellte.

Die Kapazitätsbegrenzung der Alfred-Delp-Schule solle vor allem die Abiturstandorte in Groß-Umstadt und Groß-Bieberau „vor dem Ausbluten schützen“, sagt Fleischmann. Für diese Aufnahmegrenze sei keine Zustimmung seitens des Hessischen Kultusministeriums nötig. Es genüge, wenn das Kreisparlament darüber entscheide. Trotz der Kapazitätsbegrenzung sei jedoch sichergestellt, dass alle Schüler der Verbundsschulen aufgenommen werden. Dazu gehören die Dieburger Goetheschule, die Schule auf der Aue in Münster und die Albert-Schweitzer-Schule in Groß-Zimmern.

„Freie Schulwahl wird abgesägt“

Renate Stiebing, Schulleiterin der Alfred-Delp-Schule, ist über die Kapazitätsbegrenzung alles andere als erfreut: „Die Auswahlmöglichkeiten der Schüler, welche Schule sie besuchen möchten, werden dadurch von vornherein abgesägt.“ Und das, obwohl im Hessischen Schulgesetz eine freie Schulwahl der Eltern verankert ist.

Diese hochherrschaftliche Bürokratie ärgert mich schon sehr“, sagt Stiebing. Dass ihre Schule andere Oberstufengymnasien „ausblute“, kann sie nicht nachvollziehen. „Das ist viel zu extrem dargestellt. So viele Schüler außerhalb unserer Verbundsschulen nehmen wir gar nicht auf“, sagt Stiebing, die von der Qualität und Innovation ihres Kollegiums überzeugt ist. „Wir wollen keine andere Schule kaputt machen. Trotzdem sollte man in erster Linie auf die Wünsche der Schüler eingehen.“ Stiebing nennt für ihre Schule als pädagogisches Argument das breite Fächerangebot in den Leistungskursen, wo etwa auch solch „exotische Bereiche“ wie Physik und Informatik angeboten werden.

Wünschenswert wären rund 260 Schüler

Aktuell nehme die Alfred-Delp-Schule im Durchschnitt rund 280 Schüler pro Jahrgang auf. Alleine dabei erhielten bereits etwa 100 bis 120 Schülern eine Absage. Eine vernünftige Anzahl für Neuaufnahmen sei eine Zahl zwischen 250 und 270 Schülern. Dies würde eine Gesamtschülerzahl von rund 800 Schülern ergeben. Eine wünschenswerte Größenordnung, wie die Schulleiterin findet. Nicht zuletzt, um das Gymnasium räumlich weiter auszubauen. „Doch aus unerfindlichen Gründen versucht Christel Fleischmann unsere Schule klein zu halten.“

Dabei versteht Renate Stiebing nicht, welche Beweggründe den Schuldezernenten antreiben. „Durch eine solche Kapazitätsgrenze unterstützt der Schulträger doch Abwanderungen zu den Darmstädter Gymnasien. Dabei will er doch gerade das vermeiden.“

„Unsere Schule wird ungerecht angegangen“

Gegen die Kapazitätsgrenze versucht sich die Schulleiterin zu wehren, indem sie für Unterstützung beim Staatlichen Schulamt und im Beirat der Schulleiter wirbt. „Eine Stellungsnahme habe ich schon formuliert. Unsere Schule wird ungerecht angegangen.“

Viel Zeit bleibt Renate Stiebing dafür aber nicht mehr. Schon im Dezember werden die Mitglieder des Kreistages über den Schulentwicklungsplan, der bis ins Schuljahr 2014 / 2015 Bestand haben soll, entscheiden.

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