Führung beleuchtet Historie und Botanik von Park und Schloss Fechenbach

Hort zahlreicher Schätze

Auf botanischer Entdeckungsreise: Rund 70 Besucher kamen zum Themenabend ins Schloss Fechenbach. Foto: Friedrich

Dieburg - Es diente dem Adel als prächtiger Wohnsitz, wurde von der NSDAP als Quartier genutzt, beheimatete amerikanische Soldaten, Studenten und auch einmal eine Saunaanlage – das Schloss Fechenbach hat eine turbulente Geschichte. Von Ursula Friedrich

Heute sind das dortige Museum, Parkanlage und Café dem „einfachen Volk“ zugänglich. Doch welche Geschichten verbergen sich hinter Adelswappen, Grenzsteinen, farbigen Fresken und alten Baumriesen?.

Bei einer historischen und botanischen Führung durch den Park und das Schloss selbst, gingen rund 70 Besucher auf Zeitreise. 1717 sei das Ensemble als Barrockbau in U-Form errichtet worden, erläuterte Referent Lothar Lammer.

Die Bauherren, die Familie Ulner, dienten der Stadt als Burgmannen und schützten den nordöstlichen Teil der Stadtbefestigung und den „Bachsprung“ der Stadtmauer über die Gersprenz.

Nach rund 500 Jahren starb die Familie aus, und Friedrich Karl Josef von Fechenbach erwarb 1840 das Anwesen.

Ein Umbau des ursprünglich einstöckigen Schlosses in spät-klassizistischem Stil gab dem Anwesen ein neues Gesicht, erläuterte Lammer. Gemeinsam mit Tina Rosenfeld erarbeitete er eine neue Broschüre, die es druckfrisch im Museum zu kaufen gibt. „Die Familie von Fechenbach und ihr Besitz in Dieburg“ enthält außerdem Beiträge von Museumsleiterin Maria Porzenheim sowie Karin Zuleger und Stephanie Beißler.

Das rund 80 Seiten starke Büchlein erläutert die Baugeschichte des Schlosses, informiert über Familiengeflechte derer von Fechenbach, erläutert die vielfältige Nutzung des Schlosses und das noch vorhandene Inventar. „Es gibt hier viele Schätze“, so Maria Porzenheim bei der Besichtigung des Fechenbachzimmers, das von einem riesigen Ölgemälde von Abraham Bloemaert (1564-1651) dominiert wird.

Nachdem das Schloss 1939 von der Stadt Dieburg gekauft wurde, wurde es an die NSDAP vermietet, so Autor Lothar Lammer. Dies führte erneut zu Umbauten, die Nazis ließen die repräsentative Freitreppe zu Park und Marktplatz erbauen und beförderten so die ursprüngliche Nebenpforte des Schlosses zum Haupteingang. Aus jüdischen Grabsteinen vom Friedhof sei die Treppe erbaut worden, wusste Lammer.

Das mit bunten Fresken gestaltete Foyer des Schlosses war von den Nazis tapeziert worden. Bei der Komplettsanierung des Schlosses 2002 waren die filigranen Malereien wieder entdeckt worden. Zu jener Zeit war die nun erschienene Broschüre zwar bereits in Arbeit, doch wollten die Autoren die Wiederentdeckung ursprünglicher Bausubstanz bei den Sanierungsarbeiten erst abwarten. So kommt es, dass die Publikation erst jetzt veröffentlicht wurde. Für acht Euro ist das Bändchen mit vielen historischen und aktuellen Fotografien im Museum zu erhalten.

„Als 1861 Freiherr Hugo von Fechenbach das kleine Schloss im Herzen Dieburgs zu seinem Wohnhaus macht, war alles noch hinter einem hohen Zaun und dichten Hecken vor der Öffentlichkeit verborgen“, so Bürgermeister Werner Thomas in seinem Grußwort. Der Schlosspark ist zwar längst öffentlich, birgt jedoch ebenso seine Geheimnisse.

Auf Entdeckungsreise führte ein Rundgang durch den Schlosspark, dessen mächtige Bäume ganz eigene Geschichten erzählen könnten. Ein trutziger Elefantenohrbaum sei 1745 als Zierbaum gepflanzt worden, erläuterte Karin Zuleger. Eine Eibe flankierte einst eine Mariengrotte. Die christliche Stätte verschwand, der Baum streckt sich noch heute, wenn auch schief in die Höhe. Ein Schössling der berühmten „schönen Eiche“ aus Harreshausen ist hier ebenfalls beheimatet. Die „schöne Eiche“, eine Mutation der Stieleiche, gilt als Mutter aller europäischen Pyramideneichen.

Viel Wissenswertes um die Schlossbotanik liefert das Bändchen „O, wonnevolle Gärten – Der Park Fechenbach in Dieburg“ von Karin Zuleger, das ebenfalls im Museum zu haben ist.

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