Ein Kaiser in der Fußgängerzone

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Protestzug: Weil der Sonntagsschutz auf den römischen Kaiser Konstantin zurückgeht, zogen Vertreter aus Kirchenverbänden und Gewerkschaften als Römer verkleidet durch die Dieburger Innenstadt.

Dieburg ‐ In den fünfziger und sechziger Jahren forderte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) noch „Samstags gehört Vati mir“. Eine 40-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich war seinerzeit eine der ersten Forderungen, die der DGB stellte. Heute hat sich der Samstag als normaler Werktag am Wochenende etabliert. Von Dirk Beutel

„Die in der Arbeitswelt geforderte permanente Verfügbarkeit zieht immer weitere Kreise und weicht nun auch den Sonntag auf“, sagte Jürgen Planert, Vorsitzender des DGB-Südhessen bei der Kundgebung „Freier Sonntag“. Immerhin: laut Gewerkschaftsangaben müssen schon jetzt rund 26 Prozent aller Beschäftigten auch sonntags regelmäßig an die Stechuhr. Doch nicht nur diese Entwicklung hat die „Allianz für den freien Sonntag“, bestehend aus den evangelischen Dekanaten der Propstei Starkenburg, den katholischen Dekanaten an der Bergstraße, des DGB-Südhessen und Verdi Südhessen sowie dem Olympische Club Starkenburg, am Donnerstag auf die Straße gehen lassen: Im Herbst wird der Hessische Landtag darüber diskutieren, ob es bei den bisher erlaubten vier verkaufsoffenen Sonntagen bleiben soll, oder ob der Sonntagsschutz generell aufgehoben wird.

Für dessen Verbleib demonstrierten in Dieburg, Darmstadt und Heppenheim Vertreter aus Kirchenverbänden und Gewerkschaften aus der Region Starkenburg. In Dieburg zogen die Demonstranten als Römer verkleidet durch die Innenstadt. An der Spitze des Protestzuges: Rainer Volkmar, Jugendreferent im Dekanat Vorderer Odenwald. Er stellte in roter Robe Kaiser Konstantin dar, der am 3. März 321, also genau vor 1690 Jahren, den Sonntag zum arbeitsfreien Tag erklärte.

Mehr Infos zum Thema und zur „Allianz für den freien Sonntag“ sind auf deren Internetseite zu bekommen. 

Der Sonntag müsse als Tag Regeneration erhalten bleiben, sagte der katholische Dekan Erhard Weilbächer bei der Kundgebung am Marktplatz und verwies auf die Bibelstelle: „Am siebten Tage ruhte er.“ Der Verlust des Sonntagsschutzes hätte gravierenden Einfluss auf Familien, erinnerte der evangelische Dekan Joachim Meyer. Wegen G8 habe sich der Sonntag für Schüler schon jetzt zum reinen Hausaufgabentag gewandelt, bemerkte Pfarrer Harald Christian Röper aus Eppertshausen. Unterstützung für die Demonstranten gab es auch aus dem örtlichen Gewerbe. Über 20 Geschäfte in Dieburg haben sich an dem Aktionstag beteiligt und die Plakate „Mein Sonntag“ in ihre Schaufenster gehängt. Darauf berichten unterschiedliche Menschen von ihren Erfahrungen mit der Sonntagsarbeit.

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