In der Maler- und Lackiererwerkstatt der LGS legten 14 Lehrlinge die Gesellenprüfung ab

Aus Holzkabine wird Tourist-Info

Berufsschullehrer Hans-Joachim Kipfstuhl (rechts) begutachtet die Arbeit von Nils Heldmann. Ebenso wie seine 13 Mit-Prüflinge musste der in seiner praktischen Gesellenprüfung einer kleinen Holzkabine in 20 Stunden das Flair einer Tourist-Information verleihen.

Dieburg - (hov ) 14 Touristen-Informationen auf der Leer? Das wären wohl selbst für Dieburg, das seinen Besuchern manches historische Kleinod zu präsentieren hat, 13 zu viel. Aber falls das Städtchen in ferner Zukunft doch einmal zur touristischen Großoffensive blasen will, kann es der Maler- und Lackierer-Innung guten Mutes einen Platz in der Planungsgruppe reservieren.

Denn seit den 14 vor wenigen Tagen zur Abschlussprüfung bestellten Lehrlingen der Handwerkergemeinschaft aufgetragen war, als Gesellenstück „das Büro einer Tourist-Information samt Flair und Werbewirksamkeit zu gestalten“, gibt es genug kreative Vorschläge.

20 Arbeitsstunden und solides Können mit Pinsel, Tapetenkleister und Farbtopf hat jeder Prüfling in der Maler- und Lackiererwerkstatt der Kreisberufsschule darauf verwendet, eine karge Holzbox in ein Tourismus-Büro zu verwandeln. Neben den in diesem Jahr ausschließlich männlichen Anwärtern aus Maler- und Lackiererbetrieben legt derzeit ein Fahrzeuglackierer bei der Innung Rhein-Main seine Prüfung ab, ein Kirchenmaler-Lehrling wird bei der Innung München geprüft. Sieben weitere Lehrverträge wurden während der dreijährigen Ausbildungszeit vorzeitig gelöst. Außerdem werden bei der Innung derzeit im ersten und zweiten Lehrjahr jeweils elf Lehrlinge ausgebildet. Zwei Fahrzeuglackierer befinden sich im ersten und einer im zweiten Ausbildungsjahr, ein Vergolder-Lehrling wird im ersten Lehrjahr ausgebildet.

Die Maler- und Lackierer-Innung, zu der 35 Betriebe aus dem Altkreis Dieburg gehören, nimmt die Gesellenprüfung zum Anlass, ihrem Unmut über die drohende Bildung neuer Schulbezirke Luft zu machen. Nicht einverstanden ist der Obermeister, Maler- und Lackierermeister Holger Steinbeck aus Groß-Zimmern, mit dem Entwurf zur „Neufassung über die Bildung von schulträgerübergreifenden Schulbezirken für Fachklassen“ an der Landrat-Gruber-Schule. Trotz positiver Stellungnahmen der Innung, der Schule, des Schulträgers sowie des Staatlichen Schulamtes wurde vom Kultusministerium die Ausbildung an der Landrat-Gruber-Schule nur bis zum 31. Juli 2014 genehmigt. Eine solche Befristung befremdet die Innung, zumal sie für ihre Berufsschulklassen in Dieburg jährlich viel Geld für Material bereitstellt.

Mängel und Nachteile für die Innungs-Mitglieder sieht der Obermeister auch in Sachen Mehrwertsteuer: Caritative Einrichtungen, die Maler- und Lackiererbetriebe haben, müssten nur sieben Prozent Mehrwertsteuer berechnen, während die Handwerksbetriebe 19 Prozent an den Auftraggeber berechnen müssten. Schließlich ist Steinbeck auch die Bereitstellung von 1-Euro-Jobs in vielen Gemeinden ein Dorn im Auge. Es würden teilweise Malerarbeiten von Billigkräften ausgeführt, die so den Betrieben Aufträge wegnähmen. „Ganz zu schweigen von den vielen Betrieben, die mit Eintragung ,Service rund um das Haus' illegal Arbeiten des Maler- und Lackiererhandwerks durchführen“, so Steinbeck.

Jedoch gibt es für den Obermeister auch Erfreuliches zu berichten: Ausdrücklich begrüßt er die vom Gesetzgeber geschaffene Option für Privatleute, mehr Arbeitskosten bei Reparaturarbeiten steuerlich geltend zu machen. Steinbeck erhofft sich zudem, dass durch Konjunktur- und Sonderinvestitionsprogramme von Land und Bund etliche Aufträge auch für die Betriebe der Region abfallen werden.

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