„Jenseits von Verzweiflung“

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Bärbel Kostron folgt keinem Modetrend, sie kreiert lieber ihren eigenen Stil.

Dieburg - Neue Trends, die ein Wolfgang Joop, Karl Lagerfeld oder eine Vivian Westwood vorgeben setzen Maßstäbe in der Modewelt - nicht aber für Bärbel Kostron. Von Bettina Link

Die Modedesignerin aus Dieburg verfolgt ihre ganz eigene Linie. Dass sie damit Erfolg hat, bewies sie nun beim 13. hessischen Gestaltungspreis der Handwerksammer in Wiesbaden. Dort gewann sie mit ihrer Modekreation den dritten Preis. „Die Bewerbung war eine spontane Idee“, erzählt die Dieburgerin, deren Atelier in der Bücherinsel am Marktplatz untergebracht ist.

Aus 81 Teilnehmern kam die Designerin mit ihrem dreiteiligen Kleid, das aus Rock, Corsage und Bolero besteht, unter die besten 26. Aus diesen wurden wiederum 21 Werke für einen Katalog ausgewählt.

Jury schätzt Vielseitigkeit ihrer Arbeit

„Ich hätte mich schon gefreut, wenn ich nur in diesen Katalog aufgenommen worden wäre“, sagt die Designerin. Dann aber hatte sie Post in ihrem Briefkasten. Die verriet, dass sie nicht nur unter den besten 21 ist, sondern sogar einen Preis gewonnen hat. „Bis zum Tag der Verleihung wussten wir allerdings nicht, welchen Platz wir belegt haben“, sagt die Designerin, deren Werk neben Lenkergriffen (1. Platz), Schattenspender (2. Platz) und einem Schal (auch 3. Platz) prämiert wurde.

Die Jury beurteilte die Werke unter anderem nach Idee, Innovation, Gestaltung, Funktion und handwerkstechnischer Ausführung. Mit ihrem weißen Brautkleid überzeugte Bärbel Kostron die Jury, die vor allem die Vielseitigkeit ihrer Arbeit schätze, wie die Designerin erläutert: „Ich wollte etwas gestalten, das nicht nur für einen Anlass gemacht ist, sondern nach Lust und Laune immer anders kombiniert werden kann.“

Ihre Kreation ist also nicht nur Brautkleid: „Die Corsage lässt sich auch mit einer Jeans tragen und der Rock passt auch zu einer schlichten Jacke“, sagt die gelernte Schneiderin, die gerne verschiedene Materialien miteinander kombiniert.

So verbindet sie etwa in ihrem Kleid Leinenstoff mit Seide und abnehmbaren Rüschenteilen, „das ist untypisch für ein Hochzeitskleid, aber gerade das gefällt mir“, sagt Bärbel Kostron, die wert darauf legt, ihren eigenen Stil zu verwirklichen. „Natürlich nehme ich wahr, was andere Modedesigner machen, aber ich passe mich nicht an.“ Den Luxus, sich frei zu machen von den gängigen Trends genießt sie sichtlich. Bärbel Kostron schneidert das, was ihr gefällt - und das vor allem aus gedeckten, dunklen Stoffen. Ihre preisgekrönte Modekreation mag da auf den ersten Blick nicht rein passen, aber das wiederum passt zur Designerin, die das Spiel mit Kontrasten mag: „Das Kleid sollte leicht sein, deswegen habe ich mich für Weiß entschieden.“

Über 30 Stunden arbeiteten die Schneiderin und ihr fünfköpfiges Team an dem aufwendigen Kleid. Auch wenn die Arbeit nicht immer einfach war, Aufgeben kennt Bärbel Kostron in ihrem Handwerk nicht: „Wir sind hier jenseits von Verzweiflung.“ Für die Designerin ist jede Arbeit ein Prozess und wenn es einmal ins Stocken gerät, lässt sie die Arbeit ruhen. „Eine Lösung findet sich immer“, sagt die Künstlerin.

Doch nur bestaunt werden soll ihre preisgekrönte Kreation nicht. Das Kleid steht zum Verkauf. „Ich möchte natürlich, dass das Kleid getragen wird“, betont Bärbel Kostron.

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