Leerstand in bester Lage

Altes Dieburger Amtsgericht steht seit 2004 leer

Das alte Amtsgericht an der Ecke von Altstadt und Marienstraße existiert seit 115 Jahren und steht seit 2004 praktisch leer. Später diente es auch dem Schulamt. Eine Perspektive bleibt das Land Hessen bislang schuldig.
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Das alte Dieburger Amtsgericht an der Ecke von Altstadt und Marienstraße existiert seit 115 Jahren und steht seit 2004 praktisch leer. Später diente es auch dem Schulamt. Eine Perspektive bleibt das Land Hessen bislang schuldig.

Das alte Amtsgericht aus dem Jahr 1905 sieht monumental aus, dient aber nur noch als Lager. Es wurde auch als Schulamt genutzt. Eine Perspektive für das Gebäude ist nicht in Sicht.

Dieburg – Mit dem alten Amtsgericht an der Ecke von Altstadt und Marienstraße leistet sich das Land Hessen seit 16 Jahren einen Leerstand in bester Dieburger Innenstadt-Lage. 1905 wurde das Gebäude eingeweiht, in dem bis 1979 Gericht gehalten wurde. Bis 2004 diente es dem Hessischen Schulamt. Aktuell ist es nur noch eine Art Lager.

Denn vis-à-vis von Justizvollzugsanstalt beziehungsweise Wallfahrtskirche hat das geschichtsträchtige, stadtbildprägende Gebäude seit längerer Zeit nur noch die Funktion, Exponate des Freilichtmuseums Hessenpark unterzubringen. Teils werden im alten Amtsgericht auch historische Objekte aufgearbeitet. Eine anderweitige Nutzungsperspektive hat der hessische Landesbetrieb Bau und Immobilien bis heute nicht vorgelegt.

Land Hessen schließt Nutzung durch Finanzamt Dieburg aus

Allerdings schloss das Land wegen des hohen Sanierungsbedarfs schon vor einiger Zeit aus, dass das benachbarte Finanzamt den markanten Giebelbau mit Turm und Hessen-Löwe aus Sandstein nutzen könnte, um seinem räumlichen Engpass zu begegnen.

Stattdessen will das Finanzamt (trotz jüngster millionenschwerer Investitionen in den jetzigen Standort) weg aus der Marienstraße und in einen Neubau ziehen. Ob die Mitarbeiter der Behörde, derzeit teils auch in Büros beim Papiergroßhändler Igepa im Industriegebiet-Nord untergebracht, diesen Neubau wie von der hessischen Finanzverwaltung gewünscht auf dem Post-Gelände in der Konrad-Adenauer-Straße oder doch eher im Baugebiet Dieburg-Süd bekommen sollen, diskutieren gerade die Stadtverordneten.

Natürlich kann man Verständnis dafür aufbringen, dass das Land Hessen zwar gern die Parkplätze des alten Amtsgerichts nutzt, ihm für das 115 Jahre alte Bauwerk mit seiner verwinkelten und kaum modernen Standards entsprechenden Struktur so recht keine Dauerlösung einfallen will. Zumal der Denkmalschutz einer baulichen Umgestaltung Grenzen setzen würde.

Eröffnung des alten Dieburger Amtsgerichts 1905

Anfang des 20. Jahrhunderts indes war es noch heiß begehrt gewesen, das Amtsgericht an die Gersprenz zu holen. Auch Groß-Umstadt hatte sich seinerzeit darum bemüht. Dieburg war seit 1832 Kreissitz, gewann Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem durch die Bahnverbindungen in alle Himmelsrichtungen weiter an Bedeutung. 1901, fünf Jahre nach dem ersten Vorstoß des Dieburger Stadtvorstands, das Areal für das Amtsgericht zu beschaffen, zeigte das Großherzogtum Hessen-Darmstadt (diesem Teil des Deutschen Kaiserreichs war Dieburg bis 1919 unterstellt) konkretes Interesse. Groß-Umstadt, das bereits 1879 ein Amtsgericht auf eigene Kosten hatte bauen lassen, war entrüstet. Besonders aufgrund der besseren Verkehrsanbindung erhielt Dieburg letztlich aber den Zuschlag und 114 000 Mark Förderung. Im Gegenzug schenkte die Stadt den Bauplatz 1903 ans Großherzogtum.

Am 1. Juli 1905 wurde das Dieburger Amtsgericht nach zwei Jahren Bauzeit eröffnet. Der Amtsgerichts-Bezirk Dieburg umfasste von da an und bis 1968 zehn Orte: Dieburg, Groß-Zimmern, Klein-Zimmern, Münster, Altheim, Ober-Roden, Messenhausen, Eppertshausen, Nieder-Roden und Gundernhausen. Wo sich einstmals der katholische Pfarrgarten befand, wurden nun Recht gesprochen und Verwaltungsangelegenheiten geklärt.

Schulamt nutzt Gebäude zwischenzeitlich

Ende der 60er schuf das Land Hessen zunehmend größere Gerichtsbezirke. Dieburg sollte Standort bleiben, brauchte aber ein größeres Gerichtsgebäude. Den Platz dafür fand man, ebenfalls innenstadtnah, bei der Erlesmühle. 1974 wurde der Planungsauftrag erteilt, drei Jahre später genehmigte der Hessische Finanzminister die Bauinvestition in Höhe von mehr als sieben Millionen Deutscher Mark. Letztlich wurden daraus 9,5 Millionen.

Sogar die Gersprenz legte man für das Großprojekt um. Im Dezember 1978 war Richtfest, im Jahr darauf nahm das neue Amtsgericht seinen Betrieb auf. Das alte Amtsgericht diente fortan als Schulamt – bis 2004. Seither befindet es sich weitgehend im Dornröschenschlaf. (Von Jens Dörr)

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