Initiative „Sicher unterwegs in Hessen“ stellt neue Plakatkampagne auf Campus vor

Der Sensemann kommt aus Dieburg

+
Vanessa Buchsbaum ist für den Dieburger Anzeiger als Testfahrerin ins Auto gestiegen und hat „erfahren“, wie das Handy die Fahrsicherheit verringert.

Dieburg -  „Bis gleich!“: Wer am Steuer telefoniert, spricht mit dem Sensemann . . . Verkehrsexperten aus ganz Hessen haben jetzt in Dieburg eine Kampagne vorgestellt, die vor der gefährlichen Unsitte der Handynutzung beim Autofahren warnt. Von Michael Just 

Mindestens zwei Sekunden dauert ein Blick beim Autofahren aufs Handy. Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h sind das etwa 50 Meter Blindflug. In dieser Zeit lässt sich auf die Gegenfahrbahn kommen – und andere Verkehrsteilnehmer, wie Radfahrer oder Fußgänger, werden gefährdet. Abgelenkte Autofahrer sind mit eine der häufigsten Ursachen für Unfälle, die nicht selten tödlich enden. Grund genug für die Initiative „Sicher unterwegs in Hessen“ im Rahmen der aktuellen Plakataktion auf die fatalen Folgen hinzuweisen, die durch Ablenkung entstehen können. Am Donnerstag stellten am Dieburger Hochschulcampus alle Beteiligten – das hessische Verkehrsministerium, der ADAC, die Landesverkehrswacht, der hessische Rundfunk und der Tüv Hessen – die neue hessenweite Kampagne vor.

Vertreter von „Sicher unterwegs in Hessen“, einer Initiative des hessischen Verkehrsministeriums, des ADAC, der Landesverkehrswacht, des Hessischen Rundfunks und des Tüv Hessen, haben in Dieburg die neue landesweite Plakataktion vorgestellt.

Das Plakat zeigt eine Frau, die am Steuer mit dem Handy hantiert. Der Tod, dargestellt als Sensenmann, verabschiedet sich mit den Worten „Bis gleich“. Um bewusst zu realisieren, wie das Handy beim Fahren ablenkt, wurden zur Präsentation auch Testfahrten auf einem abgesteckten Parcours des Campus-Geländes angeboten. Die Probanten mussten sich auf eine Geschichte konzentrieren, die sie per Handy erzählt bekamen. Später wurden Inhalte dazu abgefragt. Beim Telefonieren galt es, mit dem Auto einzuparken oder Geschicklichkeitsübungen zu bewältigen. Für die Testfahrten hatte unsere Zeitung via Facebook Plätze in der Zielgruppe junge Erwachsene verlost und mit Vanessa Buchsbaum sowie Abdullah Baykal zwei junge Testfahrer gefunden.

„Beim Telefonieren kriegt man nur eingeschränkt mit, was auf der Straße passiert. Das funktioniert auf gerader Strecke noch ein wenig, beim Bremsen, in Kurven oder anderen Herausforderungen wird es unmöglich“, bilanziert Abdullah Baykal seine Test-Erfahrungen. Die Feststellung des 21-Jährigen bestätigt Bernd Pund, verkehrspsychologischer Gutachter beim Tüv Hessen: „Die meisten von uns sind Social-Media-Nutzer. Treten sie zeitgleich als Kfz-Nutzer auf, entsteht ein Spannungsfeld samt Konflikt“, erläutert Pund. Denn der Mensch sei nicht multitaskingfähig und könne von Natur aus nicht mehrere Aufgaben nebeneinander ausführen.

Im vergangenen Jahr kamen auf Hessens Straßen 271 Menschen ums Leben. Derzeit existieren kaum statistische Daten, bei wie viel Prozent Ablenkung im Spiel war. „Sowas lässt sich später kaum verifizieren“, weiß Wolfgang Krüger, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Tüv Hessen. Wie Umfragen von ADAC und Allianz-Versicherung zeigen, ist Bewusstsein zum Thema vorhanden: Die Erhebungen ergaben, dass 90 Prozent der Befragten die Handynutzung am Steuer für gefährlich halten. 29 Prozent halten sie sogar für noch gefährlicher als Alkohol und Rasen. 36 Prozent gaben zu, durch Telefonieren am Steuer schon einmal in eine gefährliche Situation geraten zu sein. 61 Prozent formulierten, das Handy im Auto zu nutzen. 15 bis 23 Prozent tun dies auch ohne Freisprecheinrichtung oder Headset.

Wie Manfred Möll von „Sicher unterwegs in Hessen“ anführt, trägt nicht nur das Handy zur Ablenkung bei. Ebenso gefährlich sind Essen und Trinken, Rauchen, Körperpflege, Stress, Radio sowie Gepräche mit weiteren Personen im Auto. Die Initiative „Sicher in Hessen unterwegs“ gibt es seit mittlerweile 24 Jahren. In dieser Zeit wurden rund 50 Kampagnen kreiert, die zur Verkehrssicherheit beitragen sollen. Das jüngste Plakat wird an 150 Bundestraßen im Bundesland zu sehen sein (für die Sicherheitshinweise auf den Autobahnen ist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat zuständig) sowie bei rund 2 000 weiteren Partnern.

Dass „Sicher unterwegs in Hessen“ diesmal Dieburg für die Präsentationen der neuen Kampagne wählte, hängt damit zusammen, dass sich die Iniatiave zum zweiten Mal mit Videoclips von Studenten unterstützen ließ. Diesmal fiel die Auswahl auf die Mitglieder des Studiengangs Motion Pictures der Hochschule Darmstadt in Dieburg. Die Studenten erstellten 19 Vorlagen. Fünf wurden letztlich realisiert und in Clips von 40 Sekunden bis zu einer Minute umgesetzt. Das entspricht der gängigen Länge von Werbefilmen. „Wenn von Außen ein Thema mit einem zeitlichen und funktionellen Rahmen an die Studenten herankommt, ist das Arbeiten für sie anders. Anspruch und Motivation sind weitaus höher, als wenn intern für die Schublade gearbeitet wird“, sagt Professor Alexander Herzog.

Mit der Präsenation der Filme war auch eine Prämierung durch „Sicher unterwegs in Hessen“ verbunden. Den ersten Platz belegten Fabian Klein, Dennis Baumann, Joyce Busch, Florian Strathenwerth und Till Helldobler. Unter dem Titel „Football Match“ zeigten sie mit einem Vergleich aus dem Sport, wie „ungemütlich“ ein Aufprall enden kann, wenn sich Autofahrer am Steuer ablenken lassen. Die Ergebnisse der Motions-Pictures-Studenten sind unter anderem auf der Homepage von „Sicher unterwegs in Hessen zu sehen.

‘ www.sicher-unterwegs- in-hessen.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare