Immer die ersten am Einsatzort

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Rund 103000 Bürger wohnen in dem Gebiet, für das die Polizeistation Dieburg zuständig ist.

Dieburg - „Die Polizei ist bei jedem Einsatz immer als erstes vor Ort“, berichtet Reimar Franke, 1. Polizeihauptkommissar und seit Juli 2003 Dienststellenleiter der Polizei Dieburg. „Egal um welches Delikt es sich handelt, der Bürger wählt immer als erstes die Notrufnummer 110“, so Franke. Von Verena Scholze

Die Polizeistation Dieburg ist eine der größten Dienststellen Südhessens. Der Dienstbezirk, den die Beamten zu betreuen haben, umfasst die acht Kommunen Babenhausen, Dieburg, Eppertshausen, Münster, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Otzberg und Schaafheim. „Unser Einsatzgebiet ist rund 350 Quadratkilometer groß“, erläutert Franke. „Das bedeutet eine Einwohnerzahl von zirka 103 000 Bürgern“. Trotz dieses großen Einsatzgebietes ist die Anzahl der Beamten seit einigen Jahren gleichgeblieben. Die Dienststelle im Südosten Dieburgs zählt rund 80 Mitarbeiter - davon sind 19 Beamtinnen -, die in einer rotierenden Fünf-Tage-Schicht arbeiten. „Die Beamten absolvieren jeweils zwölf Stunden Tages- beziehungsweise Nachtschicht“, erklärt Franke. „Dazu kommen die Einsätze, die die Polizisten zusätzlich übernehmen müssen“, so Franke weiter. Hierzu zählen Einsätze bei Sport- oder Großveranstaltungen, am Flughafen oder bei Demonstrationen. Auf der Dienststelle sind neben den Beamten auch fünf ausgebildete Diensthunde ansässig, davon wurde ein Vierbeiner speziell als Drogenspürhund ausgebildet.

Für die Ausbildung im Polizeidienst ist Abitur oder eine Fachhochschulreife notwendig. Der Anwärter auf den gehobenen Polizeidienst absolviert ein dreijähriges Studium an der hessischen Polizeischule in Wiesbaden. Ebenfalls müssen die zukünftigen Beamten ein Praktikum durchführen, bei dem alle Bereiche der Dienststelle durchlaufen werden. „Momentan haben wir fünf Praktikanten bei uns“, äußert Franke, „die nicht nur im normalen Dienst, sondern auch in den verschiedenen Ermittlungsgruppen tätig sind“.

In einem speziell eingerichteten Raum kann die Spurensicherung, etwa das Sichtbarmachen von Fingerabdrücken, geübt werden.

Franke untergliedert die Arbeit der Polizei in zwei Hauptgruppen, der präventiven und der repressiven Tätigkeit. „Bei Straßenkontrollen, in deren Verlauf wir nach Alkoholsündern, Drogen oder anderen Rechtsbrechern suchen, liegt unsere präventive Aufgabe“, äußert Franke. Dass diese vorbeugenden Maßnahmen Früchte tragen, zeigt ein Blick auf die Statistik. Während die Aufklärungsquote von 36,9 Prozent im Jahr 2003 auf 51,5 Prozent 2008 gestiegen ist, ging auch die Anzahl der Straftaten im Laufe der Jahre etwas zurück. „Der Kontrolldruck spricht sich eben herum“, lächelt Franke. Für Ereignisse wie das Dieburger Schlossgartenfest wird der Einsatz der Beamten in der Nachtschicht deutlich erhöht. „Gerade an solchen Festen nimmt der Bestand an Jugendlichen unter Alkohol zu“, so Franke. Dieburg sei durch seine Lage leider geradezu prädestiniert für Verbrecher, da es mit der B  26 und B 45 gute Zufahrtsstraßen gibt, so der Dienststellenleiter. Manche Verbrechen ziehen sich wie an einer Perlenschnur von der Wetterau bis in den Odenwald, hier sei oftmals ein Muster erkennbar, berichtet Franke. So weist die Statistik eine Zahl von rund 2 000 Verkehrsunfällen und 3 000 Straftaten pro Jahr auf. Bei diesen Straftaten handelt es sich um mittlere Kriminalität wie Einbruch, Diebstahl, Betrug und körperliche Gewalt. Da speziell Fälle von häuslicher Gewalt in den letzten zehn bis 15 Jahren stark zugenommen haben, wurde vor einigen Jahren das Gewaltschutzgesetz erlassen. Auch die zunehmenden Fälle von Stalking fallen unter diese Gruppe der Straftaten. Zur Ermittlung der Fälle steht in der Dienststelle Dieburg eine spezielle Ermittlungsgruppe zur Verfügung, der auch Beamtinnen angehören, die die Opfer falls notwendig psychologisch betreuen können. Im umgekehrten Fall steht den Beamten neben dem Polizeiseelsorger auch in der Dienststelle ein Ansprechpartner zur Verfügung, der den Polizisten, die vor Ort oftmals mit schrecklichen Szenen konfrontiert werden, psychologischen Beistand leisten kann.

Ein Großteil der Ermittlungen erfolgt über die Spurensicherung an Tatorten, die eine spezielle Ermittlungsgruppe der Dieburger Dienststelle vornimmt. Um die korrekte Tatortarbeit vor Ort zu gewährleisten, hat sich die Dienststelle eine Besonderheit einfallen lassen. „Wir haben uns vor längerer Zeit einen Spurensicherungsraum eingerichtet“, berichtet Polizeihauptkommissar Michael Ruhmann. „Dieser Raum wurde in unserer Freizeit mit verschiedenen Gegenständen eingerichtet, die durch Kollegen zusammengetragen wurden“. So schmücken den Raum viele größere und kleine Haushaltsgegenstände, die alle an einem Tatort zu finden sein können. In diesem Raum sollen die Beamten die Möglichkeit bekommen, Spurenarbeit am Tatort nachzustellen. In Zusammenarbeit mit Kriminalhauptkommissar Mathias Markus vom Zentralkommissariat (ZK) 41 in Darmstadt wurde der Gedanke einer internen Fortbildung entworfen. „Dieses Training dient der Qualitätssicherung und Steigerung“, betont Ruhmann. An mehreren Terminen werden Kollegen aus verschiedenen Dienstbezirken Südhessens in theoretischer und praktischer Tatortarbeit geschult. Das Szenario sieht die Bearbeitung eines Tatorts vor, an dem viele, auf den ersten Blick nicht zusammenhängende Spuren gefunden werden. „Die Kollegen sollen nicht nur die technische Arbeit übernehmen, sondern auch die Zusammenhänge erkennen lernen, denn eine Spur beweist nur sich selbst“, sagt Ruhmann.

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