Kaupthing-Opfer kämpft weiter

Dieburg - (eha) Karlheinz Bellmann kämpft. Dazu fährt der Dieburger beispielsweise morgen nach Frankfurt: Zusammen mit anderen Betroffenen will er von einer Vertreterin der Bankenaufsicht (BaFin) eine Antwort auf einen offenen Brief verlangen, den er an die Behörde geschrieben hat.

Dass er die erhält, ist unwahrscheinlich - das hindert Bellmann aber nicht daran, weiterzumachen: Über 30  000 Kaupthing-Anleger gibt es in Deutschland, die für ihre Gesamtsumme von 308 Millionen Euro immer noch auf Entschädigung warten. Bellmann ist inzwischen der Kontaktmann für die Betroffenen in Deutschland, die sich in seinem Internetforum www.kaupthingedge.foren-city.de austauschen.

Für die Ausbildung seiner vier Kinder hatte Bellmann 110 000 Euro auf ein Festgeldkonto angelegt (wir berichteten). Das Geld hatte er im September 2008 nach reiflicher Prüfung bei der Kaupthing-Bank angelegt. Am 8. Oktober wurden die Konten gesperrt, die Großbank brach zusammen, wurde unter staatliche Kontrolle gestellt. Seitdem kämpft er - auch mittels der Medien - um seine Ersparnisse.

Große Verwirrung herrscht derzeit bei den Geschädigten. „In allen anderen europäischen Länder wurde das Geld bereits ausgezahlt, nur in Deutschland nicht“, empört sich Bellmann. Und das, obwohl die Bundesregierung bereit ist, Island im Rahmen eines Darlehens bei den Entschädigungen zu helfen. Erst vor ein paar Tagen hieß es aber in einem Bericht der „Financial Times Deutschland“, die isländische Regierung würde nicht zahlen. Vorgestern kam das Dementi: Island werde die Auslandsschulden begleichen, beeilte sich ein Regierungssprecher klarzustellen. Auch die Kaupthing-Bank selbst betonte, zu ihren Verpflichtungen zu stehen. „Aber warum passiert dann nichts?“, fragt Bellmann.

Zum zweiten Mal in dieser Krise - das erste Mal war er im November auf der Insel - flog Bellmann vergangene Woche nach Island. Bei einer Gläubigerversammlung in Reykjavík wurde von Bankenseite bestätigt, dass bereits über 80 Prozent der Mittel für die Rückzahlung vorhanden seien - immerhin rund 275 Millionen Euro. Weitere 55 Millionen Euro lägen bei der DZ Bank, die den Zahlungsverkehr für Kaupthing in Deutschland übernommen hat. Noch gibt es allerdings keinen Termin für die Auszahlung. „Und das obwohl der Bundesfinanzminister schon Ende November angekündigt hat, dass eine Lösung gefunden wird“, sagt Bellmann. Dass es bislang nicht zur Auszahlung gekommen ist, liegt seiner Meinung nach auch an der DZ Bank. „Die nimmt uns in Geiselhaft“, sagt Bellmann. Solange das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken „die Hand“ auf den 55 Millionen Euro habe, könne auch der weitaus größere Anteil nicht ausgezahlt werden.

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