Verein für Behindertenhilfe in der Kritik

Jetzt sollen erst einmal Fakten auf den Tisch

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Der Wirtschaftsbetrieb WfbM verfügt über eine ganze Reihe von Einzelwerkstätten - unter anderem eine Tischlerei.

Dieburg - Internen Vorwürfen sieht sich derzeit der „Verein für Behindertenhilfe Dieburg und Umgebung“ ausgesetzt. Auch in der Stadtverordnetenversammlung wurde dazu eine Anfrage gestellt. Von Lisa Hager

Zur angeblichen finanziellen Schieflage und zu personellen Missständen, von denen in einem internen anonymen Schreiben die Rede ist, hat jetzt Bürgermeister Dr. Werner Thomas als Vorsitzender des Verwaltungsrats des Vereins Stellung genommen.

Thomas meint in seiner Erklärung, dass sich verantwortliches Handeln – nicht nur das eines Kontrollgremiums – vor allem auch darin zeige, dass Anschuldigungen zuerst intern überprüft werden müssten, bevor man an die Öffentlichkeit gehe. „Zunächst bleibt festzuhalten, dass ein anonymes Schreiben mit sehr pauschalen und objektiv nicht überprüfbaren Aussagen schon allein durch eben diese Anonymität völlig wertlos ist“, so der Chef des Verwaltungsrat, der die Aufsicht über den Verein hat.

Gespräche erforderlich

Da der Betriebsrat öffentlich pauschal bestätigt habe, dass die Vorwürfe zuträfen, habe der Verwaltungsrat diesen aufgefordert, zu den erhobenen Anschuldigungen unter Nennung nachweisbarer Fakten Stellung zu nehmen. „Weiterhin sind Gespräche mit dem Betriebsrat und den Mitarbeitern erforderlich, um eine weitere Konkretisierung zu ermöglichen“, so Thomas. Erst danach könne sich der Verwaltungsrat in abschließenden Beratungen ein Urteil bilden, sei eine umfassende Information der Öffentlichkeit möglich.

Bei den bisherigen Treffen habe der Verwaltungsrat appelliert, keine ungeprüften oder vagen Aussagen in die Öffentlichkeit zu tragen. „Das hat mit Maulkorb nichts zu tun“, so Thomas. Ein anderes Verhalten entspräche nicht der Sorgfaltspflicht sowie dem anerkannten guten Ruf des Vereins insgesamt.

Zur wirtschaftlichen Situation stellt er fest, dass die Jahresabschlüsse jährlich von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft würden. „Stets wurde dabei darauf geachtet, dass die Prüfungsbüros oder Gesellschaften nach einigen Jahren gewechselt wurden“, so Thomas weiter.

Uneingeschränktes Testat

Bis heute seien dem Vorstand jedes Jahr ein uneingeschränktes Testat für eine ordnungsgemäße und übersichtliche Haushaltsführung ausgestellt worden, so dass die Mitgliederversammlung dem Vorstand und dem Verwaltungsrat jeweils Entlastung erteilen konnte. Dies sei zuletzt in der Mitgliederversammlung Im November der Fall gewesen, als der geprüfte Jahresabschluss 2011 vorgestellt und erläutert wurde. In der Sitzung sei auch dem Wirtschaftsplan 2013 zugestimmt worden. Ebenso wurde in dieser Sitzung beschlossen, den Jahresabschluss 2012 prüfen zu lassen.

Aufgrund der jetzt geäußerten Vorwürfe – es ist unter anderem von einem angeblichen Defizit in Millionenhöhe die Rede – hat der Verwaltungsrat beschlossen, die Jahresabschlussprüfung 2012 vorzuziehen und zusätzlich eine Sonderprüfung der aktuellen Wirtschaftslage in Auftrag zu geben. „Diese dann vorliegenden aktuellen geprüften Daten sind Grundlage für eine abschließende sachliche Bewertung und Beurteilung durch den Verwaltungsrat“, so Thomas.

Davon unabhängig werde der Verein die anerkannt gute Betreuung der Behinderten in allen Einrichtungen fortführen und sicherstellen.

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