Jury beschäftigt sich mit Rochus

Das Rochus-Gelände steht nicht unmittelbar vor dem Verkauf. Das  weiterere Prozedere war nun Gegenstand einer Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung. Foto: scharkopf

Da es Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Veräußerung des Rochus-Geländes gab, nahm der Darmstädter Klinikdezernent André Schellenberg in einer Sondersitzung des Dieburger Parlaments dazu Stellung – und überraschte mit einem Vorschlag. VON STEFAN SCHARKOPF

Dieburg – Wenn das mal keine guten Nachrichten sind: Ein prompter Verkauf des Rochus-Geländes durch die Stadt Darmstadt droht nicht, wie es gerüchteweise kolportiert wurde, die Veräußerung erfolgt im Zusammenspiel mit der Stadt Dieburg, und die Besitzerin des Rochus will nicht jedem erzielbaren Cent hinterherhecheln. Ziel ist, so Darmstadts Kämmerer und Klinikdezernent André Schellenberg (CDU), gleichwohl, dass das Rochus nicht an jeden „x-beliebigen Investor“ verkauft wird, es ein ordentliches Verfahren geben und freilich ein „angemessener Preis“ erzielt werden soll.

Schellenberg kam am Mittwochabend zur Sondersitzung des Dieburger Stadtparlaments, nachdem auf Initiative der CDU eine Gruppe von elf Parlamentariern, darunter die Fraktionsvorsitzenden aller fünf vertretenen Parteien, die Sitzung beantragt hatte, um klären zu lassen was an den Befürchtungen dran ist.

Zunächst stellte Schellenberg die Eigentumsverhältnisse klar: Das Klinikum Darmstadt hatte mit den Eignern des Marienhospitals und der St. Rochus gGmbH über den Erwerb dieser beiden Krankenhäuser verhandelt und im Rahmen eines Bieterverfahrens den Zuschlag erhalten. Besitzerin des Rochus ist heute die Marienhospital gGmbH. Die Kongregation der Schwestern von der göttlichen Vorsehung, die ihren Hauptsitz in Atlanta/USA hat, ist mit zehn Prozent daran beteiligt, will sich aber in den Verkauf nicht einmischen.

Das Klinikum hatte die Sparkasse Darmstadt zunächst mit einem Markterkundungsverfahren beauftragt. Derzeit liegen laut Schellenberg zwei konkrete Kaufangebote mit Preisvorstellungen vor, nach den Herbstferien könnte ein weiterer Interessent dazu kommen. Nach den Ferien wolle man das Prozedere intensivieren, so Schellenberg.

Es bestehe eine mündliche Vereinbarung zwischen ihm und Dieburgs Bürgermeister Frank Haus (parteilos), dass die Stadt Darmstadt bzw. die Klinikum Darmstadt GmbH das Areal nicht ohne gegenseitige Abstimmung veräußern wird. An dieser Vereinbarung halte die Stadt Darmstadt fest. Allerdings, so Schellenberg, habe diese auch keinen „Ewigkeitscharakter und laufe bis zu diesem Sommer. Das Dieburger Parlament sei nun am Zug und müsse klar machen, wohin die Reise gehen soll – möglichst in diesem Herbst. Schellenberg: „Bis Sommer oder Herbst 2020 soll Geld fließen, man muss also schon Gas geben.“

Dass das Rochus nicht auf der Stelle veräußert werden kann, liegt auch daran, dass im ehemaligen Schwesternhaus minderjährige Flüchtlinge betreut werden, die eigentlich in Darmstadt hätten untergebracht werden müssen. „Dafür haben Sie was gut bei mir“, sagte Schellenberg in Richtung der Stadtverordneten. Im Juni 2020 werden die Flüchtlinge ausziehen, erst danach ist ein endgültiger Verkauf möglich.

Der Darmstädter Klinikdezernent erntete reihum viel Zustimmung für seinen überraschenden Vorschlag, einen Wettbewerb auszuloben und Investoren gemeinsam zu suchen. Bereits bekannte Interessenten sollten sich vorstellen und erklären, wie sie die Ideen der Dieburger in ihrem Konzept verwirklichen wollen. Deren Ideen werden quasi in einen Umschlag eingetütet und ihre Preisvorstellungen in einem zweiten. Eine Jury soll sich damit beschäftigen. Vorteil für Dieburg: Besetzt sein soll das Gremium mit Stadtverordneten, womöglich Mitarbeitern der Kreisbauverwaltung und nur zwei Vertretern aus Darmstadt – Dieburg hätte in der Jury also die klare Mehrheit. Nach einem Verfahren, das sich in der Wissenschaftsstadt bereits bewährt habe, sollen Punkte vergeben werden; zum einen für das Konzept, zum anderen für die Preisvorstellungen. Das ganze Manöver könnte in vier bis fünf Monaten erledigt sein. Bislang sei das Angebot von zwei bis drei infrage kommenden Anlegern etwas dünn.

Über allem stehe die Maßgabe, für eine transparente Vorgehensweise zu sorgen. Die Jury könnte sich im Januar konstituieren.

Klar sei ferner, dass potenzielle Käufer Detailangaben brauchten, um kalkulieren zu können. Das betreffe die Geschossflächenzahl, die Größe der bebaubaren Flächen und nicht zuletzt die Anzahl der Stellplätze. Vor allem letztere seien für Geldgeber wegen der hohen Kosten oft eine Hemmschwelle.

Laut Bürgermeister Haus liegen die Flächenbedarfe vor, mit Ausnahme eines möglichen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Gebraucht werde aber noch ein Puffer für die Ansiedlung interessierter Praxen.

Haus, der im Übrigen beklagte, dass die durch die Stadt wabernden Gerüchte nur für „Unruhe bei Ärzten und in der Bevölkerung“ sorgten, kündigte an, dass am 4. November drei mögliche Käufer ihre Konzepte in einer öffentlichen Sitzung vorstellen werden, die Seniorenwohnen und stationäre Pflege bis hin zu einem Hospiz beinhalten.

Zu der Frage, ob Dieburg das Gelände selbst kaufen möchte, wiederholte Haus frühere Positionen. Die Stadt Dieburg sei nicht aus dem Rennen was den Erwerb angehe. Ein Investor müsse Geld verdienen, eine Stadt die nötige Infrastruktur für ihre Bürger sicherstellen, was nicht immer refinanzierbar sei. „Wir können auch Teil einer Investorengruppe sein“, so der Verwaltungschef.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare