„Holzisch“ für die  „Gnadekapell“

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Den Swing und die Fastnacht im Blut: die „Gnadekapell“.

Dieburg ‐ Da werden sich die teilweise schon leicht betagten Herrschaften aber freuen: Die höchste externe Auszeichnung des KVD geht in diesem Jahr an die Traditions-Hobby-Combo „Gnadekapell“. Von Lisa Hager

Sie wird am Rosenmontag im Rahmen des „Närrischen Empfangs“ der Stadt und des Karnevalvereins verliehen. Die Laudatio hält die letztjährige Laternenträgerin Dagmar Metzger. Die „Holzisch“ wird laut Statuten an Personen oder Institutionen vergeben, die sich in besonderer Weise um die Fastnacht oder die Mundart beziehungsweise das Brauchtum verdient gemacht haben oder denen „sonst irgendwie ein Licht aufgegangen“ ist.

Die „GK“ - wie sie sich selbst gerne in Abkürzung nennt - ist ein lockerer Kreis von Hobbymusikern, die Spaß daran haben, in leicht jazzigen Arrangements die ureigenen Dieburger Fastnachtslieder zu interpretieren. Die instrumentale Zusammensetzung der „Gnadekapell“ variiert von Auftritt zu Auftritt und es kommt hin und wieder auch vor, dass sich Gastmusiker hinzu gesellen. In der Grundbesetzung stehen: Rudi Stegemann (Posaune und Präsident), Wolfram Fischer („Tenorzerrwanst“ und musikalischer „Leider“), Uwe Schott (Tenorbanjo), Falko Mayer („Tenortröte“), Gerd Löffler (Tenorhorn), Stefan Ludwig („grouß unn kloa Drummel“), Rainer Etz (Jazzbanjo) und Michael Etz (Tenorwaschbrett).

Früher eine Knabenkapelle?

Nicht ganz ernsthafte Untersuchungen haben ergeben, dass die Ursprünge dieser Formation bereits in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts liegen. Damals hat es den Namen „Gnadekapell“ wohl noch nicht gegeben. Die Bezeichnung hätte vermutlich große Empörung ausgelöst, da er ja mit oder ohne Absicht - das ist nicht mit Sicherheit zu klären - an die Wallfahrtskirche erinnert. Eine Anekdote besagt, dass in den Gründungstagen der „GK“ der Name aufgrund von Protesten einiger Musikerfrauen von „Gnadekapell“ in „Knabenkapelle“ geändert wurde.

Heute wird das Thema lockerer gesehen. Die Verbindung Kirche und Fastnacht hat sich stabilisiert und wird vom aktuellen Pfarrer Alexander Vogl mit dem alljährlichen Gottesdienst für Fastnachter (Narrenmesse) und gelegentlichen Bühnenauftritten bei den Sitzungen sogar gefördert und kultiviert.

Musik aus Spaß an der Freude - und gratis

Der KVD möchte mit seiner Auszeichnung das ganz besondere Engagement dieser Musiker innerhalb der Dieburger Fastnacht in das Licht der Öffentlichkeit rücken.

„Denn wo gibt es so etwas noch?“, fragt KVD-Präsident Friedel Enders. „Die Musiker ziehen an Fastnacht durch die einschlägigen Gaststätten, sind bei der Eröffnung am Fastnachtsbrunnen dabei und haben bei anderen Fastnachtsveranstaltungen schon oft ihr Mitwirken ganz unkompliziert zugesagt.“ Das alleine sei es allerdings noch nicht: „Sie tun dies alles aus Spaß an der Freude und völlig ohne Honorar.“

Inzwischen ist die „Gnadekapell“ auch außerhalb der Fastnacht ein gern gesehenes Ensemble. So sind die Musiker zum Beispiel auch beim Stadtlauf an der Wegstrecke mit ihren Instrumenten anzutreffen. Die Musiker selbst sagen von sich: Es kommt nicht darauf an, was man spielt, sondern, wie man es spielt. Und die Zuhörer spüren diese musikalische Freude.

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