Immer ein gutes Wurfhändchen

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Der elfjährige Paul Bonifer zeigt stolz seinen Pokal, der ihm den Deutschen Meistertitel in Pétanque bescheinigt.

Dieburg - Der elfjährige Paul Bonifer erringt den Deutschen Meistertitel in Pétanque. Die Leidenschaft für das Boulespielen hat er von seinen Eltern. Von Verena Scholze

Das Zimmer unterscheidet sich nicht von denen unzähliger Gleichaltriger: Bücher, Poster, Bausätze, PC und Schulsachen – alles, was einen Elfjährigen mehr oder weniger interessiert. Einzig die 20 Pokale und die diversen Urkunden an der Wand zeugen davon, dass der Bewohner ein unterdessen sehr erfolgreiches sportliches Hobby betreibt.Die Rede ist von Paul Bonifer, dem neuen Deutschen Jugendmeister 2012, der in der Kategorie der bis zu elf Jahre alten „Minimes“ seinen Titel erringen konnte.

Begonnen hatte der Schüler sein sportliches Hobby vor rund fünf Jahren eher unspektakulär. „Unsere ganze Familie spielt Boule und ich wollte am Wochenende nicht alleine sein“, berichtet er und lehne sich lächelnd im Stuhl zurück. Seine Eltern Anouk Haentjens-Bonifer und Stefan Bonifer spielen seit neun beziehungsweise elf Jahren Boule und auch seine beiden Geschwister waren bereits aktiv. Also begleitete Paul seine Familie regelmäßig zum Training in den Schlossgarten. Dort hielt der Club de Pétanque Dieburg (CdP) sein Training ab, bevor ein Jahr später das Boulodrôme eröffnet wurde. „Damals gab es nur rund 30 Kinder in ganz Hessen, die spielten“, blickt Stefan Bonifer zurück. Allerdings hatte der CdP bereits damals eine qualitativ gute Jugend vorzuweisen, darunter den sehr erfolgreichen Bruder Pauls, Malte Bonifer. „Paul hatte also in große Fußstapfen zu treten“, erzählt seine Mutter lächelnd. Daher machte sich die Familie an den Wochenenden auf den Weg, um sich mit anderen Vereinen zu treffen und den Kindern die Möglichkeit des Kennenlernens und gemeinsamen Trainings zu bieten. Dies nahmen die Boule begeisterten Eltern jedoch gerne in Kauf. Im Laufe der Zeit stabilisierte sich die Jugendarbeit in Hessen und unterdessen ist Paul durch seine Erfolge im Hessischen Kader aktiv, ebenso spielt er seit zwei Jahren in der Liga für den CdP Dieburg.

Auch mental weiter entwickelt

„Pétanque ist ein Extremsport“, sagt Stefan Bonifer überzeugt. Das Vorstandsmitglied des CdP und Zuständiger für die Jugendarbeit weiß, wovon er redet. „Der Sport erfordert hohe Konzentration, gutes Einfühlungsvermögen und rasches Umstellen im Kopf, sobald sich die Spielsituation ändert“, erklärt er. „Denn das Schöne ist, dass jede Kugel anders ist und jeder Wurf das Spiel sofort verändern kann.“

Hohe Anforderungen, die an die Jugendlichen gestellt werden und in denen sich Paul bislang sehr erfolgreich beweisen konnte. Dabei hat er sich auch mental weiter entwickelt. Ablenkungen auf den diversen Plätzen steckt er meist ruhig weg, und auch ein fast verloren geglaubtes Spiel konnte dank intensiver mentaler Coacharbeit noch rumgerissen und gewonnen werden.

Bald stellen sich erste Erfolge ein

Das Training machte sich bezahlt und Paul konnte in den vergangenen Jahren seine Erfolge kontinuierlich steigern. Plätze und Erfolge stellten sich ein, darunter der 1. Platz und den Gewinn des Jugendwanderpokals in Dreieichenhain, den 2. Platz bei der Hessenmeisterschaft im Tete à tete (Spieler gegen Spieler) in Geinsheim, einen 5. Platz in der Hessischen Meisterschaft im Doublette (zwei Spieler) in Dieburg, oder einen Hessenmeistertitel in der Königsdisziplin, dem Tripplet (Drei gegen Drei) in Unterflockenbach, das als Testturnier für die Deutschen Meisterschaften galt. Durch die Teilnahme an diesen vielen Turnieren fand er seine Stärken und Schwächen und weiß heute mit seinen Möglichkeiten sehr gut umzugehen. „Paul ist ein guter Tireur“, erklärt sein Vater. „Das bedeutet, dass ich Schießer bin und versuchen muss, die gelegten Kugeln zu entfernen“, ergänzt Paul.

Mit einem 2. Platz bei den Hessischen Jugendmeisterschaften im Präzisionsschießen überzeugte er von seiner Schießkunst. Den Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn bildete jedoch der Gewinn der Deutschen Meisterschaft, den er als Team mit Lara Kubatlija (Dreieichenhain) und Brian Engel (Geinsheim) gewann.

Turnier in Montreaux

Und auch in Zukunft hat der eher introvertiert wirkende Schüler noch einiges vor. So hat er die Teilnahme am namhaften internationalen Turnier in Montreaux im Januar 2013 geplant. Es ist das erste internationale Turnier Pauls. Die Teilnehmer kommen unter anderem aus Frankreich, der Schweiz, Italien oder Dänemark – darunter sind auch Nationalmannschaften.

Zunächst jedoch steht am kommenden Wochenende die Teilnahme bei der Nordrhein-Westfälischen Landesmeisterschaft in Düsseldorf auf dem Programm. Außerhalb Hessens konnte der Schüler bereits bei den Landesmeisterschaften in Rheinland-Pfalz einen erfolgreichen dritten Platz belegen. Vielleicht kann er dieses Ergebnis noch toppen? Familie, Freunde und Vereinskameraden drücken ihm natürlich alle verfügbaren Daumen.

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