Justitia als Gastgeberin

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Hans Peter Murmann zeigt auf die Pritsche der sogenannten Präsenzzelle im Keller des Amtsgerichts. Die Schüler sind schwer beeindruckt von der Atmosphäre des Raums, den ihnen Direktor Frank Richter (rechts in der Tür) und Geschäftsführer Wolfgang Radomski aufsperrte.

Dieburg - Ein Ort, den man normalerweise mit gemischten Gefühlen aufsucht, zeigte sich gestern von seiner gastlichen Seite: Das Amtsgericht hatte zum Tag der offenen Tür eingeladen. Von Lisa Hager

Und Direktor Frank Richter hielt, was die Überschrift der Vorankündigung im DA versprochen hatte: Kein Besucher wurde verurteilt.

Eine nackte Holzpritsche an der Wand, eine Toilette in der Ecke: Ganz still wurden die LGS-Schüler, die mit Betreuer Hans Peter Murmann die „Präsenzzelle“ des Amtsgerichts besuchten. „Das ist schlimmer, als ich es mir vorgestellt habe“, sagte ein Schüler beeindruckt, der den Mut hatte, sich für kurze Zeit richtig einschließen zu lassen.

Angesäuselt oder sturzbetrunken? Mit der Rauschbrille konnte man am Stand der Verkehrswacht – im Hintergrund Vorsitzender Peter Christ – erfahren, wie man mit Alkohol im Blut beeinträchtigt ist. Stellvertretender Vorsitzender Claus D. Sterr stützt die Probandin.

Das Probewohnen im Keller des Justizgebäudes, das 1982 erbaut wurde, war ein Teil des Programms, das gestern die Mitarbeiter für die Öffentlichkeit vorbereitet hatten. Viele Besucher nutzten das Angebot, sich von Experten über Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfahren, Nachlass- und Testamentsverwahrung oder die rechtlichen Voraussetzungen und Risiken der Organspende informieren zu lassen. Der Dieburger Anwaltskreis – vorsitzende ist die Rechtsanwältin Andrea Giritsch-Hesse – war mit einem gut besuchten Info-Stand vertreten. Zweck des Vereins sei unter anderem auch die Pflege der Kommunikation mit dem Gericht, so Giritsch-Hesse. Dass das funktioniert, bestätigte Amtsgerichtsdirektor Frank Richter in der Jahrespressekonferenz: „In Dieburg reden die Anwälte miteinander und die Zusammenarbeit mit uns läuft auch hervorragend.“

Und da sich einige Besucher über den Ganzkörperscanner an der Pforte wunderten, hatte Richter dazu noch eine Zahl parat: „Im ersten Monat haben wir 26 Messer gefunden. Das bedeutet, dass Besucher auch vorher Messer in den Taschen hatten, nur hat sie keiner kontrolliert.“

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