Jesus im Irrgarten finden

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Viele kleine Kostbarkeiten, aber auch biblische Figuren, die aus Fellen und Putzlumpen gefertigt wurden, hat Bruder Berthold im Kapuzinerkloster zu einer Ausstellung zusammen getragen. Hier flankieren Kapuzinermönche eine Krippenszene.Fotos 82):

Dieburg ‐ „Wo gibt es denn sonst noch so eine alte Treppe?“, fragt Bruder Berthold und schaut auf die dunkelbraunen Stufen unter seinen Füßen, die bei jedem Schritt ein knarzendes Geräusch von sich geben. Sie führen in den zweiten Stock des Kapuziner-Klosters, genauer gesagt: in die „Oase“. Das ist ein großer Saal, der als Besprechungs- oder Meditationsraum genutzt wird. Hier im „Obergemach“, wie es Bruder Berthold mit einem Schmunzeln nennt, hat er die letzen Tagen zusammen mit zwei Helferinnen, Barbara Reinheimer und Felicitas Kirchstein, eine kleine Ausstellung konzipiert. Von Michael Just

Wer sie ab dem zweiten Weihnachtsfeiertag sehen will, wird nicht in der Klosterkirche fündig sondern muss sich in den zweiten Stock des Wohn- und Lebensbereich der Mönche aufmachen. Das passt zum Titel der Ausstellung, die mit „Auf dem Weg zu sein“ überschrieben ist und sich damit einem wesentlichen Bestandteil unseres Lebens nähert.

Die Krippe rückt im Rahmen der Weihnachtszeit hierbei natürlich in den Mittelpunkt. Zu sehen sind neben Bildern und Gemälden zur Geburt Christi eine Reihe von Krippenbauten, die nicht selten Besonderheiten aufweisen und damit fast einen musealen Charakter haben. Darunter sind unter anderem zwei Geburtsdarstellungen, die Bruder Joachim aus Südamerika mitbrachte, oder auch eine alte Petroleum- oder Sturmlampe. Auf deren rotes Glas trug einst eine Pfarrersfrau aus dem ehemaligen Osten Deutschlands mit einen Scherenschnitt die Geburt Jesu auf.

Zur Ausstellung gehören auch eine Reihe von Figuren, die Sabine Thomas, die Frau von Dieburgs Bürgermeister Werner Thomas, in Handarbeit gefertigt hat. Sie setzen sich mit den Schlagworten „Aufwachen-Aufbrechen-Aufleben-Aufsuchen-Auffinden“ auseinander und symbolisieren den „Weg zum Fest“. Am Ende steuern die Figuren auf einen Spiegel zu, was bedeutet, dass Weihnachten nicht zuletzt der Selbstfindung dient. Die lange A-Worteihe entstammt einer kürzlichen Predigt-Reihe aus dem Kloster, die als Vorbereitung auf das Fest der Feste diente.

Exponate aus dem Kloster-Fundus

Das sind aber nicht einzigen Figuren der Ausstellung: Eine weitere kleine Ansammlung verrät etwas über die Kapuziner-Gewänder vor dem zweiten vatikanischen Konzil und eine andere Gruppe stellt einen ganz persönlichen Bezug zu Bruder Berthold her: Vor rund zwei Jahrzehnten hat er die biblischen Figuren mit einfachsten Mittel, wie Fellen oder Putzlumpen, während der Meditation gefertigt.

Das Kind im Mittelpunkt: eine Krippe mit traditionellen geschnitzten Figurren.

Da an den kleinen, ausgestellten Kostbarkeiten viele Geschichten und Hintergründe hängen ist es fast unerlässlich, die Ausstellung mit Bruder Berthold zu beschreiten. Das gilt auch für einen tellergroßen Irrgarten, in dessen Zentrum sich das Jesuskind befindet. Eigentlich als Spiel gedacht, muss man versuchen, eine kleine Kugel zu dem Knaben mit dem Heiligenschein zu balancieren. Wie der Kapuziner berichtet, entstammt das Werk einer Arbeit von Behinderten.

Wenn Bruder Berthold erzählt, was er in dem Spiel alles sieht, entspringt daraus fast eine kleine Predigt, die mit vielen Lebensweisheiten verbunden ist: Die Windungen, auf denen die Kugel rollt, werden zur Lebenskurve - besser gesagt: zum Glaubensweg - bei dem man oft an den Rand gedrängt wird. Das Ziel lässt sich nur dann finden, wenn man den Faden nicht verliert. In der Regel muss man fast alle Wege abgehen - ein Zurück gibt es nicht, schon gar kein Überholen. „Kommt zu mir“, bedeutet laut Berthold die übertragene Botschaft des Spiels.

Die Ausstellung im Kapuzinerkloster ist vom 26. Dezember bis 9. Januar täglich von 15 bis 17 Uhr für Besucher zugänglich.

Die Exponate der Ausstellung kommen etwa zur Hälfte aus dem Kloster-Fundus, zur anderen Hälfte sind es private Ergänzungen. Unter den Stücken sind auch Geschenke und Mitbringsel, die in den letzten Jahren an die Brüder gingen, wie etwa ein Papyrus aus Ägypten für Bruder Berthold, der die biblische Flucht zeigt. Dadurch, dass er das Geschenk in der Ausstellung platziert, könne er sich noch einmal bedanken, sagt Bruder Berthold und das gute Stück auf diese Weise „ein bisschen verewigen“.

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