Warnsystem Katwarn

Im Katastrophenfall kommt eine Kurzmitteilung

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Das Warn- und Informationssystem KATWARN nahmen am Montag in den Räumen des Brand- und Katastrophenschutzes in Dieburg feierlich in Betrieb (v. l.): Kreisbrandinspektor Ralph Stühling, Ortwin Neuschwander vom Entwickler Fraunhofer Fokus, Arno Vetter (Abteilungsleiter Risikoservice der Sparkassen-Versicherung) und Landrat Klaus Peter Schellhaas.

Dieburg/Darmstadt-Dieburg - Seit Montag können die Menschen im Landkreis Darmstadt-Dieburg noch ein Stückchen sicherer leben – sofern sie an die Nummer 0163 7558842 eine SMS mit dem Stichwort „KATWARN“ und der Postleitzahl der Stadt oder Gemeinde im Kreis verschicken, in der sie leben oder sich zumeist aufhalten. Von Jens Dörr

Wer wie beschrieben vorgeht, erhält dann nämlich per SMS Informationen, wenn in seinem Bereich Großschadenslagen, umgangssprachlich Katastrophen genannt, vorkommen. Das kann zum Beispiel ein Großbrand mit giftiger Rauchentwicklung sein. Das Warn- und Informationssystem KATWARN, das der Kreis in Südhessen als Erster einführt, nahmen am Montag in den Räumen des Brand- und Katastrophenschutzes (Rettungsleitstelle neben der Feuerwehr) in Dieburg Kreisbrandinspektor Ralph Stühling, Ortwin Neuschwander vom Entwickler Fraunhofer Fokus, Arno Vetter (Abteilungsleiter Risikoservice der Sparkassen-Versicherung) und Landrat Klaus Peter Schellhaas feierlich in Betrieb.

Wer in der SMS nach seiner Postleitzahl - optional - seine E-Mail-Adresse eingibt, wird zusätzlich per E-Mail auf Gefahren in seiner Umgebung hingewiesen. Kosten entstehen dem Nutzer mit Ausnahme der einen SMS keine. Auch für den Landkreis ist der Bürgerservice ein verhältnismäßig günstiger: Einmalig 15.000 Euro und ab sofort zudem 3 000 Euro jährlich muss Darmstadt-Dieburg für KATWARN ausgeben.

Auch Verhaltenstipps

Die Entwicklungs- und Betriebskosten des Warnsystems belaufen sich hingegen auf einen Millionenbetrag. Auftraggeber und Finanzier sind die Öffentlichen Regionalversicherer Deutschlands wie etwa die Sparkassen-Versicherung. Sie könnten ihrerseits langfristig durch den Ausgleich von weniger Schadensfällen von KATWARN profitieren.

Das Warnsystem ist bereits seit 2009 in verschiedenen Regionen Deutschlands im Einsatz. In Hessen nutzten es vor dem Landkreis Darmstadt-Dieburg bislang nur die Städte Frankfurt und Bad Homburg sowie der Schwalm-Eder-Kreis. Nun haben die hiesigen Bürger ebenfalls die Möglichkeit, neben den schnellen Warnquellen Sirene, Radio oder Lautsprecherdurchsage der Polizei unmittelbar auf Handy, Smartphone oder PC/Notebook Warnungen zu erhalten. Besitzer eines „iPhones“ können sich zudem bereits ein kostenloses Programm im „Apple-Store“ herunterladen, das zudem der Deutsche Wetterdienst (Offenbach) nutzt, um vor extremen Unwettern zu warnen.

„Die Nutzer von KATWARN bekommen allerdings nicht nur die Warnungen, dass etwas passiert ist, sondern auch Verhaltenstipps –zum Beispiel, dass sie Fenster und Türen geschlossen halten sollen“, erläuterte Schellhaas am Montag. Auch die Entwarnung würde über KATWARN gegeben. Die bisherigen Informationsmedien würden sämtlich beibehalten, das neue Warnsystem sei nur als Ergänzung zu verstehen. Es sei „ein sehr gutes System“, verteilte Sparkassen-Mann Vetter derweil schon mal Vorschusslorbeeren für die Technik.

Wann genau die Menschen mit KATWARN gewarnt und informiert würden, lasse sich nicht pauschal sagen, betonten derweil Stühling wie Schellhaas. Bei einem „normalen“ Hausbrand wie etwa dem in der Dieburger Zuckerstraße, als der Rauch gerade nach oben gestiegen sei und man gefahrlos neben dem Brandort habe stehen können, bliebe KATWARN beispielsweise still.

Beim Reifenlagerbrand in Pfungstadt hätte das vor einiger Zeit anders ausgesehen, beim jüngst passierten Michelsbräu-Brand in Babenhausen wohl ebenfalls. Massenweisen Erhalt von SMS müsse niemand fürchten, betonten die Beteiligten am Montag unisono. Dieburger etwa, die in die SMS nach „KATWARN“ noch „64807“ eintippen müssten, hätten in 2012 laut Stühling vermutlich noch keine Nachricht erhalten, weil es eine Großschadenslage in der Stadt dieses Jahr noch nicht gegeben habe.

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