Theaterring: Viele Lacher für Komödie zum Thema Outing

Kalle Pohl stiehlt Tom und Norman die Schau

Bernhard (Kalle Pohl) und Babsi (Ruth Williams) kommen sich näher.

Dieburg - Es ist Morgen, das durchdringende Läuten der Türglocke weckt Norman. Dieser taumelt schlaftrunken zur Tür. Große, unerwartete Überraschung, der Vater steht davor und bittet um Einlass. Szenenwechsel auf der Bühne, eine Bettszene.

Tom, der Freund Normans steht auf, nackt wie Gott ihn schuf und flüchtet ins Bad. Ein Raunen geht durch das Publikum, einige Zuschauer schlagen amüsiert die Hände vors Gesicht. Auch sexuelle Hilfsmittel auf dem Wohnzimmertisch lösen beim Publikum geteilte Reaktionen aus.

Das Thema Outing, um das es sich bei der Komödie „Norman, bist Du es“ dreht, ist auch heute noch nicht ohne.

Norman, gespielt von Otto Beckmann, hatte sich zu Hause bislang nicht geoutet. Jetzt taucht der entnervte Vater Bernhard Wolters, der in Gestalt des Kabarettisten und Comedy-Stars Kalle Pohl auf der Bühne steht, überraschend bei seinem Sohn auf. Verzweifelt und cholerisch spielt Pohl den Inhaber einer Wäscherei in der Provinz, verlassen von Ehefrau Bettina (Heike Thiem-Schneider), die mit seinem Bruder Julius durchgebrannt ist. Und zum großen Unglück auch noch mit dem eigenen ehelichen Auto.

Rat suchend will sich der gehörnte Ehemann an seinen Sohn wenden und muss feststellen, dass dieser in einer eheähnlichen Gemeinschaft mit einem Mann, nämlich Psychotherapeut Tom (Julian Manuel) lebt und homosexuell ist. Daddy ist außer sich. Hilflos benennt er alle erdenklichen Vorurteile und entschließt sich letztendlich, seinen Sohn zu heilen. Erst besorgt er sich entsprechende Fachliteratur, dann soll die scharfe Babsi (Ruth Williams) es richten und den falschgeratenen Sohnemann mittels sinnlicher Anschauung umkrempeln.

Tom seinerseits versucht den Papa zu entspannen und zu therapieren und Kontakt als Schwiegersohn in spe mit ihm zu bekommen. Ein Streit zwischen Vater und Sohn lässt Norman für ein paar Tage verschwinden, dafür taucht unverhofft auf einmal die fremdgängerische Mutter Bettina auf. Nach vielem Hin und her, witzigen Dialogen und viel Theatralik entwirren sich die Dinge am Ende. Alles wird gut, jeder versöhnt sich mit jedem. Bereits 1970 wurde die Komödie von Ron Clark und Sam Bobrick in New York zum Sensationserfolg. In mehrere Sprachen übersetzt wurde sie 1976 in den USA verfilmt.

Allen voran spielte sich Kalle Pohl in die Herzen der Zuschauer. Mit trockenem Humor, schnodderigen Kommentaren und ausdrucksvoller Mimik schlüpfte er überzeugend in die Rolle des Provinzvaters. Manuel als Tom ließ das Publikum mittels entsprechender Gestik nie vergessen, dass er von Beruf Psychotherapeut ist, während Otto Beckmann überzeugend den lieben netten Norman gab.

Viele Lacher begleiteten das Stück, dessen Szenenwechsel mit dem Thema Outing entsprechender Musik unterlegt wurden. Der Schlussapplaus galt aber vor allem Kalle Pohl.

VERENA SCHOLZE

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