Inklusive Zukunftswerkstatt an der Gutenbergschule

Gemeinsam den Traumjob entdecken

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Dominik (links) und Dennis von der Gustav-Heinemann-Schule versuchen sich gemeinsam am „Kipper“.

Dieburg - In der inklusiven Zukunftswerkstatt werden auch Schüler unterstützt, die es auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht haben. Ein Raum in der Gutenbergschule soll bei der Berufsorientierung helfen. Von Corinna Hiss 

Dominik und Dennis kramen eifrig in der Tüte mit den Einzelteilen. Laut Anleitung benötigt der "Kipper" vier Räder, eine rechteckige Holzplatte als Unterbau und eine Form, die aussieht wie ein Führerhäuschen. Jetzt müssen die vorgefertigten Teile nur noch richtig aneinandergefügt und zusammengeklebt werden.

An was die beiden Jugendlichen der Gustav-Heinemann-Schule basteln, ist Teil des neuen Raums der inklusiven Zukunftswerkstatt, die jetzt auf dem Schulcampus eröffnet wurde. Damit starteten die IHK Darmstadt und vier Schulen ein bis dahin einmaliges Projekt. „Mittlerweile gibt es zwar schon 38 Zukunftswerkstätten in ganz Südhessen, aber keine ist so wie diese“, sagte IHK-Regionalbeauftragte Sigrid Zimmerling.

Inklusion steht im Mittelpunkt

Das besondere daran ist, dass es nicht nur um Berufsorientierung geht, sondern auch um Inklusion. Mit der Anne-Frank-Schule, der Alfred-Delp-Schule, der Gustav-Heinemann-Schule und der Schule auf der Aue aus Münster haben sich vier Bildungseinrichtungen zusammengeschlossen, die völlig unterschiedliche Schulformen praktizieren. Bei der inklusiven Zukunftswerkstatt treffen also angehende Abiturienten auf Förderschüler und Jugendliche mit Lernschwäche. „Verschiedenheit und Anderssein bildet sich in diesem Modell ab und wird wertfrei gelebt“, erläuterte Ingrid Spiehl, Schulleiterin der Anne-Frank-Schule das Konzept.

Die Idee dazu ist vergangenes Frühjahr entstanden, als in der Goetheschule die Zukunftswerkstatt eröffnet wurde. „Ich dachte mir: So was brauchen meine Schüler auch – nur eben anders“, berichtete Spiehl. So reifte die Idee einer Kooperation mehrerer Schulen. Bei der inklusiven Zukunftswerkstatt gibt es nach wie vor Gespräche mit Betrieben aus der Region, es werden Perspektiven nach dem Abschluss gezeigt und über die Berufswahl geredet.

Dazu kommt aber eine weitere Komponente, die inklusive, die die Zukunftswerkstatt handlungsorientierter und praktischer werden lässt. Begeistert von dem Konzept hat die IHK Darmstadt 10 000 Euro für Lernhilfen und Computer zur Verfügung gestellt und auch die Sparkasse Dieburg unterstützte das Projekt mit 2 000 Euro. „Zukunftswerkstatt bedeutet, dass die Schulen und die Unternehmen aufeinander zugehen“, so Zimmerling. Gemeinsames Ziel aller: Ein fester Ausbildungsplatz für die Jugendlichen direkt nach dem Abschluss. Dieser Wunsch ist gerade für Schüler mit individueller Förderung schwierig. „Es freut mich, dass hier auch Jugendliche berücksichtigt werden, die es auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht haben“, sagte Bürgermeister Dr. Werner Thomas bei der Eröffnung.

Praktisches und Theoretisches Erfahren

Ein Raum in der Gutenbergschule soll nun die Zukunftswerkstatt für zirka 2 000 Schüler sein. Darin macht sich auch die Heterogenität der Gruppe sichtbar: An unterschiedlichen Stationen werden die verschiedensten Fähigkeiten getestet. Der Abiturient, der intellektuell versiert ist, versucht sich zum ersten Mal an einer elektrischen Laubsäge. Und der Förderschüler hat die Möglichkeit, im Internet nach Ausbildungsberufen zu recherchieren oder sich mit der Kamera beim gestellten Vorstellungsgespräch zu filmen. Konzentration ist auch an der Nähmaschine gefragt, mit der es gilt, die Nadel möglichst genau über ein vorgegebenes Muster zu führen. „Hier wird Inklusion gelebt“, freute sich Spiehl. „Die Zukunftswerkstatt ist ein gemeinsamer Begegnungsraum, in dem besonders auf die Individualität eines jeden geachtet wird.“

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Quelle: op-online.de

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