Was kann sich Stadt leisten?

Um Landesmittel für den Bau eines Sportzentrums zu beantragen, müsste Dieburg zuvor die Planung finanzieren.

Dieburg - Eine Stadthalle, ein neues Trainingsbad, eine neue Sportanlage, die großen Wünsche der Dieburger Bürger und Vereine sind seit vielen Jahren die gleichen. Von Laura Hombach

Oft braucht es viele Jahre, bis ein Projekt zur Umsetzung kommt, wie jetzt die Römerhalle, die Ende September eingeweiht werden soll.

Bleiben noch das neue Hallenbad und die Sportanlage, die es zu realisieren gilt. Die Sportvereine beklagen seit vielen Jahren den Mangel an Hallenzeiten. Der städtische Sportplatz ist für die Austragung von Wettkämpfen nicht geeignet. Selbst die Schüler, die ihre Abiturprüfung auf Laufbahn und Co. ablegen wollen, müssen dafür in die Nachbargemeinde ausweichen. Der Weiterbestand des Trainingsbades auf dem Campusgelände ist nur Dank des unermüdlichen Engagements des Wassersportvereins gesichert und das auch nur bis 2019. Dann läuft der Vertrag mit der Grundstückseigentümerin, der Telekom, aus.

Gleichzeitig könnte es kaum einen schlechteren Zeitpunkt für die Realisierung solcher Großprojekte geben: Im städtischen Haushalt klafft ein großes Loch und das erste Ziel für die nächsten Jahre heißt; Rückkehr zum ausgeglichenen Haushalt. Von Millionen Euro aus der Stadtkasse, die die Realisierung der beiden sportlichen Bauprojekte kosten würde, kann da nicht mal der Kühnste träumen.

Es sei denn, es tun sich andere Quellen auf, aus denen derzeit noch Gelder in siebenstelliger Höhe sprudeln. Eine solche hat der Vorsitzende des Wassersportvereins Klaus Schulte beim Land Hessen aufgetan: Dort gibt es ein bis Ende 2012 befristetes Hallenbadinvestitionsprogramm. Mittels dessen hofft man nun, einen Ersatz für das Trainingsbad schaffen zu können (der DA berichtete).

Und auch Ulrich Bausch, Vorsitzender des Turnvereins und Pate des Leitbilds „Bedarf für ein Sportzentrum ermitteln und die Planung für eine mittelfristige Umsetzung erarbeiten“, hofft auf finanzkräftige Unterstützung aus der Landeskasse.

Zur Zeit bestehe die Möglichkeit, Gelder aus Sonderinvestionsmaßnahmen des Landes Hessen für den Bau eines Sportzentrums zu beantragen, so Bausch. Allerdings gäbe es diese Programme nicht ewig. Und so richtete Bausch in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Jugend, Kultur und Sport einen eindringlichen Appell an die Ausschussmitglieder, auch das Projekt Sportzentrum mit einer hohen Dringlichkeitsstufe zu versehen.

Eine Kapazitätsabfrage bei den Vereinen habe einen dringenden Bedarf für eine mittlere und eine kleinere Halle sowie einen Sportplatz ergeben, resümierte Bausch.

Als mögliche Standorte für die neue Sportanlage wurden bereits die beiden Gelände nördlich und westlich des Kauflands überprüft und für tauglich befunden. Favorit sei das westlich gelegene Gelände, so Bausch vor dem Ausschuss, zu dessen neuem Vorsitzenden am Montag Rudolf Kipp (CDU) - Stellvertreter ist Frederik Schikora (CDU) - gewählt wurde. Dort sei das Gelände fast schon vollständig erschlossen, so der Projektpate.

Beide Gelände böten neben Platz für die beiden Hallen, den Sportplatz und die nötigen Außenanlagen auch genügend Raum, um das neue Hallenbad zu errichten, erklärte Bausch auf Nachfrage aus dem Ausschuss.

Die für die Baumaßnahme nötige Änderung des Bebauungsplans dürfte kein Problem sein, denn darüber, dass man eine solche Sportstätte gerne hätte, herrschte im Ausschuss Einigkeit.

Wie hoch die Förderung aus der Landeskasse ausfallen könnte und ob die Stadt einen Teil der Baukosten selbst tragen müsste, war am Montag erst einmal kein Thema. Diskutierte wurde vielmehr die erste Hürde, die Dieburg auf dem Weg zum Sportzentrum überwinden müsste: Denn die Stadt muss zur Beantragung der Landesmittel eine Vorplanung erstellen lassen. Auf eigene Rechnung, versteht sich.

Im Zuge dieser Planungen sollte dann auch die Standortfrage geklärt werden. Neben den beiden Geländen am Kaufland wollten die Ausschussmitglieder auch das Gelände am bereits vorhandenen Sportplatz in der engeren Wahl wissen. Fraglich ist hier, ob das Gelände wegen der Grundwassersituation überhaupt geeignet und ob die Instandsetzung des vorhandenen Platzes mit Ausbau zur wettkampftauglichen Sportanlage und dem Bau der Sporthallen jenseits der Gersprenz günstiger käme als der komplette Neubau.

Die Stadt müsste also zunächst eine Vorplanung finanzieren, die Pro und Contra der drei Standorte ermittelt und so dem Parlament die Entscheidung für einen Bauplatz ermöglicht. Wie teuer diese Planung die Stadt kommen würde und ob sich Dieburg das angesichts der angespannten Haushaltslage leisten kann, wusste am Montagabend niemand zu sagen.

Die Diskussion endete mit dem Angebot von Bürgermeister Dr. Werner Thomas, dass die Verwaltung Kostenvoranschläge von Planungsbüros einhole, damit man bei der nächsten Beratung zum Sportzentrum über konkrete Summen sprechen kann.

Quelle: op-online.de

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