Japanischer Austauschschüler mit einem Faible für Mathe

Dieburg - (jd) „Gaku ist ein guter Schüler“, erklärt Christiane Lentke. Besonders die Mathematik scheint ihm weniger Kopfzerbrechen denn Freude zu bereiten: „Er hat ausgerechnet, dass heute genau 58 Prozent seines Aufenthalts in Deutschland vorbei sind.“ Genauer gesagt: seines Aufenthalts in Dieburg.

Denn dort wohnt Gaku Imai, 17-jähriger Japaner, seit August bei seiner Gastfamilie, den Lentkes aus der Waldstraße.

„Das passte vom Alter her“, sagt derweil Felix Lentke beim offiziellen Treffen mit Bürgermeister Dr. Werner Thomas im Magistratssaal des Rathauses. Felix ist 16 und geht auf den Gymnasialzweig der Dieburger Goetheschule, wo auch Imai noch bis Ende des Schuljahres am Unterricht teilnimmt. Ganz offensichtlich verstehen sich beide blendend, leben mit Freude den Austausch der Kulturen.

Viel Lob hat Mutter Christiane für das Veranstalter-Programm „Youth for Understanding“ übrig, bei dem Gasteltern - ohne jede Bezahlung - für eine gewisse Zeit Jugendliche aus aller Welt bei sich aufnehmen. „Diesen Veranstalter kann ich weiterempfehlen“, sagt Lentke, und auch Thomas kann dies aus seinen früheren Erfahrungen als Schulleiter bestätigen.

Mit dem Deutsch klappt es bei Imai schon respektabel, auch wenn sich das deutsche Ohr erst einmal an die japanische Aussprache gewöhnen muss. „Als er ankam, sprach er praktisch noch kein Wort Deutsch“, erinnert sich Lentke. „Englisch hat er abgelehnt, deshalb haben wir uns zunächst vorwiegend in der Zeichensprache unterhalten.“ Doch wenn junge Menschen etwas verbindet, werden die Sprachbarrieren schnell überbrückt. Felix Lentke und Gaiku Imai verbindet etwa die Freude am Tischtennis, und beim Angeln sind sie ein unschlagbares Team.

„Wir haben einen 3,5 Kilogramm schweren Karpfen aus dem Wolfgangsee gezogen“, sagt Felix, der einen Angelschein besitzt. Den Fisch habe Gaiku abends dann ausgenommen und so für den Verzehr präpariert. Fisch wird in Japan schließlich häufiger gegessen als hierzulande. „Beim Käse wiederum sieht es anders aus“, hat Gast-Mutter Lentke festgestellt. „Den hat Gaiku zunächst verschmäht, isst ihn aber nun gerne.“

Unterschiede zwischen der Dieburger Goetheschule und seiner Privatschule im Großraum Tokio hat der Gast aus Fernost ebenfalls festgestellt: „In Japan geht die Schule immer bis in den Nachmittag hinein, dort essen wir auch immer in der Schule.“ Zudem gebe es in Deutschland mehr Ferien, dafür aber keine Schuluniformen.

Wahrscheinlich ein recht entspanntes Jahr also für den jungen Japaner - trotz der fremden Sprache, deren Kenntnisse er aber Tag für Tag verbessert. 42 Prozent seines Aufenthalts bleiben ihm dafür noch.

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