Jagdsaison ist in vollem Gange

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Mitarbeiter des Dieburger Forstamts auf dem Streckenplatz.

Dieburg - Viele Bürger nutzen ihn als Freizeitgebiet zum Wandern, Joggen, Radfahren oder einfach zum Abschalten - den Wald. Die Erholung wird für alle Nutzergruppen vom Forstamt Dieburg gefördert. Der Wald soll aber auch Rückzugsgebiet für Wildtiere bleiben. Wie sind alle diese Anforderungen zu vereinbaren? Diesen und anderen Fragen widmet sich die Forstamt-Serie des DIEBURGER ANZEIGERs. Heute geht es um die Jagd. Von Verena Scholze

Die Hauptaufgabe der Jagd ist es, einen an den Lebensraum angepassten Wildbestand zu erhalten“, erklärt Thomas Schmalenberg, Bereichsleiter Produktion des Forstamtes Dieburg, eindringlich. „Das Wild besitzt keine natürlichen Feinde mehr und würde sich ohne Kontrolle sonst ungehemmt vermehren“. Dieser zu hohe Wildbestand ist ein Risiko für die Natur. Durch Rehbiss verursachte Schäden greifen die jungen Bäume an und Landwirte haben durch Wildschweine verursachte Schäden zu beklagen. Auch die durch Wildschweine verursachte und übertragene Tierseuche der Schweinepest, die in den letzten Jahren in den angrenzenden Bundesländern Hessens auftrat, ist ein Grund für die Reduzierung des Bestandes.

Mehrere Gesellschaftsjaden auf rund 1500 Hektar

Ein Teckel nach getaner Arbeit.

Herbstzeit ist Jagdzeit und die ist in vollem Gange. Zwei Tage nach dem Hubertustag, also dem 3. November, wurde die Wildbretsaison offiziell eröffnet. Mitte November war es auch im Forstamt Dieburg soweit, mehrere Gesellschaftsjagden wurden gleichzeitig im Forstgebiet von Groß-Umstadt auf rund 1 500 Hektar durchgeführt. Vor Beginn der Jagd wurden mit allen versammelten Jägern die Sicherheitsvorschriften durchgesprochen und ein Uhrenvergleich vorgenommen. Maßgebend war hier die Uhrzeit der diesjährigen Jagdleiterin und Referendarin Katrin Teuwsen. „Die Sicherheit der Menschen geht vor und wir müssen jegliche Gefährdung ausschließen“, sagt sie. So werden nicht nur für die Jagdteilnehmer strenge Regeln aufgestellt, auch das Umfeld wird in diese Sicherheitsmaßnahmen mit einbezogen. Warnschilder und leuchtende Flaggen an den Straßen weisen die Autofahrer auf eine stattfindende Treibjagd hin und rufen zu verlangsamter Fahrweise auf. „Mancher Autofahrer bedenkt nicht die Gefahr, die von plötzlich auf der Straße auftauchendem Wild ausgeht“, so Teuwsen.

Gefahr für Autofahrer

Auch Hunde, die bei der Jagd zum Einsatz kommen, können die Straße plötzlich überqueren. Für Spaziergänger, Radfahrer oder Jogger wird die Jagdfläche großräumig mit Trassenband gekennzeichnet und auf die Jagd hingewiesen. „Auch wenn wir höchste Sicherheitsstandards einhalten, besteht immer die Gefahr von Unfällen“, sagt Schmalenberg. Jagdleiterin Teuwsen nahm die Einteilung der Jägerinnen und Jäger auf die 45 Hochsitze und Stände vor. Mit nur wenigen Treibern und rund 20 Hunden wurde die Jagd durchgeführt. Die Hunde verfolgen die Spur des Wilds - die Spur bezeichnet die durch Duftmerkmale festgestellten Trittwege des Wildes.

Der bellende Jagdhund zeigt durch seinen Laut dem Jäger an, wohin das Wild geflohen ist. Die Hunde, die überwiegend durch Rassen wie Bracken, Wachtelhunde und Teckel (Dackel) vertreten waren, müssen eine spezielle Brauchbarkeitsprüfung abgelegt haben, um an der Jagd teilnehmen zu können.

Die Hunde sind alle neben leuchtenden Warnwesten und Halsbändern mit Telemetrie ausgestattet“, berichtet Teuwsen. Im Halsband befindet sich ein Sender, der Hundeführer trägt den notwendigen Empfänger bei sich. „So kann der Hund im Falle einer Verletzung oder bei Abhandenkommen im Eifer der Jagd schnell geortet werden“, erklärt Teuwsen.

Das Wild hat nur einmal Stress

Mit der Jagd, die knapp zweieinhalb Stunden dauerte, wurde der vorzunehmende Abschuss nahezu komplett erfüllt. „Bei einer Gesellschaftsjagd hat das Wild nur einmal Stress“, erzählt Teuwsen. Anders, als wenn die notwendigen Abschüsse über Wochen verteilt vorgenommen werden würden. Diese Art der Einzeljagd würde den Tieren wesentlich mehr zusetzen. Die Jäger achten besonders darauf, dass das Wild nicht hochflüchtig, sondern sauber geschossen wird. Nach Ende der Jagd versammeln sich die Jägerinnen und Jäger am Streckenplatz. Aufgabe der Jagdleiterin ist es nun, die Jagd auszuwerten und gegebenenfalls Kontrollen durchzuführen.

Die Tiere werden direkt an Ort und Stelle aufgebrochen“, erklärt Schmalenberg. „Wir begutachten die Tiere säuberlich und nehmen nur Fleisch, das wir auch selber essen würden.“

Das Wild wird nach den Wildbrethygienevorschriften vom Streckenplatz direkt in den Kühlraum des Forstamtes gebracht, gesäubert und eingelagert. Hier kann der Endkunde das Wild in ganzen Stücken oder auf Wunsch zerlegt erwerben.

Nur 30 Prozent unseres Fleisches geht an Händler, 70 Prozent verkaufen wir an Endkunden“, berichtet Schmalenberg. Die Stücke können in Wildläden oder auch bei regionalen Metzgern zur Weiterverarbeitung abgegeben werden.

Das Wild hat in freier Wildbahn gelebt und sich ernährt, wie es wollte“, sagt Teuwsen. Frei von Antibiotika oder anderen Medikamenten, ohne Stress der Massenhaltung zeichnet sich daher Wildbret als ein sehr hochwertiges Fleisch aus. „Ich persönlich bereite das Wildfleisch zu wie jedes andere Stück Fleisch“, erzählt Schmalenberg. „Wildbret gehört zu den wenigen naturbelassenen Nahrungsmitteln unserer Zeit und besitzt einen hohen Nährwert.

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