Vor 60 Jahren für 50 Pfennig

Nach wie vor ein Highlight für die unerschrockene Jugend: der Sprung vom Turm. Die Aufmerksamkeit der Badegäste ist einem auch heute noch sicher. - Foto: Dörr

Dieburg - Das waren noch Zeiten, mag man sich denken, wenn man alte Berichte zur Eröffnung des Dieburger Freibads liest. Eröffnet am 21. Juni 1953, feiert es dieses Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Von Jens Dörr

50 Pfennig kostete damals der Eintritt für Erwachsene, heute sind es 3,30 Euro. Das Bad ist noch heute eine der größten Attraktionen der Stadt, verlieh dem Nachkriegs-Dieburg aber „sellemols“ ein wahres Alleinstellungsmerkmal: Zwischen Aschaffenburg und Rüsselsheim, zwischen dem vorderen Odenwald und Offenbach war es die einzige nennenswerte Badeanstalt.

Diskutiert über ein Freibad wurde in Dieburg bereits in den Zwanziger Jahren. Gehandelt wurde indes erst nach dem Zweiten Weltkrieg, und auch das nicht ganz freiwillig: Denn ein wichtiger Grund für Planung und Bau war die starke Bakterien- und Keimbelastung der Gersprenz, in der zuvor geplantscht worden war. 1950 nahm das Projekt Fahrt auf, mit der Genehmigung dauerte es allerdings bis zum April 1952. „Eingebettet in das Grün der Wiese, flankiert von den alten Laubbäumen des herrlichen Schlossgartens und dem Park des Konvikts“ könne „in märchenhafter Abgeschiedenheit“ das Bad realisiert werden, gutachtete zuvor - im August 1950 - das Wasserwirtschaftsamt. Im Juni 1952 folgte der Spatenstich, ein Jahr später eröffnete das Bad.

Das bot schon damals ähnliche Attraktionen wie heute. Der Sprungturm ist derselbe, war bereits in den 50ern gerade mit seiner Plattform in zehn Metern Höhe ein Highlight für jüngere Wagemutige. Die Gesamtfläche zur Eröffnung betrug 23 000 Quadratmeter, darunter 2 564 Quadratmeter Wasserfläche mit Planschbecken, Sprungturm-, Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich. Beachvolleyball war derweil noch kein Thema. Die Schaffung dieses Felds ist nur eins neben vielen – oft auch technischen und unsichtbaren – Beispielen, wie sich das Bad wandelte, erweiterte und modernisierte. Benannt wurde es schließlich nach Ludwig Steinmetz, Bürgermeister zur Zeit von Bau und Eröffnung. Er hielt 1953 – musikalisch umrahmt von der Stadtkapelle unter Leitung von Wilhelm Holzapfel – auch die Taufrede. Dabei dankte er unter anderem den Dieburgern Walter Hock, Joseph Fuchs, August Herz sowie Jakob, Adam und Karl Blank.

Kommen heute an Boomtagen des Hochsommers bis zu 4 000 Gäste ins „Ludwig-Steinmetz-Bad“, so hätte das den Bademeistern am 10. Juli 1971 wohl nur ein müdes Lächeln abgerungen: An diesem Tag kamen sage und schreibe 5 985 Besucher. 1971 hatte offenbar einen perfekten Sommer: Der Besucherrekord von damals beläuft sich auf 169 262 Gäste. Da kam nicht einmal der „Supersommer“ im neuen Jahrtausend ran.

Um noch ein letztes Zahlenspiel - der Inflation geschuldet natürlich eins mit rechnerischem Haken - zu bringen: Der Bau des Dieburger Freibads zwischen Juni 1952 und 1953 kostete 560 000 Deutsche Mark. Umgerechnet in Euro wären das etwa 286 000 Euro. Das ist weniger als der aktuelle jährliche Zuschuss der Stadt, um es überhaupt in Betrieb halten zu können.

Eins ist aus Besuchersicht heute aber finanziell entlastender geworden: Das Parken am Freibad ist kostenlos. 1953 wurden pro Auto 50 Pfennig erhoben - genau so viel, wie der Eintritt kostete.

‹ Der Artikel entstand auf Grundlage der Recherche von Ulrike Posselt, Büro für Stadtkommunikation im Rathaus.

Kommentare