Umstrittene Fiege-Pläne

„Wollen Dieburger werden“

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So soll die Einfahrt zum Fiege-Großlager einmal aussehen: Die Fassade des oft als „Beton-Monolith“ kritisierten Baus soll durch Gliederungen aufgelockert werden. Zur B 26 hin ist laut Jens Fiege ein breiter Grünstreifen mit hoch wachsenden Bäumen geplant.

Dieburg - In einem Pressegespräch informieren Jens Fiege, sein Projekt-Team und Bürgermeister Thomas über den neuesten Stand der umstrittenen Fiege-Ansiedlung. Von Lisa Hager

„Ich bin Landwirt und Spediteur. “ So stellt sich Seniorchef Heinz Fiege (68) Geschäftspartnern heute noch vor. Sohn Jens (39), inzwischen einer der beiden aktiven Gesellschafter, hat dieses Beispiel gestern bei einem Pressegespräch zur umstrittenen Ansiedlung des Mega-Logistiklagers benutzt, um die Bodenständigkeit des Familienunternehmens plausibel zu machen. Auch vor diesem Hintergrund siedle man sich gerne in mittleren Städten statt in Ballungsräumen an, erläuterte er. Zusammen mit seinem Projekt-Team und Bürgermeister Dr. Werner Thomas informierte er im Rathaus über den neuesten Stand.

In kleineren Städten sei die Loyalität der Mitarbeiter ihrem Betrieb gegenüber erheblich größer, so der Juniorchef. „Davon sind wir abhängig. Diese Haltung wirkt sich auf die Kundenzufriedenheit aus, das ist unser Kapital“, so Fiege. Deshalb habe man auch gleich Interesse gehabt, als sich das „Dieburger Dreieck“ mit seiner guten Verkehrsanbindung als mögliche Ansiedlungsfläche für ein großes Logistiklager herauskristallisierte.

Ein spezieller Wunsch auch von Bürgermeister Thomas, der kurz nach seinem Amtsantritt die Fläche für eine Vermarktung ins Auge gefasst hatte.

Andreas Nozulak (54), der sich gestern ebenfalls vorstellte, soll das Lager in Dieburg einmal leiten. Bislang hat er eine Niederlassung in Bayern geführt. Jetzt wohnt er („provisorisch in einer Männer-WG“) schon hier und wird sich in Dieburg dauerhaft ansiedeln, sollte Baugenehmigung erteilt werden.

Inzwischen hat sich ein breiter Protest gegen die Fiege-Pläne erhoben (wir berichteten mehrfach), die in der Gründung einer Bürgerinitiative Bebauung Dieburger Dreieck (BIBDD) mündeten. Hat die Firma bei vergleichbaren Ansiedlungsplänen schon Ähnliches erlebt? „Wir haben immer offen kommuniziert und die Pläne auch im frühen Stadium in der Römerhalle vorgestellt“, sagte Fiege. Mit der BI suche man das Gespräch. Eigentlich hätte gestern ein Treffen stattfinden sollen, das aber aus Krankheitsgründen von Seiten der BI angesagt werden musste. „Wir sind offen und bieten unsere Gesprächsbereitschaft weiter an“, so Fiege. „Allerdings sind wir noch an keinem anderen Standort auf eine komplette Ablehnung gestoßen.“

Auch der Vorwurf der BI, bereits umweltschädlich vorgegangen zu sein, trifft ihn hart. Sein Vater und sein Onkel (der zweite Seniorchef der Firma) seien 1996 vom WWF als Ökomanager des Jahres ausgezeichnet worden. Zudem nutze das Unternehmen bei vielen Standorten alternative Energien (Windräder, Photovoltaik). „Da geht der Vorwurf, die Umwelt zu schädigen, runter wie eine Rolle Stacheldraht“, sagt er sichtlich enttäuscht.

Auf Internetseiten würde derzeit mit Gewerbesteuerzahlen – auch anderer großer Dieburger Unternehmen – jongliert, die schlichtweg falsch seien, kritisierte Thomas. Die BI bezweifelt prinzipiell, dass Dieburg von der Fiege-Ansiedlung überhaupt namhafte Gewerbesteuereinnahmen haben werde, da es sich nur um eine Niederlassung handele. Dieses Argument konnte Jens Fiege aushebeln. „Wir werden hier eine eigene GmbH mit Sitz in Dieburg haben, nicht nur eine Niederlassung“, sagte er. „Wir wollen Dieburger werden.“

Wie aber geht es nun weiter? Am Montag wird den Fraktionen der Ordner mit den im Offenlegungs-Zeitraum eingegangenen Einwänden übergeben. In einer extra dafür anberaumten Ausschusssitzung am 28. November (eventueller Zusatztermin am 2. Dezember) wird über die Einwände beraten und abgestimmt. Ob es in der letzten Sitzung des Jahres, am 12. Dezember, schon zum Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan kommt, ist möglich, aber nicht sicher. Thomas: „Wir werden das nicht im Schnellgang durchhecheln. Wenn die Entscheidung erst nach Weihnachten fällt, ist es nun mal so.“

Fiege selbst strebt eine Inbetriebnahme für Ende 2014/Anfang 2015 an. Mit Normenkontrollklagen gegen den Bebauungsplan – sollte er beschlossen werden – rechnet der Anwalt der Firma, Dr. Fabian Eichholz. Das sei nichts Ungewöhnliches, so seine Erfahrung. Im Großen und Ganzen würden die Verwaltungsgerichtshöfe sehr auf die Entscheidungshoheit der Kommunen achten.

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