Katheter auf dem Weg direkt ins Herz

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Dr. Sebastian Sonnenschein zeigt, wie man den eingeführten Katheter am Monitor verfolgen kann, der sich auf eine Engstelle im Herzkranzgefäß zubewegt.

Dieburg ‐   Akuter Herzinfarkt bei einem 65-Jährigen, der Notarzt rückt aus - ab sofort kann dem Patienten auch in Dieburg geholfen werden: Als weiteren Schritt auf dem Zukunftsweg Richtung moderner Diagnostik und Therapie hat das St. Rochus Krankenhaus seit März einen Kathetermessplatz.

Die Abteilung Kardiologie wurde in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Mainz aufgebaut. Von dort kommt auch der Leiter der Abteilung, Dr. Sebastian Sonnenschein (37), der in Darmstadt aufgewachsen ist. Schnelle Hilfe bei Herzinfarkten oder Diagnose bei Patienten, die vom Hausarzt mit diffusen Herzproblemen überwiesen werden: Das sind die beiden Gruppen von Patienten, die hier behandelt werden. Was aber passiert genau an diesem Linkskathetermessplatz, der morgen im St. Rochus offiziell eingeweiht wird? „Wir können jetzt kardiologische Notfälle in kürzester Zeit hier versorgen“, sagt der Mediziner, der auf dem Gebiet sechs Jahre am Universitätsklinikum Mainz und vorher am Klinikum Frankfurt-Höchst gearbeitet hat. Zudem hat er einschlägige Erfahrungen als Intensivmediziner.

Die Einrichtung der seit einem Jahr mit Erfolg laufende Intensivstation in Dieburg - räumlich die Nachbarabteilung der neuen Kardiologie - erweist sich jetzt als kluge Investition: Die am Kathetermessplatz behandelten Patienten bleiben mindestens zur Beobachtung über Nacht, manche müssen je nach Schwere der Erkrankung auch länger auf der Intensivstation verweilen.

Katheterschleuse wird in die betäubte Leiste gesetzt

Meistens ist es ein so genannter Vernichtungsschmerz, den der Patient hat“, berichtet Sonenschein von den Empfindungen der Herzinfarktpatienten. Und wie fühlt man sich nach dem Eingriff, wenn beispielsweise eine Engstelle im Gefäß aufgedehnt ist? Da hat er oft schon den Satz gehört: „Jetzt könnte ich gerade wieder nach Hause gehen.“

Erfahren Sie mehr über die Nachtvorlesung im Rahmen der Einweihung.

Bis es soweit ist, steht aber diese Prozedur an: Dem Patient wird über die lokal betäubte Leiste - in manchen Fällen auch über den Arm - eine etwa kugelschreiberdicke Nadel gesetzt, die wie eine Schleuse für den Katheter funktioniert. Die Spitze des Führungsdrahts, die ihm Inneren des Katheders verläuft, ist sehr weich und beweglich, so dass die Gefahr der Verletzung der Blutgefäße möglichst niedrig gehalten wird. Da der Draht aus Metall ist, ist er gut bei einer Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen zu sehen.

„Stent“ stabilisiert lädiertes Blutgefäß

Der Kardiologe kann seine Position gut beobachten, wenn er ihn durch das Blutgefäß zum Herzen hin vorschiebt. Da das Herz und die Blutgefäße aber nur schwer erkennbar sind, kann der Kardiologe bestimmte Bezirke durch das Einspritzen von Kontrastmittel sichtbar machen. „Wir haben hier dazu eine spezielle Injektionspumpe“, zeigt er auf eine grünlich schimmernde Apparatur an der Liege. „Das hat nicht jede Klinik.“

Am Zielpunkt angelangt, wird der Führungsdraht rausgezogen, jetzt kann der Arzt die eigentliche Untersuchung angehen. Ist es nötig, eine verengte Stelle, die zum Infarkt geführt hat, aufzudehnen, kann er einen kleinen Ballon vorschieben, der diese Stelle mit hohem Druck aufweitet. In diesem vorbereiteten „Kanal“ platziert er dann mittels Katheter den so genannten Stent, ein Metallröhrchen, das das lädierte Blutgefäß künftig stabilisiert. Auch eventuell gebildete Blutgerinsel kann der Arzt gleich mit absaugen.

Ein weiteres Angebot kann sich Sonnenschein für die Zukunft vorstellten, wenn die Abteilung ab Mai, erstmals komplett mit drei Ärzten und einem fünfköpfigen Assistenzpersonal besetzt, rund um die Uhr arbeitet. „Wir werden dann auch Herzschrittmacher einsetzen können“, sagt er. Die Voraussetzungen hier seien ideal dafür. Allein schon die frei bewegliche Katheterliege erleichtere dem Arzt den Eingriff wesentlich.

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