Wichtige Leseförderung

Seit 100 Jahren ein Ort der Begegnung

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Vergangenen Freitagabend waren die jungen Leser in der Katholischen Öffentlichen Bücherei unter sich. Besonders wichtig ist der Bücherei die Leseförderung für Kinder.

Dieburg - Die Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB) feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Ihr wichtigstes Anliegen ist die Leseförderung für Kinder. Von Fabian Sell

„Was? Bei Ihnen kann man auch nicht-religiöse Bücher ausleihen?“ Mit Fragen wie dieser ist Christine Spieß, Leiterin der Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB), vertraut: „Manchen ist nicht bewusst, dass wir uns zwar in katholischer Trägerschaft befinden, aber eine öffentliche Bücherei sind.“ Das spiegele sich auch im Bestand wider: Von den derzeit 4000 Medien haben nur etwa 150 einen religiösen Hintergrund. Als die KÖB vor 100 Jahren in einem kleinen Raum in der Marienschule ihre Türen öffnete, gab es gerade einmal 85 Bücher. Der Bestand wuchs, allerdings musste die Bücherei wegen der politischen Verhältnisse 1934 umziehen – Christine Spieß vermutet aufgrund der Aufzeichnungen, dass die Josefs-Kapelle als Zufluchtsort gewählt wurde.

Dort konnte sie noch acht Jahre bestehen – dann schloss die Gestapo die Bibliothek; viele der über 2000 Bücher wurden verbrannt. 636 Bücher standen in den Regalen, als die Bücherei nach dem Krieg wieder öffnete – ein Bestand, der sich im Laufe der Zeit jedoch um ein Vielfaches erhöhte. Heute, sagt Leiterin Christine Spieß, hat die KÖB vor allem ein Ziel: Die Leseförderung für Kinder. Insgesamt 2000 Medienangebote – darunter auch Hörbücher und DVDs - gibt es für Kinder und Jugendliche. Vier Kindergärten in Dieburg nehmen zudem am Bibliotheksführerschein teil. „Dabei lernen die Kinder, wie man sich in einer Bibliothek zurechtfindet“, sagt Spieß.

Angebot für Kinder und Erwachsene

Ihre Vorgängerin Margarete Braun, die die KÖB von 1998 bis 2009 leitete, hat diesen Führerschein vor zehn Jahren eingeführt. Zeitgleich begann die Mitarbeiterin Dagmar Ruißinger Vorlesestunden für Kinder zu organisieren, die seitdem regelmäßig stattfinden. „Für Jugendliche veranstaltet die KÖB seit letztem Jahr auch einen Lese- und Stöberabend“, sagt Spieß, und fügt schmunzelnd hinzu: „Mädchen kommen gerne, aber bisher hat leider noch kein Junge den Weg hierher gefunden.“

Doch nicht nur Kinder möchte die Bücherei erreichen. Auch für Erwachsene sei einiges geboten. Gerne kämen auch Senioren. Und zwar nicht nur zum Ausleihen - sondern auch für den einen oder anderen Plausch. „Damit ist die KÖB auch so etwas wie eine Begegnungsstätte“, sagt Spieß. Eine Begegnungsstätte jedoch, die erst vor drei Jahren ihren Standort im Pater-Delp-Haus verlassen musste. Die Räumlichkeiten in der Dresdener Straße bilden seitdem das neue Zuhause. „Viele waren skeptisch, aber es hat uns nicht geschadet“, sagt Spieß. So sei die Anzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen deutlich gestiegen – von ehemals acht auf 25. Auch die meisten Leser kämen weiterhin und einige neue, etwa Familien aus dem Wohngebiet, seien hinzugekommen.

Fast nur neue Medien

Alle Kunden können dabei hauptsächlich aktuelle Medien ausleihen. „Wir haben kaum Bücher, die älter als sechs Jahre sind“, sagt Spieß. Der Bestand von 4000 bleibe dabei jährlich in etwa gleich. „Ich kaufe jedes Jahr rund 500 Bücher hinzu. Dafür kommen 500 Bücher weg“, sagt Spieß. Ganz anders in den 70ern: So gab es mit 7000 Büchern im Jahr 1979 beinahe doppelt so viele wie heute. Dementsprechend begründete die Leitung den Umzug ins Pater-Delp-Haus mit den enorm gestiegenen Entleihungen; in nur einem Jahr stiegen diese von 12.000 auf 20.000. Auch das Bücherangebot wuchs. Den Höhepunkt erreichte es mit etwa 12.000 Bücher in den 90ern. „Früher hatte die Bücherei keine Konkurrenz. Die städtische Bücherei in ihrer heutigen Form gab es noch gar nicht“, begründet dies die ehemalige Leiterin Margarete Braun.

Doch dann kam die Kehrtwende. „Ich habe den Bestand von 11.000 auf etwa 4.000 gedrückt“, sagt Braun. Der Grund: Die Entleihungen – vor allem ältere Bücher - waren rückläufig. Doch wie viel Geld die Bücherei vom Bistum Mainz für Neuanschaffungen erhalte, hänge unter anderem davon ab, wie oft die vorhandenen Bücher ausgeliehen werden. „Deshalb musste ich viele Bücher raus nehmen“, sagt Braun. Ihre Nachfolgerin Christine Spieß geht indes der Aufgabe nach, Informationen über vorhandene Bücher ins Internet zu stellen. „Die neuen Bücher sind bereits mit einem Barcode versehen, aber von den alten müssen wir noch einige digitalisieren“, erzählt sie, und fügt hinzu: „Aber das hat noch Zeit.“ Wichtig sei vor allem, die Leseförderung für Kinder voranzutreiben.

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