Neue und vertraute Gesichter im Hassia-Vorstand

Trotz Schulden wird auf Kunstrasen gezielt

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Der neue Vorstand des SC Hassia (v. l.): Roland Jaensch, Daniel Christ, Hubertus Euler, Gerald Grohe, Hannelore Senf, Detlev Struckmeier, Oliver Rebel, Christian Gampe, Matthias Gärtner und Bernd Witzel.

Dieburg - In einer wahren Marathon-Sitzung hat der SC Hassia Dieburg am Donnerstagabend seine Jahreshauptversammlung (JHV) abgehalten. Sie war aus mehreren Gründen eine ganz besondere. Von Jens Dörr

Einerseits blickte die versammlung auf 18 Monate zurück und nicht nur ein Jahr, weil sie wegen der 100-Jahr-Feier des Sportclubs vom Frühjahr in den Herbst gelegt worden war.

Andererseits gab es im Vorstand mehrere Veränderungen - allen voran im Amt des Vorsitzenden, für das Hans-Friedrich Busch (wie vorab berichtet) nach 16 Jahren nicht mehr kandidierte. Zudem richtete Gerald Grohe, neuer zweiter Vorsitzender (siehe auch Infokasten), einen flammenden Appell an die 50 anwesenden Mitglieder und gab ein mutiges Zukunftsvorhaben aus.

Grohe hob - wie später auch der neu gewählte Vorsitzende des Vorstands, Detlev Struckmeier - die Bedeutung der Sanierung und Entwicklung des vereinseigenen Sportgeländes mit seinen 35 000 Quadratmetern samt aktuell zwei Großfeldern, einem DFB-Minispielfeld, dem Vereinsheim mit Tribüne und den Parkplätzen auf dem ehemaligen Hartplatz für die Zukunft des Vereins hervor. Kurzfristig, so schafft es insbesondere der unermüdliche Einsatz vom ebenfalls in den Vorstand gewählten Daniel Christ, entsteht auf dem Brachland westlich des Vereinsheims ein drittes Naturrasen-Feld. Wohl ab Sommer 2014 kann hier gekickt werden. Mittelfristig bleibe aber ein Kunstrasen-Großfeld das Ziel. Inzwischen seien bei Land, Kreis, Stadt und Fußballverband entsprechende Zuschüsse beantragt. All das sei auch nötig, weil sich eine Ansiedlung des neuen Dieburger Sportzentrums am Wolfgangshäuschen seitens Gutachter und der ihm folgenden Lokalpolitik zerschlagen hatte.

Grohe kritisierte in diesem Zusammenhang das Rathaus: „In Dieburg wird für den Sport seitens der Stadt nicht viel getan. Der Sportplatz am Schlossgarten verwahrlost, das mit Abstand am größten zusammenhängende Sportgelände in Dieburg ist das der Hassia. Jenes nördlich des Skaterparks, das neu gekauft werden soll, ist mit 40 000 Quadratmetern auch nicht viel größer.“ Hauptproblem in Grohes Auge: Der Aufkauf der Grundstücke und die Realisierung des Sportzentrums würden wohl „viele, viele Jahre dauern“. Grohe wollte sogar erfahren haben, dass 26 verschiedene Grundstückseigentümer ins Boot geholt werden müssten - und bisher noch kein einziger Quadratmeter gekauft worden sei.

Allerdings zweifelten auf der Jahreshauptversammlung einige Mitglieder an, dass der Sportclub sein Kunstrasen-Ziel in absehbarer Zeit werde erreichen können. Noch immer plagen den Verein Schulden im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Hinzu kommen noch Verbindlichkeiten im mittleren fünfstelligen Bereich, die aber durch den Bau der Photovoltaik-Anlage und damit durch eine sich selbst tragende und darüber hinaus gewinnbringende Investition gedeckt sind.

Strukturell machen sich die harten Einschnitte der vergangenen Jahre - Sparmaßnahmen beim Erstmannschaftskader, bei Nebenkosten und Investitionen - in der Gewinn- und Verlustdarstellung allerdings positiv bemerkbar. Obwohl 2012 das von externer Seite organisierte Open-Air sowie das Public Viewing finanziell floppten, blieb unter dem Strich ein Plus von 3 000 Euro. In diesem Jahr deutet sich eine Verdreifachung des Plus’ an, wozu die - sich nicht wiederholenden - Jubiläumsfeierlichkeiten einen eher kleinen Beitrag leisteten.

In den Berichten sprach unter anderem Bernd Witzel - erst designierter und nun offizieller Jugendleiter des SC Hassia - davon, dass in zehn Nachwuchsteams derzeit 150 Jugendliche spielten. Hinzu kommen zwei Aktiventeams mit 30 Spielern und die Alten Herren.

Witzel verschwieg nicht, dass wegen „Irritationen“ zwischen Jugendspielern und Eltern sowie Trainern zwei Nachwuchsteams abgewandert seien. Das trug maßgeblich zum Mitgliederschwund der jüngeren Vergangenheit bei. Nur noch 460 meist männliche Mitglieder - 50 weniger - gehören derzeit dem Sportclub an.

In den Aussprachen kritisierte ein Mitglied nochmals die Entscheidung, die ehemalige Gaststätte an die Tanzschule Wehrle zu vermieten anstatt an einen Gastronom. Inhaberin Melanie Wehrle, ebenfalls Hassia-Mitglied, betonte aufs Neue ihre Bereitschaft, den anderen Mitgliedern so weit ihr möglich und wie bisher schon entgegenzukommen. Wehrle wurde auch in den neuen Verwaltungsrat gewählt.

In zum Schluss etwas gelösterer Stimmung votierten die Mitglieder einstimmig dafür, Hans-Friedrich Busch zum Ehrenvorsitzenden des SC Hassia zu ernennen. Eine vergleichsweise lange Amtszeit hat nur Buschs Vorgänger Karlheinz Braun vorzuweisen.

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