Jetzt geht's auch flussaufwärts

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Dieburg ‐  Ein gutes Jahr beginnt für Barben, Eschen und Forellen: Sie werden es künftig leichter haben, wo sie bislang vor unüberwindbaren Hindernissen standen. Mit der neuen Fischrampe, die gestern im Beisein von Vertretern des Regierungspräsidiums Darmstadt, der beteiligten Baufirmen, der Stadt Dieburg und des Wasserverbands Gersprenzgebiet abgenommen wurde, ist man einen wichtigen ökologischen Schritt weitergekommen. Von Lisa Hager

Ob die europäischen Wasserrahmenrichtlinien tatsächlich - wie vereinbart - bis zum Jahr 2015 überall umgesetzt werden können, ist allerdings fraglich, da der Kostenfaktor die entscheidende Rolle spielt. Ziel ist es jedenfalls, den Fischen und auch anderen Tieren und Pflanzen natürlicher Gewässer bessere Lebensbedingungen zu schaffen, den Flüssen ihr ursprüngliches Gesicht zurückzugeben. „Wir versuchen aber auf jeden Fall bis 2015 einen ersten Abschnitt abzuwickeln“, sagt Heinrich Hess, Geschäftsführer des Wasserverbands Gersprenzgebiet. Es gehe bei der Maßnahme in Dieburg vor allem um die Durchgängigkeit für Fische, die auf dem Weg in ihre Laichgewässer im Oberlauf der Gersprenz sind.

Fischrampe kostete 270 000 Euro

  Tonnen von Wasserbausteinen wurden im Flussbett am Mühlturm auf einer Strecke von rund 50 Metern eingesetzt, während die Gersprenz umgeleitet war. Das frühere Wehr - etwa zeitgleich mit dem Gerichtsgebäude vor rund 30 Jahren errichtet - wurde abgetragen. Zentnerschwere Steinblöcke befestigen die Ufer. Finanziert wurde die rund 270 000 Euro teure Fischrampe, die Fischen jetzt Auf- und Abstiegsmöglichkeiten bietet, über einen Teil der Ausgleichsmaßnahmen für das Kohlelager des Kraftwerks Staudinger in Klein-Krotzenburg. Die Kosten werden also vom Energie-Unternehmen EON getragen.

Der Wasserverband versucht, möglichst viele derartige Ausgleichsmaßnahmen, die der Gesetzgeber beispielsweise auch für den geplanten Ausbau der B 26 verlangen wird, in seine Projekte „umzuleiten“. Normalerweise werden die Arbeiten über das Landesprogramm „Naturnaher Ausbau der Gersprenz“ finanziert.

Weitere Projekte in Planung

Nächstes Jahr soll schon ein weiteres Projekt in Dieburg angepackt werden: An der Brückenmühle wird das Wehr umgebaut. Der Wehrgraben soll dort künftig ständig Wasser führen und für Fische durchlässig sein. Die Kosten sind auf unter 200 000 Euro veranschlagt. Auch diese Arbeiten können finanziell über eine Ausgleichsmaßnahme abgewickelt werden.

Als Folgeprojekte steht die Mörsmühle - dort wird es teurer, weil das Wehr steiler ist, mehr Riegel benötigt werden - und das Schloss Stockau auf der langfristigen Planung. Die Projekte sind entscheidungsreif, ob sie realisiert werden, hängt von den Finanzierungsmöglichkeiten ab.

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