Vor 15 Jahren schon Computerräume

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Besuch aus Fernost: Fünf chinesische Vertreter aus Politik und Schullandschaft sowie eine Dolmetscherin wurden am Donnerstag in der Dieburger Gutenbergschule von Bürgermeister Dr. Werner Thomas (sitzend, 2. v. l.), Schulleiterin Birgitt Schmidt-Walter (sitzend, 2. v. r.) und Initiatorin Ingrid Weng (stehend, 3. v. l.) begrüßt.

Dieburg ‐ Bis zu 50 Schüler in einer Klasse – klingt erst einmal nach Horror für den Lehrer. „Doch ist es in China wohl trotz der höheren Zahl einfacher zu unterrichten als in Deutschland“, sagt Ingrid Weng. Von Jens Dörr

Die Dieburgerin und ehemalige Lehrerin muss es wissen - seit 20 Jahren bereist sie regelmäßig das Land in Fernost. „Damals stand das aber noch lange nicht in diesem Fokus wie heute“, erklärt Weng. Sie ist die Initiatorin dafür, dass Dieburg nun erstmals offiziell eine chinesische Delegation an der Gersprenz begrüßen durfte, wie Bürgermeister Dr. Werner Thomas in seiner kurzen Ansprache feststellte.

Drei männliche Politiker, zwei Schuldirektorinnen und eine Dolmetscherin waren am Donnerstagmorgen in die Gutenbergschule gekommen, um sich im Rahmen ihres Dieburg- und Berlin-Aufenthalts über den deutschen Schulalltag zu informieren und sich bei einem Besuch in den Klassen selbst ein Bild zu machen. Die Gutenbergschule wird zukünftig intensiv mit der Shijingshan Experimental Elementary School in einem Vorort von Peking in Kontakt stehen, besser gesagt: ihre Schüler.

Deutsche und chinesische Kinder werden sich über E-Mail austauschen und in Kontakt bleiben – auf Englisch“, berichtet Schulleiterin Birgitt Schmidt-Walter. Das Handwerkszeug zum Schreiben einfacher Briefe auf Englisch würde in der dritten, vierten Klasse beherrscht, erklärt sie, die Strukturen seien bis dato erlernt worden. In der Gutenbergschule wird schon in der ersten Klasse mit dem Fach Englisch begonnen.

Zustande kam der Kontakt eben über Weng, die bei ihren Reisen ins bevölkerungsreichste Land der Erde Verbindungen zu Hochschulen, Schulen und vielen Privatleuten in Shanghai und Peking knüpfte. Bei ihren dortigen Besuchen hat sie festgestellt, dass das deutsche Bildungssystem im Vergleich noch Luft nach oben besitzt: „Da gab es vor 15 Jahren schon Computerräume in den Schulen, die Ausstattung ist heute selbst in der Provinz besser als in deutschen Schulen“, sagt Weng. Aufgrund der Disziplin der Schüler sei es auch trotz Klassenstärken von 35 bis 50 Personen leichter für den Lehrer. „Die Chinesen wollen durch extreme Leistungsbereitschaft nach oben“, hat Weng festgestellt. Ist das durchaus im China-Bild der Deutschen verankert, gebe es doch auch viele falsche Vorurteile: „Zum Beispiel sind die Frauen dort sehr emanzipiert, bekleiden auch in der Politik häufig hohe Posten.“ Unter den reichsten Frauen der Welt seien vier Chinesinnen, entsprechend selbstbewusst trete man auf. Umgekehrt herrsche in dem asiatischen Staat eine große Bewunderung für Deutschland: „Die Chinesen verehren uns geradezu“, hat Weng bemerkt.

Beim Besuch in der Gutenbergschule waren die Gäste überrascht, als sie das Lehrerzimmer betraten. „Wir machen alle gemeinsam Pause in einem Raum“, musste Schulleiterin Schmidt-Walter erklären. In China hat jede Lehrkraft ihr eigenes Büro als Rückzugs- und Arbeitsraum.

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