Ja-Wort zum Äla-Termin

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Weniger festlich, sondern eher närrisch ging es nach der Trauung von DJ Robby und Liane Mathy zu: Eine Tour führte das Paar samt Vampirclan gestern durch die Kneipen Dieburgs.

Dieburg - Zu manchen Anlässen schlägt der Verwaltungs-Puls des Rathauses ein wenig schneller. Da sitzt etwa die Verwaltungsfachwirtin Alessandra Cicchelli in ihrem Büro. Von Sebastian Faerber

Schreibtisch mit zwei zweckdienlichen Stühlen, Computer, klar: Schränke mit Leitzordnern dürfen nicht fehlen und - ganz wichtig - ein nicht heiser werdendes Telefon: „Waren Sie schon mal verheiratet? Gemeinsame Kinder? Sind beglaubigte Abschriften vorhanden? Ja?! Gut, dann kommen Sie vorbei und bringen die Unterlagen mit. “ Nur einige der zu klärenden Formalitäten, mit denen sich Heiratswillige und die bearbeitenden Beamten befassen müssen.

Ein Hoch-Tag, an dem dann alles im bindenden „Ja“ mündet, sollte gestern werden, der 11.11.2011. Einige glauben, dass Schnapszahlen Glück bringen, andere sind Fastnachtsverrückte. Und zusammen lösen beide Gruppen einen Ansturm auf die Standesämter im ganzen Land aus - sollte man meinen.

„Wir haben heute sieben Trauungen“ liest Cicchelli vom Bildschirm ihres PCs ab. Weil sie die Verwaltungsarbeit mit etwas mehr Leben aufpeppen will, hat sie eine Ausbildung zur Standesbeamtin gemacht: „Ich finde, das ist die interessanteste Aufgabe im Rathaus. Und die Leute sind meistens gut gelaunt“. An die Belastungsgrenze stoßen Cicchelli und ihre drei Kolleginnen mit den sieben Pärchen jedoch nicht. Für einen Tag im November sei das zwar durchaus viel, aber die erwartete Belagerung der Verwaltungsstätte bleibt aus.

Termin vor einem Jahr gesichert

Mit der hatten auch Stefanie Sautter und Michael Müggenburg aus Dieburg gerechnet und waren frühzeitig zum Gegenangriff übergegangen: Bereits ein Jahr im Voraus hatten sie sich den Termin gesichert, früher kann es wohl kaum gehen. Auf dem Weg zu den beiden, über den Flur, fünf Schritte gegenüber Cicchellis Büro mit all den Akten, liegt bereits etwas von dem in der Luft, das der Standesbeamtin so viel Freude bereitet: Der rosige Duft von Parfüm, den einige der Damen der Hochzeitsgesellschaft aufgelegt haben. Der Ort des Gelöbnisses selbst wartet nicht minder festlich: weiße Gardinen vor pastellfarbenen Wänden, bunte Blumengestecke in schlanken Vasen und Gemälde mit wonnigen Schäfchen-Wolken.

Aus Liebespaar wird Ehepaar

„Ich begrüße sie ganz herzlich hier im Trauzimmer“, heißt eine Standesbeamtin das Paar und ein Dutzend Verwandte und Freunde um kurz vor 11 Uhr willkommen. „Aus einem Liebespaar wird heute ein Ehepaar“, fährt sie fort, und bringt den Puls der Amtsstube mit wenigen Sätzen vollends aus dem Schlag: Während sich das Paar noch beherrschen kann, sammelt bereits ein Taschentuch die Tränen aus den Augen einer Frau im pinken Kleid.

Stefanie und Michael Müggenburg nach ihrer Trauung. Foto: sef

Dann ist das Paar die erste Unterschrift schuldig und Bräutigam Michael wird die Hand zitterig. Seine zukünftige Stefanie hat eher mit dem neuen Schwung zu kämpfen: Sie nimmt den Namen ihres Mannes an, hat im Vorfeld zwar schon geübt, die Signatur möglichst elegant aufs Papier zu bringen, aber das klopfende Herz ist zu laut, um sich an die Handbewegung zu erinnern. Das alles entscheidende „Ja“ schickt der Bräutigam der Standesbeamtin in gut einem Meter Entfernung ohne den sonst tiefen Ton seiner Stimme entgegen. Seine Liebe mobilisiert etwas mehr Klang-Kraft. Beim darauf folgenden ersten Kuss als Ehepaar, er dauert ziemlich genau 2,5 Sekunden, hallt der Gong einer Uhr aus dem Nebenzimmer nach: es ist 11 Uhr.

Freudentänen nach der Trauung

Als die Braut dann in die nassen Augen der Verwandten blickt, die zum Gratulieren herannahen, wird der Ansteckungseffekt zu mächtig: Konnte sich ihr Gatte durch allmähliches Ablassen kleiner Gewichte voll Nervosität über Wasser halten, brechen bei seiner Auserwählten alle Dämme. Die festen Umarmungen der Verwandten und noch einmal des Bräutigams trocknen die Freudentränen nach und nach.

Doch warum zwölf lange Monate auf solch einen schönen Moment warten? „Wir wollten ein besonderes Datum“, erklärt die frisch gebackene Stefanie Müggenburg. Nach dem Heiratsantrag am 30. August 2010 beim Urlaubs-Picknick an einem Strand in der Nähe von Bordeaux,, hatten beide zunächst über den 10.10.20100 nachgedacht. Doch in gut einem Monat eine Hochzeit planen - das wäre zu hektisch geworden. Dass sie sich gar nicht so früh hätten vormerken lassen müssen, damit haben sie nicht gerechnet. „Wir hatten Angst vor den Fastnachtern“, lächelt Stefanie Müggenburg.

Vielleicht vor Fastnachtern wie Robby Mathy alias DJ Robby. Der hatte seiner großen Liebe Liane im Juli auf dem Schlossgartenfest einen Antrag gemacht. Auf der Bühne kniend und unter den Augen des Schlagerstars Chris Roberts. „Den Auftritt wollte ich noch toppen und natürlich meiner Liane eine würdige Trauung bieten“, erklärt der Dieburger.

DJ Robby heiratet im Vampir-Kostüm

Mit einer Stretch-Limousine fahren die beiden um kurz vor 15 Uhr am Rathaus vor. Damit nicht genug: Beide sind große Fans des Streifens „Tanz der Vampire“ und haben sich in eine Schale aus Samt und Schauer geschmissen. Ebenso wie die rund 50 Gäste, die mit blutrotem Sekt auf das Paar warten. Auch der trauende Bürgermeister Dr. Werner Thomas wollte dem in Nichts nachstehen und hatte einen Flattermann-Frack übergestreift. Nach der Trauung, die sich ansonsten nicht vom gewohnten Text abwich, ging es auf Kneipentour durch die Gersprenzstadt.

Dort, wo auch Dieburgs Fastnachter unterwegs waren, um den Beginn der närrischen Jahreszeit zu feiern. Doch ob Fastnachter wie Robby und Liane Mathy oder weniger närrisch wie Stefanie und Michael Müggenburg, der 11.11.2011 wird ihnen allen als unvergessliches Datum in Erinnerung bleiben.

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