Auf einer Länge von über 500 Metern werden Kanäle in der Straße Am Schlangensee saniert

Kamerafahrt bringt Probleme ans Licht

Josef Dupal öffnet den Schacht, durch den der Spachtelroboter zum kaputten Anschluss gelangt und mit Zementmörtel saniert.
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Josef Dupal öffnet den Schacht, durch den der Spachtelroboter zum kaputten Anschluss gelangt und mit Zementmörtel saniert.

Dieburg – Es tropft braun in Dieburg. In der Straße Am Schlangensee sind Abwasserkanäle kaputt. Noch nichts Schlimmes, aber doch sanierungsbedürftig genug, damit man was tut, bevor Schlimmeres daraus entsteht und die sprichwörtliche Kacke am Dampfen ist – oder unkontrolliert im Boden versickert. Es gibt kleine punktuelle Schäden, Risse, die sich über mehrere Meter ziehen, Rohrbrüche, Abplatzungen an Rohrverbindungen, ein paar Wurzeleinwüchse und schadhafte Anschlüsse – auf einer Länge von 530 Metern.

Festgestellt wurde die Problematik im Dezember bei einer Routinekontrolle per Kamera, die alle 15 Jahre in der Dieburger Kanalisation an der Reihe ist. Nicht alles ist verschleißbedingt, manches auch die Folge eines Verlegefehlers von vor 50 Jahren, sagt Ali Bakkar. Der Bauingenieur ist vom Ingenieurbüro Reitzel, das die Sanierung für die Stadt plant und leitet. Seit 16. Februar wird bereits repariert. Voraussichtliche Kosten: 90 000 Euro. Josef Dupal ist einer der Arbeiter, die die Sache wieder in Ordnung bringen sollen. Sein Arbeitgeber, die Firma „Kanaltechnik Schnurrer“ aus Weiden in der Oberpfalz, hat die Gerätschaften, um das Ganze ohne Öffnen des Straßenbelags zu wuppen. Zurzeit sind zwei Kolonnen unterwegs. Die eine arbeitet mit Harz und die andere – die von Dupal – mit Zementmörtel, um Schadstellen zu schließen. Beides wird maschinell aufgetragen. Davor haben Dupal und Kollegen zunächst den Dreck mit 150 Bar Wasserdruck aus den Kanälen gespült und beschädigte Rohrabschnitte gefräst. Störende Wurzeln kamen weg. Nun ist genügend Platz für das neue Material. Denn „zu dünn hält es nicht“, erklärt Dupal. „Und auf rauem Untergrund haftet es besser.“

Die Risse, Brüche und Abplatzungen der Kanalrohre mit Innendurchschnitten von 30 und 40 Zentimeter bekommen eine zweikomponentige Kunstharzfüllung, die direkt nach dem Mischen der beiden Bestandteile mit dem Aushärten startet. Dazu wandert ein Spachtelroboter inklusive Kamera durch den Kanaldeckel in die Tiefe und erledigt ein Problem, an das der Mensch nicht ohne Weiteres dran kann. Der Mensch sitzt dabei in seinem Fahrzeug vor einem Monitor und steuert den Roboter so, dass der für ihn das Loch mit Harz zuspachtelt. Das in geringen Mengen vorbeifließende Abwasser stört den Vorgang nicht. Auch Hohlräume außerhalb der Rohre erhalten eine Harz-Verfüllung. Das ist das eine Verfahren. Für die Sanierung kaputter Anschlüsse kommt das zweite, die Methode mit Zementmörtel zum Einsatz. Hier wird ein Hausanschluss-Packer, der wie ein großer Gummistopfen aussieht, vom Hauptkanal aus in den Anschluss geschoben und dient als Absperrung und Schalung für die anstehende Füllung, erläutert Bakkar. Er ist einer der Ansprechpartner für Dupal, der anhand der Zeichnung auf seinem Technikwagen erläutert, was nach der Anbringung des Gummistopfens geschieht. Auch der Hauptkanal muss ja so verschalt sein, damit die Füllung dort bleibt, wo sie hin soll. Das gelingt mit Hilfe eines Schildes, durch das anschließend der Baustoff injiziert wird. Nach kurzer Trocknung kommen die temporären Abdichtungen weg, und das Abwasser geht, pardon, fließt wieder seinen Gang. Das sind die Arbeiten, die gerade laufen. Sind sie erledigt, kommt ein neues Team und ergänzt fehlende oder dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallene Steigeisen in den Schächten und befestigt lose Klinkersteine. Das ist dann echte Handarbeit, ganz ohne Roboter. Irgendwann diesen Monat wird es soweit sein, meint Michael Dingeldey, Technischer Leiter bei der Stadt Dieburg. Und danach ist Ruhe im Kanal – für hoffentlich mindestens 15 Jahre.

Von Katrin Nahe

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