Dieburg

„Holzisch“ für die Ärzte mit den roten Nasen

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Ist hier die Transplantation einer roten Nase nötig oder muss Erdbeereis-Pizza verordnet werden? Die Clowndoktoren bringen kranken Kindern Zerstreuung und Spaß in die Klinik.

Norbert Blüm hat sie und Bodo Bach hat sie auch - die „Holzisch Latern“ ist die höchste externe Auszeichnung, die der mit über 1 600 Mitgliedern größte Karnevalverein Deutschlands zu vergeben hat.

Dieburg (eha) - Und jetzt hat KVD-Präsident Friedel Enders das Geheimnis um den Preisträger 2009 gelüftet. In diesem Jahr geht die „Holzisch“ an den Wiesbadener Verein „Die Clown Doktoren“. Die Auszeichnung wird traditionell am Rosenmontag beim „Närrischen Empfang“ der Stadt und des KVD in der Hall verliehen.

Die „Holzisch“ wird traditionell an Personen oder Institutionen vergeben, die sich in besonderer Weise um die Fastnacht oder die Mundart beziehungsweise das Brauchtum verdient gemacht haben oder denen „sonst irgendwie ein Licht aufgegangen“ ist. 2008 war der Preisträger Walter Renneisen, im Jahr davor die Augsburger Puppenkiste.

Der Preisträger des Jahres 2009 organisiert Auftritte von Schauspielern, die als Clowndoktoren Kinder in Krankenhäusern besuchen. Diese „Ärzte“ verordnen Spaß und Freude, „denn Lachen ist nicht nur gesund, sondern hilft auch heilen“, ist sich Enders sicher.

Mit ihrem Erscheinen und ihren Darbietungen wollen sie den teilweise schwerkranken Kindern Kraft und Mut geben. Selbstverständlich werden die Clowndoktoren vor ihren Auftritten vom Stationspersonal und den behandelnden Ärzten über den gesundheitlichen Zustand der Patienten informiert. Hiernach richtet sich auch die Art ihrer „Visiten“.

Allein durch ihre Namensgebung wie Dr. Schnickschnack, Dr. Bohnenstange, Dr. Howi How oder Dr. Hatte Ma Haar erobern sie die Herzen der Kinder im Nu. Die Clowndoktoren besuchen die Kinderstationen nach Absprache mit dem Krankenhauspersonal und auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder. Oft sind bei den Besuchen auch die Eltern zugegen, für die diese Auftritte ebenfalls Aufmunterung mit sich bringen.

Es werden Clownsnasen transplantiert, neue Patienten werden einem gründlichen Lachtest unterzogen und mit den Genesenden werden Stärketests gemacht. Als besonders heilsam erweist sich oft die Seifenblasenbehandlung und manchmal ist eine Erdbeereis-Pizza auf Rezept genau das Richtige.

Die weißen Kittel der Clowndoktoren täuschen, denn sie sind keine echten Ärzte, sondern professionelle Künstler, für dieses Gebiet ausgebildete Schauspieler, Pantomimen und Musiker, die die jungen Patienten aufmuntern. Tätig sind sie in vielen Krankenhäusern des Rhein-Main-Gebietes.

Der Verein, der 1994 gegründet wurde, beschäftigt zurzeit rund 30 Künstler, welche im jeweiligen Einsatz keine vorgegebenen Texte herunterspulen, sondern für jedes einzelne Kind ganz individuell spielen. Besonders schwierig wird die Aufgabe, auch für erfahrene Clowndoktoren immer dann, wenn schwerkranke Kinder besucht werden. Denn manche dieser Kinder wissen genau um ihren Zustand und dass ihnen eine lange Krankheitsphase oder Schlimmeres bevorsteht. Doch selbst dort bewirken die Clowndoktoren etwas Besonderes: Traurigkeit und Freude stehen manchmal gleichberechtigt nebeneinander. „Ein Arzt erzählte uns, dass ein Kind, das sich von seinen Freunden für immer verabschieden musste, die Clowndoktoren dazu einlud - das sagt doch schon sehr viel aus“, so Enders.

Die Figur des Clowns hilft den Künstlern des Vereins, die Menschen zum Lachen zu bringen. „Auch in der Fastnacht - und damit wollen wir die Brücke schlagen - ist diese Figur gern gesehen und steht auch hier für die Fröhlichkeit und das Lachen“, sagt Enders. Somit schließe sich der Kreis, der zur Verleihung der „Holzisch Latern“ geführt habe, begründet er die Entscheidung für die Doktoren mit den roten Nasen.

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