Karten aus der Schulkreidezeit

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Werner Danz (links) vor einem alten Stadtplan vom mittelalterlichen Dieburg.

Dieburg - „Heute hat man seinen Routenplaner, früher musste man die Landkarte nehmen.“ Werner Danz versucht den Spagat zwischen heutiger „Navi“-Epoche zur „Schulkreidezeit“, als die Lehrer noch Ohrfeigen verteilten. Von Lisa Hager

Bei der Eröffnung der Ausstellung mit alten LandKarten und Schaubildern, die vormals im Unterricht eingesetzt wurden, kommen bei vielen Besuchern Erinnerungen hoch. „Ich durfte die benötigte Karte immer aus dem Kartenraum holen, das war ein Privileg“, erinnerte sich eine ältere Dame. Viele dieser Rollbilder verschwanden mit dem Abriss von alten Schulen in den Trümmern, sagte Danz. Er selbst hat einige vor der Müllkippe gerettet. Zusammen mit Anne Sattig, Inge Fiedler, Astrid Kreuz, Liesel und Herbert Schulz, Rainer Bauer und Heinz Schirling hat er die Ausstellung im Rathaus aufgebaut. Etliche der ausgestellten Tafeln stammen aus der Marienschule, die auch über ein historisches Klassenzimmer verfügt. Und so dankte die Heimatvereinsvorsitzende Maria Bauer auch Schulleiter Lothar Oberle für die Kooperation.

Fest steht, dass die historischen Landkarten und alten Schaubilder, wie sie früher im Schulunterricht in Biologie, Erdkunde aber auch in Geschichte und Religion verwendet wurden, bunt und künstlerisch waren. Bevor die heutigen Schulkinder nicht einmal mehr wissen, was Kreide ist, denn moderne digitale Tafeln werden auch die grünen Tafeln ersetzen, wollte der Heimatverein einmal an „Damals“ erinnern.

Der Versuch, anderen über Bilder und Zeichnungen etwas mitzuteilen, ist so alt wie die Menschheit. Nach dem Ende der Eiszeit gab es zwar noch keine Schrift, aber die Menschen kannten Farben (Farboxyde, Mineralien, Pflanzensäfte) und entdeckten die Möglichkeit, mit diesen in Höhlen Menschen, Tiere und Pflanzen nachzubilden. So geschehen bei den Höhlen- und Felsmalereien zum Beispiel in Lascaux, Altamira in Europa und auf anderen Kontinenten.

Diese zeigen Menschen, ihre damalige Tierwelt, Waffen (Pfeilspitzen, Speere) und Jagdszenen. Außerdem finden sich religiöse Vorstellungen sowie die Wiedergabe historischer Ereignisse.

Älteste Karte aus Ägypten

Sieht man die Höhlen- und Felsmalereien als Vorgänger unserer Landkarten, so musste doch eine lange Zeit vergehen, bis der Drang der Menschen, andere Teile der Erde zu erforschen, es unerlässlich machte, Zeichnungen der Gegebenheiten anderer Länder und Kontinente aufzuzeigen, die die Möglichkeit boten, diese zu erforschen oder zu besiedeln und ihre Beschaffenheit zu erkunden. So entstanden die ersten handgezeichneten Karten. Die älteste Karte dieser Art stammt aus Ägypten (etwa 3000 v. Chr.).

Mit solchen Druckstempeln oder Matrizen (links) wurden den Schülern Karten ins Heft gedruckt, die sie dann benennen mussten.

Alte Seekarten mit Längen- und Breitengraden gibt es seit etwa 1300, wobei es die Längengrade erst seit 250 Jahren gibt. Karl der Große (etwa 800 n. Chr.) war sehr darauf bedacht, dass seine Untertanen Lesen und Schreiben lernten und sich Wissen aneigneten. Er ließ sie zum Teil in den Skriptorien der Klöster unterrichten. Hier entstanden einfache Karten, aber auch kunstvolle, die aber nicht unbedingt der Realität entsprachen – sie waren nicht genordet und es gab keine Maßstabsangaben. Um solche Karten geht es auch in der Ausstellung des Heimatvereins. Natürlich sind auch diese gezeigten Karten schon lange überholt – also historisch.

Einige Jahrhunderte lang waren sie fester Bestandteil der Fächer Geografie, Geologie, Geschichte oder Biologie. Um den Schulkindern das Wissen um die Lage der Meere, Seen, Flüsse, Gebirge, Länder und Städte der Kontinente zu vermitteln, wurden große Rollkarten an hohen Holzständern befestigt und vor die Klassen gestellt.

Interessant sind in der Ausstellung auch die alten Schaubilder, die detailgenaue Nachbildungen von Menschen, Tieren, Pflanzen und Sternen. Um den Schülern die Möglichkeit zu geben, den Lehrstoff zu vertiefen und ihn zu vervollständigen, gab es mit Matrizen gedruckte Zeichnungen, die diese dann zu Hause ausmalen und beschriften konnten.

Quelle: op-online.de

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