„Ich habe Blut geleckt“

+
Ehrgeizig und auf dem Sprung ins Leben: Lucas Senzel kommt mit „Homies“ ins deutsche Kino.

Dieburg/Frankfurt ‐ Aufgeben, ohne es vorher probiert zu haben, kommt für ihn nicht in Frage. Mit dieser offenen und optimistischen Lebenseinstellung hat sich der junge Dieburger Lucas Senzel eine Nebenrolle in dem Hip-Hop-Kinofilm „Homies“ ergattert. Von Dirk Beutel

Er wurde im März in Frankfurt gedreht und soll 2011 auf die Leinwände kommen. Mit dabei sind unter anderen Jimi Blue Ochsenknecht (Sohn von Uwe Ochsenknecht) und Günther Kaufmann. Mit dem Abschluss des letzten Drehtages endete nahezu parallel auch Lucas´ Zivildienst, den er am Institut für Arbeitswissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt absolviert hat. Rückblick: An einem normalen Dienstagabend erfährt Lucas von einer Kollegin am Institut, die selbst Theater spielt, von der Möglichkeit, bei einem Casting für einen Kinofilm mitzumachen. Einziger Haken: Das Casting ist bereits am folgenden Freitag. Da packt Lucas die schiere Neugier. In der kurzen Zeit bis zum Termin feilt er an Aussprache, Mimik und Gestik - so gut es eben geht: „Bis nachts um zwei habe ich mit einem Korken im Mund geübt oder mich vor den Spiegel gestellt und laut drauf los geschrien“, erinnert sich der 19-Jährige.

Seine Erfahrungen, die er bei dem „echten“ Casting gemacht hat, sind kilometerweit von TV-Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany´s next Topmodel“ entfernt. Keine Spur von Leistungsdruck, Intrigen oder Zwängen, denen man sich hätte unterwerfen müssen. Im Gegenteil. Von Anfang an hat er einen guten Draht zu Adnan Köse, dem deutsch-türkischen Regisseur des Films: „Am Anfang war es mehr eine normale Unterhaltung. Irgendwann fiel mir auf, dass die Kamera mitgelaufen ist. Als ich dann etwas lockerer wurde, sollte ich ein paar Filmszenen der Rolle, für die ich mich beworben habe, nachsprechen und vorspielen“, erzählt Lucas. Nach dem Casting in Frankfurt kam für ihn das Schlimmste: Warten. Ganze sechs Tage blieb das Telefon stumm, bis endlich der lang ersehnte Anruf kam: „Man sagte mir, dass es für meine angestrebte Rolle nicht gereicht hat. Aber für eine andere. Die Freude war riesengroß. Ich spiele den Tom, einen Freund von Marvin, den Jimi Blue verkörpert.“ Obgleich Lucas für manche Zeitgenossen „nur“ eine Nebenrolle in einem Film spielt, war es für ihn eine besondere Chance, sich individuell abzusetzen, sich an etwas auszuprobieren, wofür manch anderem in seinem Alter möglicherweise der Mut fehlen würde.

„Festlegen ist nicht so meine Sache“

Nach der Grundschulzeit an der Dieburger Marienschule wechselte Lucas nach Darmstadt, wo er auf der Justus-Liebig-Schule sein Abitur gemacht hat. Während der Gymnasialzeit hatte der Dieburger bereits erste Medienerfahrungen beim nichtkommerziellen Lokalsender Radio Darmstadt, bei dem er noch heute hinter dem Mikrofon sitzt. Ob vom Darmstädter Stadtlauf oder dem Schlossgrabenfest - Lucas liebt die Live-Berichterstattungen. „Ich habe keine feste Vorstellung, was ich später mal machen möchte. Ich habe nur gemerkt, dass es mich reizt, mich anderen mitzuteilen.“

Statt auf eine Zivi-Stelle in der Pflege oder in der Verwaltung zu warten, hatte der 19-Jährige nach der Schulzeit schnell nach der Möglichkeit gegriffen - nahezu im fliegenden Wechsel - seinen Zivildienst am Institut für Arbeitswissenschaft zu starten.

Jetzt nach seinem Ausflug vor die Kamera weiß Lucas noch nicht so richtig, in welches Fahrwasser er sich nunmehr begeben soll: „Festlegen ist nicht so meine Sache. Deshalb habe ich mich auch ein bisschen vor einer beruflichen Entscheidung gedrückt“, sagt er verschmitzt lächelnd. Ein Psychologiestudium hat es in die engere Auswahl geschaft. „So etwas könnte mir auch bei der Schauspielerei helfen“, bemerkt der Dieburger, der, wie er selbst sagt, „Blut geleckt hat“.

Selbstvertrauen beim Filmdreh getankt

Langfristig plant der Nachwuchsschauspieler, sich eine Agentur zu suchen. Lucas: „Durch den Filmdreh habe ich eine Menge Selbstvertrauen und Energie für Neues getankt.“ Vor allem durch den Umstand, dass es für einige Zeit das Selbstverständlichste der Welt ist, mit prominenten Schauspielern zusammen zu arbeiten. „Das könnte ich mir durchaus für die Zukunft vorstellen.“

Falls er vorher ein Studium in Angriff nehmen sollte, wird er wahrscheinlich das heimische Nest und damit die Dieburger Region verlassen. Bis es aber soweit ist, wird sich Lucas noch „seinen“ Film anschauen.

Neben einer Liebesromanze dreht sich der Inhalt um das Thema Identität. Marvin (Ochsenknecht), ein reicher Junge, hat keine Freunde, und gibt sich für aus, um bei Rappern aus dem Ghetto anzukommen. Und auf diesem Selbsterfahrungstrip steht ihm Tom - alias Lucas - bei.

Kommentare