„Jungs sind sicher nicht dümmer als Mädchen“

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Für alle zuständig „außer für die Männer im mittleren Alter“: Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, mit jungem Zuhörer.

Dieburg (jd) ‐  Zierlich, quirlig, schwanger - so betritt Kristina Schröder am späten Freitagnachmittag das Pater-Delp-Haus. Dr. Kristina Schröder, muss man sagen, denn sie darf ihren Titel noch tragen.

Vor zehn Jahren büffelte sie noch an der Uni Mainz, nun kam sie als CDU-Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nach Dieburg. „Sie sehen, ich bin für alle zuständig außer für die Männer im mittleren Alter“, lacht Schröder, die bis zu ihrer Hochzeit als Kristina Köhler die Bundespolitik aufmischte. Mit solchen Sätzen bricht die 33-Jährige am Rednerpult das Eis zwischen sich und den 130 Zuschauern.

Nachdem Dieburgs CDU-Vorsitzender Thorsten Winkler begrüßt, Gründungsmitglieder geehrt und Dr. Harald Schöning vorgestellt hatte, was er als möglicher Bürgermeister der Gersprenzstadt zu tun gedenke, war Schröder an der Reihe. Nach etwas nervösem Beginn begab sich die Wiesbadenerin auf vertrautes Terrain. „Früher hat sich Familienpolitik darauf beschränkt, hin und wieder das Kindergeld zu erhöhen“, leitet sie ihre 30-minütige Rede zu ihrem Fachgebiet ein. Vom Grundsätzlichen kommt sie nach und nach zum Konkreten: „Ich bin überzeugt: Der Zusammenhalt in den Familien ist riesig“, meint Schröder zunächst trotz aller Scheidungen und auseinander reißenden Sippen in Deutschland. Jene, die in den 60ern das Ende der Familien prognostiziert hätten, seien „krachend gescheitert“.

Familie soll moderner gestaltet werden

Dann füttert sie ihren Vortrag mit klaren Projekten an: Elterngeld als erstes wichtiges Thema. Es sei ein Erfolg, dass das von immer mehr Vätern in Anspruch genommen würde, diese immer häufiger die „Vätermonate“ absolvieren würden. Schließlich könne Familie nur funktionieren, „wenn die Menschen Zeit füreinander haben“. In diesem Zusammenhang verweist Schröder auf die - aus einer Studie stammenden - Erkenntnis, dass junge Paare nicht das Geld als wichtigstes Kriterium ansähen, um das Kinderkriegen abzuwägen: Am wichtigsten sei die erwartete Unterstützung durch Eltern und Schwiegereltern. Relevant sei selbstredend auch die Familienfreundlichkeit des Arbeitsplatzes: angefangen bei flexibler Ausgestaltung der Stundenzahl auch zwischen Halbtags- und Ganztagseinsatz, aufgehört beim Umgang der Kollegen untereinander. Die Mutter, die um Punkt 16 Uhr gehe, dürfe sich dafür keine Misstöne anhören müssen. Im Übrigen habe vielleicht gerade sie besonders effizient gearbeitet, regt Köhler zum Nachdenken an.

Die Bundesministerin transportiert eine Botschaft fraglos gut: Familie kann und soll heute viel moderner gestaltet werden als früher. Das betrifft Heim und Herd, wo einst die Frauen das Sagen hatten. Durch das Übernehmen von scheinbar klassisch weiblichen Aufgaben wie der Kinderbetreuung durch Männer gibt es nicht schlicht eine Angleichung der Rollen - Väter können ihr Leben vielmehr entscheidend bereichern. Im Hause Schröder wird der Mann der Ministerin voraussichtlich so in die Kinderbetreuung eingreifen, dass die CDU-Frau der Berliner Bühne nicht allzu lange fern bleibt.

Mindestens ein männlicher Erzieher

Apropos Kinderbetreuung: Ziel müsse es sein, in Kindergärten und Tagesstätten zumindest einen männlichen Erzieher pro Einrichtung zu gewinnen. Da auch in den Grundschulen nur ein Bruchteil der Lehrer männlich ist, fehle gerade den Jungs, die ohne Vater aufwachsen, ein männliches Vorbild. Überhaupt sei für sie die „Jungenpolitik“ sehr bedeutsam, trägt Schröder vor. Schließlich hätten die jungen Herren der Schöpfung eher Probleme in der Schule, nähmen seltener ein Studium auf. Unter Umständen habe das mit einer Pädagogik zu tun, die die Mädchen zu sehr als Norm betrachte. „Ich bin überzeugt: Jungs sind nicht dümmer als Mädchen“, sagt Schröder mit einem Augenzwinkern.

Wenn auch seltener als Volker Bouffier bei seinem Auftritt in der „Ludwigshall“, so erntet Schröder doch auch immer wieder Applaus. Beispielsweise als sie die notwendige bessere Vereinbarkeit von Pflege und Familie anspricht - dasselbe bei ihrem Statement, das Alter sei nicht in erster Linie mit Krankheit und Demenz zu verbinden, sondern insbesondere mit dem „geschenkten neuen Lebensalter“. Die Lebensklugheit der Senioren müsse indes noch stärker als „Schatz“ erkannt und gehoben werden.

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