Paukenschlag zu Jahresanfang

Kehrtwende am St. Rochus

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Das St. Rochus liegt den Dieburgern am Herzen: Das zeigte am Donnerstagnachmittag eine Demonstration auf dem Marktplatz, an der sich rund 200 Sympathisanten, Patienten und Mitarbeiter beteiligten. Am Abend überschlugen sich die Nachrichten: Ein Vertreter des Bistums erklärte, dass das Rochus unabhängig bleiben wolle.

Dieburg - Das ist ein Paukenschlag zu Jahresanfang: In einem Demonstrationszug von der Kratzengasse zum Marktplazt brachten am Donnerstagnachmittag Belegschaft und Sympathisanten des Dieburger Krankenhauses St. Rochus ihre Sorgen um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und den Fortbestand des Hauses zum Ausdruck. Von Jens Dörr 

Exakt in diesen Stunden stellte in Mainz ein Quintett die Weichen für die Klinik neu. Bei einem Treffen von Generalvikar Dietmar Giebelmann, dem Viernheimer Pfarrer Angelo Stipinovich, Wirtschaftsprüferin Ursula Bauer, Rochus-Vorstand und Dieburger Pfarrer Alexander Vogl sowie Bürgermeister Dr. Werner Thomas in seiner Funktion als Kuratoriumsvorsitzender der Rochus-Stiftung einigten sich die genannten Personen Stipinovich zufolge darauf: Die Sanierung des defizitären Dieburger Krankenhaus soll nun doch erst einmal wieder auf eigene Faust stattfinden.

Die Fusion mit den Kreiskliniken des Landkreises Darmstadt-Dieburg in Groß-Umstadt und Jugenheim sowie dem Klinikum Darmstadt ist somit vorerst gescheitert.

„Unsere Verantwortung für Verhandlungen endete am 19. Dezember“, nennt Stipinovich, der sich in der Vergangenheit ausgiebig mit Sanierungen, Verkäufen und Fusionen anderer südhessischer Krankenhäuser des Bistums Mainz befasst hat, den entscheidenden Wendepunkt. Nachdem das Bistum den Willen bekundet hatte, wegen des Defizits des St. Rochus’ mit Kreiskliniken und Klinikum zu fusionieren, liefen im Sommer 2013 die Gespräche an, von denen die Öffentlichkeit erstmals im September erfuhr. Der erste Rückschlag für die Gespräche, nach denen das Dieburger Krankenhaus eigentlich zu 90 Prozent in der Hand von Kreis und Stadt Darmstadt hätte sein sollen, war der Moment, als die zwei Verhandlungspartner dem meist durch Stipinovich und Wirtschaftsprüferin Bauer vertretenen Bistum Pläne vorlegten, nach dem in Dieburg bis zu 116 Stellen wegfallen sollten. 200 direkt beim Krankenhaus angestellte Menschen arbeiten hier in insgesamt 148 Vollzeitstellen. „Wir denken an maximal 40 Stellen“, betonte Stipinovich am Donnerstag noch einmal. „Das passte einfach nicht zusammen.“

Stellen in Dieburg retten

Um doch mehr Stellen in Dieburg zu retten, wollte Kreiskliniken und Klinikum anschließend über einen durch das Darmstädter Marienhospital ergänzten Verbund verhandeln. Die Schwestern des Ordens von der Göttlichen Vorsehung, die das Marienhospital betreiben, erklärten dem Bistum am 19. Dezember, dass sie in die Verhandlungen nicht einbezogen werden wollten. „Da der Orden nicht dem Bistum untersteht und von uns nicht vertreten werden will, ist die Sache erledigt“, so Stipinovich.

Er schließe zwar nicht aus, dass das Bistum mit Blick auf das St. Rochus auch künftig im Gespräch mit Kreiskliniken und Klinikum bleibe. Doch der Pfarrer betonte, was das Gespräch am Nachmittag als Essenz hervorgebracht hatte: „Wir nehmen die Sanierung jetzt selbst in die Hand.“ Der Grund: „Das ganze Jahr 2013 ist schon draufgegangen. Wir können jetzt nicht noch weiter ein paar Monate verhandeln - das kostet uns zu viel Geld.“ Und es müsse zugleich Schluss sein mit der ungewissen Situation, in der sich die Mitarbeiter befänden: „Als Kirche können wir mit den Menschen schon aus prinzipiellen Gründen so nicht weiter umgehen.“ Deshalb sind dem Sachwalter zwei Sätze besonders wichtig: „Das Bistum wird den Sanierungsprozess begleiten. Das Krankenhaus hat weiter Bestand.“

Praktisch gesehen sollen in Kürze aus der Stiftung St. Rochus eine gGmbH (gemeinnützige GmbH) ausgegliedert und ein neuer Geschäftsführer, der die Sanierung im Tagesgeschäft organisieren soll, angestellt werden. Bislang gibt es mit der Kölner Unternehmensgruppe Solidaris einen Geschäftsführer-Vertrag, wird Interims-Geschäftsführer Günter Schmalen extern „eingekauft“. Über die Kehrtwende am Krankenhaus St. Rochus informierten am Donnerstagabend unter anderem Stipinovich und Thomas in einer Versammlung auch die Dieburger Ärzte.

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