Verein „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ gegründet

„Ohne die Behandlung wäre ich gestorben“

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Haben den Verein „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ gegründet (v. l.): Karl-Heinz Dreher (Zweiter Vorsitzender), Holger Bassarek (Vorsitzender) und seine Frau Adele Bassarek (Schriftführerin).

Dieburg - Der Dieburger Holger Bassarek, einst selbst an Blutkrebs erkrankt, gründete mit anderen den Verein "Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen".

Es war ein heißer Sommer im Jahr 1997, erinnert sich Holger Bassarek und leitet so die Erzählung über die dramatischsten Tage seines Lebens ein. „Ich war gerade frisch verheiratet, habe gebaut und viel Stress gehabt."

Wohl auch deswegen ahnte er zunächst nichts Schlimmes, als sich Erschöpfung, Nachtschweiß und Knochenbeschwerden häuften. Dann wurden sie doch derart schlimm, dass Bassarek den Arzt aufsuchte - gerade noch rechtzeitig. „Bei mir wurde eine Akute Lymphatische Leukämie, kurz ALL, diagnostiziert“, so der Dieburger. Eine sofort in die Wege geleitet Knochenmark-Transplantation rettete ihm das Leben: „Ohne die Behandlung wäre ich fünf Tage später tot gewesen. “.

In letzter Sekunde sprang Bassarek vor 16 Jahren dem Tod von der Schippe - und kann heute wieder ein weitgehend normales Leben führen. Seine Erfahrungen und den Umgang mit der Blutanomalie gibt der Leukämie-Betroffene seit mehreren Jahren weiter. Nun hat der 46-Jährige als Vorsitzender - unter anderem zusammen mit Karl-Heinz Dreher (70, Darmstadt, Zweiter Vorsitzender) und seiner Frau Adele Bassarek (44, Dieburg, Schriftführerin) - den Verein „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ gegründet.

Leukämie, auch als Blutkrebs bezeichnet, äußert sich in erster Linie durch die vermehrte Bildung weißer Blutkörperchen. Leukämiezellen breiten sich im Knochenmark aus, beeinträchtigen damit die reguläre Blutbildung - mit allen negativen Folgen für den Körper, etwa für Leber und Milz, auch für die Knochen selbst.

„Es gibt 30 verschiedene Hauptdiagnosen“, weiß auch Dreher. Bei ihm wurde eine Chronische Myeloische Leukämie (CML) festgestellt - im Rahmen einer Routineuntersuchung. „Im Vergleich zu den akuten Leukämien ist das ein Klacks“, sagt Dreher, der die Krankheit mit Medikamenten bis heute relativ nebenwirkungsfrei in den Griff bekommen hat.

Auch Bassarek, der nach der Transplantation heute übrigens eine neue Blutgruppe hat, kann ein weitgehend normales Leben führen, arbeitet am Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt. Dreher und er organisieren bereits seit mehreren Jahren Selbsthilfegruppen für Leukämie-Kranke - Dreher eine sich „richtig“ treffende Gruppe in Darmstadt, Bassarek eine Onlinegruppe.

„Es hat sich in der Therapie wirklich viel getan“, sagt Bassarek. Da es sich hessenweit aber um eine relativ seltene Krankheit handele, gebe es Informations- und Austauschmöglichkeit nach einer Diagnose nicht an jeder Ecke. In den Gruppen geht es um Informationen zu Symptomen, Krankheitsverlauf und Therapien, um das Klarkommen mit den Nebenwirkungen - Bassarek wurde neben der Transplantation am ganzen Körper bestrahlt, was bis heute etwa die Lunge beeinträchtigt - und nicht zuletzt auch um gegenseitiges mentales Stützen.

Um als gemeinnützig anerkannt zu sein und leichter Förder- und Spendenmittel generieren zu können, hat sich die Gruppe mit der „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ ein offizielles Dach gegeben.

Gerade das Engagement für Erwachsene, die an Leukämie erkrankt sind, ist wichtig. Denn während die öffentliche Anteilnahme bei an Leukämie erkrankten Kindern bereits sehr groß ist, muss für die erwachsenen Betroffenen noch einiges getan werden. Das zeigt sich auch im Spendenaufkommen: Während es sich bei den an Leukämie Erkrankten in zwei Prozent der Fälle um Kinder handelt, gehen 98 Prozent aller Spenden speziell für ihre Behandlung ein. „Bei der Leukämie Erwachsener ist das Verhältnis genau umgekehrt“, sagt Bassarek und will das nicht werten, sondern nur feststellen.

Neben der Gruppe für Darmstadt-Dieburg gibt es auch eine Gruppe in Bad Homburg für den Taunus und den Raum Frankfurt/Offenbach. Meist treffen sich die Gruppen einmal im Monat. „Oft öffentlich in einer Gaststätte - wir schotten uns nicht im stillen Kämmerlein ab“, stellt Dreher, dem wie Bassarek nichts von seiner Krankheit und den Nachwirkungen anzumerken ist, heraus.

Informationen zur „Leukämie- und Lymphom-Hilfe in Hessen“ gibt es unter www.leukaemie-phoenix.de. Holger Bassarek ist unter  06071 43188 und per E-Mail an info@leukaemie-phoenix.de erreichbar.

jd

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