„Ich liebe es zu löten“ - Suche nach Traumjob

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Formschlüssige Verdichtung: Die beiden Schüler Maximilian Lange (l.) und Ingo Petri lassen sich von Hans Friedrich Busch erklären, wie man ein Kupferrohr fachmännisch verschließt.

Dieburg (db) ‐ Ein Bild, das man eigentlich nur nach dem Läuten der Pausenglocke kennt: Schüler rennen hektisch durch die Flure, scheinbar ziellos durcheinander auf dem Weg...wohin eigentlich? Das wissen nur die Teilnehmer der vierten Ausbildungsbörse an der Goetheschule. Statt Mathematik und Deutsch standen am Mittwoch Fragen zu Bewerbungsunterlagen und Ausbildungthemen auf dem Stundenplan.

Und das nicht ohne Grund, denn schließlich steht für rund 120 Schüler aus den Haupt- und Realschulklassen das Ende der Schulzeit, und damit die Vorbereitung auf einen neuen Lebensabschnitt bevor.

Hierzu stellten 20 Firmen und Institutionen aus Dieburg und der näheren Umgebung ihre Ausbildungsmöglichkeiten vor, und beantworteten Detailfragen zu Arbeitszeiten, Entlohnung oder nach Karrierechancen. Darunter: die Sparkasse, die Stadtverwaltung, das Polizeipräsidium, das Hauptzollamt Darmstadt, ein Bäcker, die Agentur für Arbeit, ein Autohaus, eine Dachdeckerfirma und ein Kindergarten.

Bereits Wochen zuvor durfte sich jeder aus der Zielgruppe fünf Ausbildungsberufe auswählen, die er besuchen möchte.

Individuelle Infotour im „Messestil“

Aufgrund der großen Schüleranzahl konnten wir zumindest die ersten drei Wünsche erfüllen und in Gruppen zusammenfassen“, erklärt Lehrerin und Mitorganisatorin Annette Zoller. Kurz vor dem Ende der Ausbildungsbörse bekamen die Schüler zudem die Möglichkeit, im „Messestil“, frei und individuell die Infostände abzuklappern.

Während sich die meisten Schüler im Hauptgebäude auf die Suche nach dem potenziellen Traumjob machen, baut Hans-Friedrich Busch von der Firma Heinz Kolb GbR in aller Ruhe seine Demonstrationsgeräte auf.

Der Meister für Heizungsbau und Elektroinstallation erklärt geduldig, worauf er bei einer schriftlichen Bewerbung achtet: „Ich brauche kein Rechtschreibgenie. Ich muss mir den angehenden Lehrling ansehen“. Papier sei geduldig und ohnehin werde alles zusehens verbürokratisiert. Daher plädiert Busch für ein eingehendes und intensives Bewerbungsgespräch.

Erfahrung kommt durch Übung

Da merkt man am Besten, ob der Kandidat wirklich für unsere Arbeit geeignet ist.“ Besonders wichtig sei der Spaß an körperlicher Bewegung und das Gefühl für Material und Werkzeug. Außerdem sei es nicht unbedingt jedermanns Sache, sich täglich die Hände schmutzig zu machen.

Davon kann bei den Realschülern Maximilian Lange und Ingo Petri keine Rede sein. Die Neuntklässler horchen fasziniert auf, als Hans-Friedrich Busch auf die Feinheiten seiner Arbeit eingeht und ein Kupferrohr aus seinem Firmenwagen zaubert. Aus trockener Theorie wird plötzlich lebendige Praxis: „Oh ja, ich liebe es zu löten“, ruft Ingo in die Runde.

Tatsächlich darf er mit einem Lötkolben besagtes Kupferrohr zusammenfügen und mit einer hydraulischen Presse formschlüssig verschließen. Fachmann Busch weiß: „Ganz gerade ist es zwar noch nicht. Aber ein gutes Augenmaß bekommt man nur über die Erfahrung, da heißt es üben, üben, üben.“

Friseurbetrieb steht auf der Wunschliste der Schule

Inzwischen kommen die anderen Infostände zum Ende ihrer Präsentationen. Bei einer abschließenden Besprechung zwischen Lehrern und den Firmenvertretern kristallisiert sich ein positives Fazit heraus: „Die Atmosphäre war entspannt und die Schüler zeigten sich sehr engagiert und wissbegierig,“ resümiert Annette Zoller. Insbesondere konnten viele Schüler vorhandene Hemmschwellen abbauen.

Viele haben Probleme auf Menschen zuzugehen, Fragen zu stellen, oder nur den Telefonhörer abzunehmen, um bei einem Betrieb nach einem Job nachzufragen“, weiß Zoller, die die Ausbildungsbörse gemeinsam mit der Leiterin des Haupt- und Realschulzweiges Marlo Hoß, Ulrike Posselt von der Stadt Dieburg und der Barmer Ersatzkasse auf die Beine gestellt hat.

Diesmal war es fast wie ein Familientreffen, einige Betriebe sind schon von Anfang an dabei“, erklärt Zoller lächelnd. Kleiner Wehrmutstropfen: Nicht jeder gewünschte Betrieb reagiere auf eine schriftliche Einladung. „Dabei würden wir so gerne mal einen Friseur bei uns begrüßen.“

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