Karotten kommen in den Master

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Maschinenbau-Messe: Nikolai Schmitt (l.) und Dennis Jamin (2.v.l.) demonstrierten für die Schulinspektoren und Schulleiter Dieter Staudt (r.) die Funktionen ihres "Karottenmaster 3000". Auch Lehrer Jochen Gunkel (3.v.l.) schaut stolz zu.

Dieburg - Wer sich vorstellen will, wie das ist, wenn eine Delegation des hessischen Instituts für Qualitätsentwicklung, kurz: IQ, zur Inspektion in der Landrat-Gruber-Schule vorbeischaut, dem kann die Erinnerung an Heinz Rühmanns „Feuerzangenbowle“ mehr als einmal hilfreich sein. Von Barbara Hoven

Die Parallelen zur finalen Szene des Kultfilms aus dem Jahr 1944 etwa drängten sich geradezu auf. Zwar drehte sich die routinemäßige Inspektion im Beruflichen Schulzentrum des Landkreises Darmstadt-Dieburg natürlich nicht darum, einen kauzigen Lehrer auf den Prüfstand für höhere Ämter zu stellen. Sondern es ist die Schule selbst mit all den Bildungs-, Betreuungs- und Förderangeboten, Gebäuden, Schülerschaft und Umfeld, die da unter die Lupe genommen wird.

Auch begegnete die fünfköpfige Kommission keinen Bilderbuch-Lausejungen, sondern 13 ambitionierten Schülern des Leistungskurses Mechatronik aus dem diesjährigen Abiturjahrgang. Und auf dem Stundenplan stand natürlich nicht die Dampfmaschine - obwohl man sich beim Anblick der gelungenen Projekte, die die Schüler den Inspektoren mittels einer kleinen „Maschinenbau-Messe“ im Multifunktionsraum präsentierten, thematisch nicht weit davon entfernt wähnte. Egal ob pneumatisch betriebene Cocktail-Mix-Maschine, Möhrenschneider, Nussknacker oder Hochregal „Hovertec SJ 1000“ - alle Nachwuchs-Maschinenbauer haben in den letzten Wochen viel Arbeit in ihre Modelle zum Thema Hydraulik investiert.

Die einzige Vorgabe von Lehrer Jochen Gunkel hatte gelautet, eine Maschine mit mindestens zwei Zylindern zu bauen. Vom Ergebnis zeigten sich Schulleiter Dieter Staudt und die Inspektoren ebenso beeindruckt wie der Kursleiter. „Ich habe ein solches Projekt zum ersten Mal mit den Schülern durchgeführt und bin selbst überrascht, was für tolle Sachen dabei rausgekommen sind“, staunte Gunkel.

Benjamin Hendrych, Alexandra Koch und Matthias Heckwolf beispielsweise haben drei Wochen lang an ihrer Idee vom Nussknacker mit speicherprogrammierbarer Steuerung getüftelt, auch nach Schulschluss. „Zuerst haben wir am Computer eine 3D-Zeichnung erstellt, dann einen ersten Entwurf aus Legosteinen gebastelt“, erzählt Hendrych. „Der Bau der eigentlichen Maschine kam erst ganz am Ende.“Auch die von Jan Maaß und Sebastian Hulitz präsentierte Idee vom Hochregal mit neun Fächern, die durch einen pneumatisch betriebenen Arm befüllt werden können, begeisterte die „Messebesucher“, die den Einsatz der Schüler gerne und oft lobten.

Doch nicht nur über innovative Maschinen, sondern auch über deren Vermarktung haben sich die Projektgruppen Gedanken gemacht. So preisen Nikolai Schmitt und Dennis Jamin aus Groß-Umstadt ihren pneumatischen Karottenschneider in einer farbigen Broschüre als „Karottenmaster 3000“ an. „Dafür haben wir uns entschieden, weil unsere anfänglichen Ideen - ein Hochofen oder ein Schnitzelwender für die Bratpfanne - zu kompliziert in der Umsetzung waren“,bedauern die Schüler.

Nicolas Nostadt, Marvin Stoeckel und Philipp Nostadt, konnten mit ihrer vollautomatischen Cocktail-Mix-Maschine punkten. „Gebaut haben wir daran etwa 120 Stunden, und für die Erprobung und Abstimmung der richtigen Mischung gingen auch noch mal einige Stunden drauf“,lachte Marvin Stoeckel. Geglaubt wurde das, ausprobiert dann lieber doch nicht: Die experimentelle Qualitätsprüfung der alkoholischen Gärung von hydraulisch gemischten Alkoholika fiel auf Wunsch des Direktors aus.

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