Initiative kritisiert Zeitplan für Straßensanierung

Anwohner fordern Aufschub

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Rund 50 Anwohner des Quartiers rund um die Friedrich-Ebert-Straße trafen sich zum Ortstermin. Sie fordern einen anderen Zeitplan für die Arbeiten an der Goethestraße und eine bessere Informationspolitik der Stadt.

Dieburg - Die „Initiative für mehr Bürgerbeteiligung“ kritisiert den Zeitplan für die Straßensanierungen in ihrem Viertel – und will die Stadt in die Pflicht nehmen. Von Stefan Scharkopf 

Dieburg und die vielen Baustellen: Aufgerissene Straßen und Umbauarbeiten an Knotenpunkten sorgen für einigen Verdruss – bei Einheimischen, Gewerbetreibenden, Pendlern, Kunden von außerhalb und natürlich bei Anwohnern. Jüngstes Beispiel: das Quartier Hinter der Schießmauer, Friedrich-Ebert-, Kolping-, Konrad-Adenauer-, Goethe- und Schillerstraße. Verschärft wird die Situation dort nun dadurch, dass aus Gründen der Baustellenorganisation, wie die Stadt mitgeteilt hatte, der Zweckverband Gruppenwasserwerk Dieburg am 18. April mit der Neuverlegung der Wasserleitungsrohre beginnt. Von diesem Tag an bis zum Ende des Jahres wird dann auch die Goethestraße voll gesperrt.

Diese Nachricht hat die Anwohner in dem Quartier nicht nur aufgeschreckt, sondern auch sichtlich verärgert. Bei einem Treffen mit unserer Zeitung machten sich rund 50 Anwohner am Donnerstagabend Luft. „Das Verkehrschaos in unserem Wohngebiet nimmt weiter zu“, sagen Herbert Prokosch, Heinz und Birgitt Schmidt-Walter. Sie sind Sprecher der „Initiative für mehr Bürgerbeteiligung“, Anwohner der Ebert-Straße, und treffen mit dieser Meinung den Nerv ihrer Mitstreiter. „Dass ab 18. April nun auch noch die Goethestraße komplett für den Verkehr gesperrt werden soll, ist für alle Betroffenen, besonders für ältere Bürger, eine Zumutung, weil sie weite Umwege in Kauf nehmen müssen und oft nicht mehr dazu fähig sind. Die Anwohner der Konrad-Adenauer- und der Schillerstraße werden in einer nicht mehr hinzunehmenden Art und Weise belastet“, sagen sie.

Auch die angebotene Alternative zur Abstellung von Fahrzeugen auf dem Schlossgartenplatz halten die Bürger für eine „Farce“. 145 Häuser haben Prokosch und Co. im Geviert gezählt. Legt man zugrunde, dass zu jedem Haus zwei Autos gehören, macht das also 290 Fahrzeuge, die dort geparkt werden müssten. In mühevoller Kleinarbeit hat die Initiative eine Liste mit 24 Festen zusammengestellt, die im Jahresverlauf in unmittelbarer Umgebung des Quartiers stattfinden, beginnend mit dem Maimarkt vom 5. bis 7. Mai in der Innenstadt bis zum Schlossgarten-Crosslauf am 5. November. Für alle Veranstaltungen dient das Viertel als Zufahrtsmöglichkeit und zur Versorgung – allerdings dann eben nur eingeschränkt.

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Doch damit nicht genug: Weitere Anwohner berichten unserer Zeitung von beschwerlichen Einkäufen, mühevollem Schleppen von Wasserkisten, Komplikationen bei Möbellieferungen, eingeschränkten Taxi-Zufahrten für gehbehinderte Menschen, strapaziösen Touren für Rollstuhl- oder Rollatorfahrer, oder von verspäteter Paket-Zustellung. Auch Probleme bei der Müllabfuhr werden geäußert. Eine junge Frau hält es gar für möglich, dass der Rettungsdienst seine vorgeschriebene Zeit bei einem Notfall nicht einhalten kann – etwa wenn der Einsatzort in der Mitte der Ebert-Straße sein sollte. Eine Mutter fordert, dass während der Bauzeit in der Goethestraße eine mobile Ampel aufgestellt wird, damit die Kinder gefahrlos ihre Schule erreichen können.

Niemand zweifelt beim Ortstermin die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Arbeiten an. Doch hagelt es Kritik am Zeitplan. „Wir fordern die Verantwortlichen bei der Stadt auf, wenigstens so lange mit dem Beginn der Baumaßnahmen in der Goethestraße zu warten, bis die – parallel verlaufende – Schießmauer wieder als Durchgangsstraße zur Verfügung steht“, sagen Prokosch und Birgitt Schmidt-Walter. Die Schießmauer soll bis zum Ende der ersten Maiwoche für den Verkehr freigegeben werden. Das wäre ein Aufschub von knapp drei Wochen. Dies sei auch deshalb nötig, da die als Umfahrung für die Goethestraße benötigte Schillerstraße von ihrer Breite her nicht ausgelegt sei, so viel Verkehr aufzunehmen.

Im gleichen Atemzug fordern die Anwohner eine bessere Informationspolitik von der Stadt. „Was bei uns im Viertel geplant ist, erfahren wir entweder aus der Presse oder von den Bauarbeitern. Wir werden eine Woche vorher angeschrieben, das ist viel zu wenig Zeit. Schließlich müssen wir einiges organisieren, wenn wir keine Zufahrt und nur eingeschränkten Zugang zu unseren Grundstücken haben.“ Die Verwaltung könne sich nicht hinter Beschlüssen des Stadtparlaments verstecken oder nach der Auftragsvergabe an die ausführenden Firmen die Verantwortung von sich weisen. Auch dann müsse sie das Sagen haben. Fazit der Anwohner: „Wir wollen eine bürgergerechte Straßeninstandsetzung.“

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