50 Jahre Studium an der Max-Planck-Straße

„Glücksfall für Dieburg und Hessen“

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Zur Feier von 50 Jahren Campus Dieburg gehörte eine Gesprächsrunde mit (v. l.) Ex-Rektor Eberhard Mathée, Ex-Studentin Angelika Alt-Pook, Moderator und Alumnus Marco Schleicher, Ex-Studentin Sinje Köhler sowie Alumnus und Telekom-Pressesprecher Peter Kesspohl.

Dieburg -  Seit einem halben Jahrhundert kann in Dieburg studiert werden. Die „IngAK“ (Ingenieur-Akademie), wie die Lernstätte von vielen immer noch genannt wird, soll noch weiter wachsen.

Bei der Jubiläumsfeier hatte Ex-Rektor Eberhard Mathée bei aller Freunde über den prosperierenden Stadtort auch kritische Worte parat: Die Stadt hätte das Hallenbad und den Sportplatz übernehmen müssen.  Seit 50 Jahren wird in Dieburg studiert – worüber unsere Zeitung in den vergangenen Wochen mehrfach ausführlich berichtete. Am Freitagnachmittag feierten 700 ehemalige Studenten, Mitarbeiter und Offizielle aus Stadt, Hochschule Darmstadt (HDA) und Hessischem Wissenschaftsministerium in der Aula der HDA ein halbes Jahrhundert „IngAK“ (Ingenieur-Akademie). So nennen den Campus an der Max-Planck-Straße heute trotz längst vollzogener Umstellung von Ausbildung von Posttechnikern und -Verwaltungsleuten hin zu Medienschaffenden und Betriebswirten gerade viele Ältere noch.

Besonders Aussagen zur Campus-Zukunft von Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) und HDA-Kanzler Norbert Reichert dürften allen, die den Hochschulstandort auch heute noch als Gewinn für Dieburg betrachten, wie Öl runtergegangen sein. Denn so deutlich wie selten sprachen Land und die hauptsächlich in Darmstadt agierende Hochschule dem Campus Dieburg ihre Zuneigung aus und prognostizierten ihm blühende Perspektiven. „Das Land Hessen bekennt sich zu diesem Standort und will ihn zukunftsfähig ausbauen“, sagte Rhein. Dies soll mit Millioneninvestitionen in den nächsten Jahren (wir berichteten) und womöglich sogar mit dem Neubau eines großen Gebäudes im Süden des Areals unterfüttert werden. Gerade der Neubau, den ein Teil der derzeit 3 600 Media- und BWL-Studenten einmal nutzen könnte, befindet sich planerisch aber noch in den Kinderschuhen.

700 Gäste, darunter viele ehemalige Studenten, waren zur großen Feier in die HDA-Aula gekommen.

Alles in allem sei der Campus jedenfalls „ein Glücksfall für Dieburg und für unser Bundesland“. HDA-Kanzler Reichert betonte: „Hier werden die Logistikmanager der Zukunft ausgebildet, hier wird an virtuellen Realitäten geforscht. Was wir hier tun, ist für unsere Gesellschaft relevant.“ Man sei „ein Teil von Dieburg und wolle es auch bleiben“. Bürgermeister Frank Haus kündigte an, sowohl Rhein als auch Reichert mit Blick auf die Campusentwicklung im Osten „seiner“ Stadt beim Wort zu nehmen. Schließlich sei der Campus „ein Erfolgsprojekt für Dieburg. Er hat aus einem Dorf eine kleine Stadt gemacht.“

Die Einschätzung, dass die Studenten ab 1968 frischen Wind nach Dieburg gebracht hätten und den Ort an der Gersprenz nicht zuletzt dadurch mit entwickelten, dass sich viele von ihnen hier niederließen, zu wichtigen Akteuren wurden und generell zu ihrem Wachstum beitrugen, teilten auch die Teilnehmer einer Gesprächsrunde. Angelika Alt-Pook gehörte zu den ersten Frauen, die ab 1972 (und damit nach vier Jahren reiner Männerdomäne) ebenfalls in Dieburg studieren durften. Auch sie habe damals „ein Dorf“ vorgefunden und fahre heute durch eine „Stadt, die sich gut entwickelt hat“.

Kanzlerin Merkel zu Besuch in Dieburg: Bilder

Der einstige Rektor Eberhard Mathée, der wie frühere Mitarbeiter und Studenten am vergangenen Montag auf einer Sonderseite unserer Zeitung zu Wort gekommen war, erinnerte sich in der Gesprächsrunde im Beisein von HDA-Alumnus und Telekom-Pressesprecher Peter Kess-pohl sowie Ex-Studentin Sinje Köhler (gewann 2012 den Hessischen Hochschul-Filmpreis) überwiegend positiv an fünf Jahrzehnte Campus Dieburg und besonders seine aktive Zeit bis ins Jahr 2000, als dann letztlich auch die Hochschule Darmstadt einstieg.

Mathée, der früher in Dieburg wohnte und heute in Groß-Zimmern, machte aus seinem Herzen aber auch mit Blick auf frischere Entwicklungen keine Mördergrube: Den Abriss der Wohntürme und des Sportgeländes hält er bis heute für einen großen Fehler, sähe auch gern für das Hallenbad eine Zukunft am jetzigen Standort. Dessen Aus in naher Zukunft ist aber beschlossene Sache. Mathée sagte vor dem festlich herausgeputzten Publikum in aller Klarheit: „Das Hallenbad und den Sportplatz hätte die Stadt Dieburg übernehmen müssen, wenn sie etwas für ihre Bürger tun will.“ (jd)

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